Wall Street: Holprig mit positivem Grundton

Der Nasdaq 100 generierte gerade ein erfreuliches Signal, das jedoch mit ein wenig Vorsicht zu genießen ist. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Die US-Aktienbörsen zeigen sich seit 3 Handelstagen von ihrer Schokoladenseite:

Auch wenn es am vergangenen Donnerstag augenscheinlich nur eine geringfügige Kursänderung gab, so war die Börsensitzung dennoch wichtig: Denn die Leitindizes markierten an diesem Tag zunächst ein 7-Wochentief, von dem sie sich dann jedoch kräftig erholen konnten.

Soeben bildete der Nasdaq 100 ein erfreuliches charttechnisches Signal aus, auf das wir einmal schauen werden. Damit könnte der Index der US-Technologieaktien wieder einmal seiner Vorreiterrolle für die Wall Street gerecht werden.

Doch das Signal hat auch eine Schwäche. Immerhin bin aufgrund einer anderen Marktkondition optimistisch, dass wir schon bald wieder auf Rekordjagd gehen werden.

Doch der Reihe nach. Und bevor wir in die Analyse gehen, sind ein paar Erläuterungen unabdingbar, damit Sie das Geschehene besser nachvollziehen können.

Was die Charttechnik so erfolgversprechend macht

Die Charttechnik ist deshalb so erfolgreich bei der Kursprognose, weil sie auf dem Verhalten von Menschen basiert. Wie ist das zu verstehen?

Die Masse der Marktteilnehmer reagiert in bestimmten Situationen immer gleich:

In Euphorie-Phasen regiert die Gier, die uns leichtsinnig und damit zugleich verletzbar macht.

Geht es an den Finanzmärkten bergab, dann beherrscht uns die Angst: Wir werden immer pessimistischer und realisieren (zu spät) Verluste, die wir schon viel früher hätten begrenzen sollen.

Immer wiederkehrende Verhaltensmuster

Diese Verhaltensweisen funktionieren im Großen wie im Kleinen. Erst wenn wir erfahrener im Umgang mit den Börsen werden, vor allem aber, wenn wir bereit sind, unsere Fehler zu erkennen und sie künftig zu vermeiden, werden wir den Fallen entgehen können, mit denen uns die Finanzmärkte immer wieder auf die Probe stellen.

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Und weil das so ist, begegnen uns in Kursverläufen kontinuierlich ähnliche Kurs- bzw. Chartmuster. Wenn Sie wissen, was Ihnen diese Kursmuster über die Finanzmärkte verraten, dann erlaubt Ihnen das, zutreffende Prognosen über die künftige Marktentwicklung zu stellen.

Das gelingt nicht immer, aber in den weit überwiegenden Fällen.

Ws konsolidiert seit gut 3 Monaten

In den Leitindizes der Wall Street hat sich in den vergangenen 3 ½ Monaten ein bekanntes und relativ häufig auftretendes Kursmuster ausgebildet: Das symmetrische Dreieck.

Diese Chart-Formation besteht aus einer Reihe von Kursfluktuationen, die jeweils kleiner als ihre Vorgängerinnen sind. Es werden jeweils tiefer liegende Hochs und höher liegende Tiefs generiert.

Wenn Sie die Hochpunkte und Tiefpunkte jeweils durch eine Linie miteinander verbinden, entsteht im Chart eine Art gleichschenkliges Dreieck: Die beiden Linien laufen aufeinander zu (konvergieren).

Ausbruchrichtung ist vorhersehbar

Ein Handelssignal entsteht immer dann, wenn dieses Dreieck nach oben oder unten verlassen wird. Doch es besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, die Richtung des Ausbruchs schon vorab zu bestimmen.

Das wiederum begründet sich auf das Verhalten der Marktteilnehmer: Diese Chart-Formation dokumentiert Ihnen nämlich, dass sich die Investoren bezüglich der weiteren Marktentwicklung unschlüssig sind – daher die immer kleineren Ausschläge rauf und runter.

Ein solches Verhalten ergibt sich häufig im Anschluss kräftiger Auf- und Abwärtsbewegungen des Marktes. Sie wissen ja: Die Wall Street hatte von August 2017 bis Ende Januar 2018 eine irre Rallye auf’s Börsenparkett gelegt.

Die wahrscheinliche Ausbruchsrichtung aus dem symmetrischen Dreieck ergibt sich aus der Trendrichtung, die zuvor den Markt bestimmt hat. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die US-Leitindizes aus dieser Konsolidierungs-Formation nach oben ausbrechen werden.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.