Wall Street: Holprig mit positivem Grundton – Teil 2

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Der Nasdaq 100 generierte gerade ein erfreuliches Signal, das jedoch mit Vorsicht zu genießen ist. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Im gestrigen ersten Teil habe ich Ihnen die Chart-Formation „Symmetrisches Dreieck“ vorgestellt. Dieses Kursmuster hat sich in den vergangenen 3 ½ Monaten in allen bedeutenden US-Indizes ausgebildet.

Der Nasdaq 100, oftmals ein Vorreiter an der Wall Street, hat auch diesmal wieder als erster Index seine Dreiecks-Formation nach oben verlassen – ein eigentlich positiv zu interpretierendes charttechnisches Signal. Allerdings:

Das Signal hat auch seine Schwächen. Dennoch dürfen Sie aufgrund einer anderen Marktkondition optimistisch bleiben, dass die Wall Street-Rallye bald weiter geht.

Falls Sie den ersten Teil gestern verpasst haben, hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung. Andernfalls können Sie den folgenden Abschnitt auch überspringen.

Zusammenfassung: Das symmetrische Dreieck

Die Charttechnik ist deshalb so erfolgreich bei der Kursprognose, weil sie auf dem Verhalten von Menschen basiert. Das schlägt sich auf Charts in immer wiederkehrenden, sich ähnelnden Kursmustern nieder.

Das symmetrische Dreieck ist ein relativ häufig auftretendes Kursmuster. In einer Reihe von Kursfluktuationen werden jeweils tiefer liegende Hochs und höher liegende Tiefs generiert.

Die Verbindung der Hochpunkte bzw. Tiefpunkte durch Linie lässt im Chart eine Art gleichschenkliges Dreieck entstehen. Das dieses Kursmuster eine Konsolidierung nach einen vorhergehenden starken Trends darstellt – die Marktteilnehmer sind unschlüssig, wie es weitergeht – erfolgt der Ausbruch meist in Richtung des vorherrschenden Trends.

Nasdaq 100 bricht aus symmetrischem Dreieck nach oben aus

Und genau das ist nun dem Nasdaq 100 als erstem der US-Indizes gelungen. Die von diesem Index abgebildeten 100 größten Technologieaktien neigen ohnehin dazu, dem Gesamtmarkt vorweg zu laufen.

Schauen wir uns das im nachfolgenden Chart gemeinsam an:

Nasdaq 100 bricht aus symmetrischem Dreieck nach oben aus

Der gelbe Kreis zeigt Ihnen den Ausbruch aus dem symmetrischen Dreieck. Im unteren Chartteil sehen Sie die erste der von mir eingangs angesprochenen Schwächen dieses Signals:

Der Ausbruch aus dem Dreieck sollte eigentlich von deutlich anziehenden und überdurchschnittlichen Umsätzen begleitet werden. Der blaue Kreis markiert, dass das Handelsvolumen beim Ausbruch unter dem 50-Tage-Durchschnitt blieb.

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Darauf sollten Sie beim symmetrischen Dreieck achten

Und noch eine, etwas tückische Eigenschaft des symmetrischen Dreiecks will ich Ihnen nicht vorenthalten: Je näher der Ausbruch an der Spitze des Dreiecks erfolgt, umso schwächer ist das Signal meistens.

Handelt es sich also um eine Bullenfalle? Nicht unbedingt:

Optimistisch stimmt mich eine andere Marktkondition, die Ihnen der folgende Chart offenbart:

Nasdaq 100: Relative Stärke Index in einem langfristig intakten Aufwärtstrend

Der Indikator für Trend-Intensität, der Relative Stärke Index, dokumentiert einen seit 2009 andauernden und vor allem intakten Aufwärtstrend. Dies ist deshalb von großer Bedeutung, weil es sich hier um einen langfristigen Monats-Chart handelt.

Fazit:

Was wir seit gut 3 Monaten an der Wall Street durchleben, ist ein „Durchatmen“ der Marktteilnehmer nach der unglaublichen Rallye von August 2017 bis Ende Januar 2018.

Diese drückt sich in den US-Leitindizes durch die Konsolidierungs-Formation „Symmetrisches Dreieck“ aus. Dem Nasdaq 100 gelang jüngst der Ausbruch aus diesem Kursmuster nach oben.

Allerdings war dieses erfreuliche Signal von unterdurchschnittlichen Umsätzen begleitet, was Ihnen zeigt, dass die Großinvestoren (noch) nicht so recht mit an Bord sind. Zudem:

Das Signal entstand nahe der Spitze des Dreiecks, was darauf schließen lässt, dass es kein sonderlich starkes Signal ist.

Dennoch besteht kein Grund zur Sorge: Langfristig ist der Aufwärtstrend an der Wall Street intakt, wie uns der Relative Stärke Index im Monats-Chart dokumentiert.

Was Sie daher als Investor derzeit unbedingt benötigen, ist vor allem eines: Geduld!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.