Wall Street: Kommt jetzt der Crash?

Die US-Börsen schwächelten gestern deutlich: Haben wir Investoren Anlass zur Sorge? (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Der Dow Jones Industrial Average ist für viele Experten nach diversen Maßstäben völlig überkauft und reif für eine Korrektur. Nicht wenige meinen sogar, die Wall Street stehe vor einem Crash.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich mir zu keiner Zeit die Marktmeinung anderer zu eigen mache. Wenn zugleich sehr viele Experten zu einer ähnlichen Einschätzung gelangen, werde ich sogar besonders vorsichtig.

Daher werden wir uns heute und morgen gemeinsam einige der wichtigsten US-Indizes in Kombination mit unterschiedlichen Indikatoren anschauen. Danach werde ich Ihnen MEINE Sicht der aktuellen Marktlage darlegen.

Dow Jones: Schwindelerregende Höhen

Zugegeben: Wenn Sie auf den nachfolgenden Chart des Dow Jones schauen, dann kann einem schon etwas mulmig werden:

Dow Jones: Schwindelerregende Höhen

Der US-Leitindex ist seit dem Tief am 18. August 2017 beinahe senkrecht in die Höhe geschnellt: Ein Anstieg von fast 5.000 Punkten oder +23%.

Ausgehend von dem Basistrend, der seinen Ursprung im März 2009 hat, sehen Sie seit dem Tief im Februar 2016 eine drastische Beschleunigung: Das machen die immer steileren Aufwärtstrend-Linien deutlich.

Und ja: Zuletzt stieß der Dow Jones sogar an die Oberseite seines steilsten (orangefarbenen) Aufwärtstrend-Kanals.

Das vielleicht einzige „positive“ Argument bezüglich der hier zu sehenden Euphorie ist: Im Basistrend-Kanal ist sogar auch jetzt noch „Luft nach oben“.

Dow Jones: Überkauft ja – aber auch reif für einen Crash?

Wir können also sicherlich konstatieren, dass der Dow Jones schon arg gut gelaufen ist. Eine Korrektur JETZT wäre ohne jeden Zweifel angebracht. Doch müssen wir daraus auch direkt einen bevorstehenden Crash schlussfolgern?

Ausschließen kann natürlich auch ich eine derartige Entwicklung nicht. Aber – und hier kommt ein dickes ABER: Wenn es einen Crash gibt, dann werden Sie dafür im Vorfeld Signale vom Aktienmarkt gesendet bekommen.

Und auf genau diese Signale werden wir heute und morgen schauen.

Können Sie den Dow Jones noch „für voll nehmen“?

Bleiben wir noch für einen letzten Blick bei dem obigen Dow Jones-Chart: Was Sie in der Grafik auch sehen, sind – trotz Beschleunigung – 3 intakte, immer steilere Aufwärtstrends!

Rein vom Kursverlauf her müssten erst einmal diese 3 Aufwärtstrends der Reihe nach durchbrochen werden. Und noch einen Punkt sollten Sie bedenken:

Der Dow Jones, das habe ich in den letzten Wochen mehrfach beschrieben, kann als Index eigentlich nicht mehr „für voll genommen werden“: Als Durchschnitts-berechneter Index repräsentiert er schon lange nicht mehr die wahre Entwicklung der Wall Street.

Aus dem gleichen Grund fehlen im Index Aktien wie beispielsweise eine Amazon, die gewiss zu den 30 größten Industriewerten der USA zählt – schlichtweg, weil die Aktie mit einem Kurs von mehr als 1.400 USD den Dow Jones noch weiter nach oben treiben würde.

Was zeigt uns der Performance-Vergleich der US-Indizes?

Vermittelt uns der Dow Jones mithin ein falsches Bild vom Markt?

Schauen wir also als Nächstes einmal auf einen Vergleichschart mehrerer US-Indizes. Als Ausgangspunkt habe ich hier das letzte bedeutende Tief vom 18. August 2017 gewählt:

Dow Jones läuft der Konkurrenz seit August 2017 davon

Hier finden Sie meine obige Aussage bezüglich des Dow Jones bestätigt. Er ist zuletzt sogar den traditionell sonst immer besseren Technologieaktien der Nasdaq enteilt! Und:

Der breit aufgestellte NYSE Composite (repräsentiert über 1.500 Aktien) hat es in dem betrachteten Zeitraum gerade einmal auf +16,5% gebracht. Wir halten fest:

Auch in der Performance gibt es zwischen den einzelnen Indizes recht gravierende Unterschiede.

Advance-/Decline-Linie S&P 500: Kein Zeichen von Schwäche

Schauen wir zum heutigen Abschluss noch auf einen Indikator, der mit seiner Entwicklung meist frühzeitig auf eine Trend-Umkehr schließen lässt: Die Advance-/Decline-Linie.

Dieser Indikator berechnet sich aus der börsentäglich kumulierten Differenz zwischen den im Kurs gestiegenen und gesunkenen Aktien eines Index. Seine Interpretation:

An einem Aufwärtstrend sollten möglichst viele der in einem Index enthaltenen Aktien teilnehmen. Wird der Aufwärtstrend von immer weniger Werten angetrieben, ist das ein negatives Vorzeichen.

Advance-/Decline-Linie S&P 500: Kein Zeichen von Schwäche

Sie sehen auch hier den langfristigen Trend seit März 2009. Und hier können wir ebenfalls eine Beschleunigung erkennen. Aber:

Die jüngste Aufwärtsbewegung im S&P 500 wurde von der breiten Mehrheit der im Index enthaltenen Aktien getragen (gelber Kreis): Von einer vorzeitigen Gegenbewegung, die das Argument eines Trendwechsels befeuern würde, ist rein gar nichts zu sehen.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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