Wall Street: Kommt jetzt der Crash? – Teil 2

Fortsetzung der gestrigen Wall Street-Analyse: Haben wir Investoren Anlass zur Sorge? (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Wie wir gestern bereits festgestellt haben, könnte der Dow Jones Industrial Average in der Tat eine kräftige Korrektur vertragen. Und auch für die anderen Wall Street-Indizes wäre eine Verschnaufpause durchaus gesund.

Doch reicht der Fakt eines starken Anstiegs um bis zu +23% seit Mitte August 2017 aus, gleich eine größere Abwärtsbewegung oder gar einen Crash zu erwarten, wie dies viele Marktexperten derzeit tun?

Wir setzen heute unsere Suche nach Antworten auf diese Frage fort, indem wir auf andere US-Indizes in Kombination mit diversen Indikatoren schauen.

Vertrauen Sie den Großinvestoren

Die Untersuchung der Advance-/Decline-Linie für den S&P 500 hatte gestern erst einmal keinen Hinweis auf eine lauernde Gefahr gegeben.

Betrachten wir als Nächstes den Nasdaq Composite mit seinem On-Balance-Volumen. Dieser Index bietet Ihnen aufgrund der darin enthaltenen knapp 2.700 Aktien einen breiten Überblick über die Entwicklung der US-Technologieaktien.

Das On-Balance-Volumen (OBV) verknüpft die börsentäglichen Kursveränderungen eines Marktes mit den dazugehörigen Umsätzen. Das erlaubt Ihnen, das Verhalten der Großinvestoren nachzuvollziehen, die bekanntlich die Trends an den Finanzmärkten definieren und beenden.

Nasdaq Composite: Großinvestoren machen noch keinen Rückzieher

Nasdaq Composite: Großinvestoren machen noch keinen Rückzieher

Lassen Sie sich bitte nicht von den vielen eingezeichneten Linien irritieren: Wir orientieren uns an den Zahlen.

Zwei Dinge werden bei der Analyse des OBVs schnell klar: Der Indikator bildet ebenfalls Trends aus. Und: Die bei Trendbrüchen generierten Kauf- und Verkaufssignale bieten Ihnen nicht das allerbeste Timing (siehe grüne und rote Vertikalen).

Der Abschnitt 1 zeigt Ihnen den Aufbau der Internet-Blase, die im Jahr 2001 platzte. Hier halten wir fest, dass wir ab 1997 eine Beschleunigung der Großinvestorenkäufe beobachten konnten – so etwas sehen wir aktuell nicht.

Abschnitt 2 zeigt die Baisse nach dem Platzen der Internet-Blase. Auch hier kam das Kaufsignal reichlich spät.

Abschnitt 3 betrifft die Aufwärtsphase ab 2003 bis zur Finanzkrise.

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Für den Start des Abschnitts 4 von 2009 bis heute gab es gleich 2 aufeinanderfolgende Kaufsignale in 2009 (Trendbruch) und 2010 (neues Allzeithoch im OBV).

Wie Sie unschwer erkennen, zeigt der Aufwärtstrend des On-Balance-Volumens derzeit keine Schwäche (gelber Kreis):

Die Großinvestoren fallen mithin – zumindest noch derzeit – als Initiator eines baldigen Crashs aus.

NYSE Composite: Derzeit keine Anzeichen für einen Crash

Einer meiner Lieblings-Indikatoren ist der Relative Stärke Index (RSI), den ich allerdings etwas anders nutze, als es standardmäßig vorgesehen ist:

Auch der Indikator für Trend-Intensität bildet Trends und damit zugleich Kauf- und Verkaufssignale aus. Außerdem bevorzuge ich die Analyse des RSI im Monats-Chart.

NYSE Composite: Derzeit keine Anzeichen für einen Crash

Sie sehen es selbst: Hier passen die Kauf- und Verkaufssignale vom Timing her besser als beim OBV. Sie können mit dem RSI die großen Abwärtsbewegungen vermeiden und sind bei den Aufwärtstrends dabei – und das stets für eine lange Zeit.

Aktuell hat der RSI ein Niveau erklommen, dass erst zweimal in den vergangenen 28 Jahren erreicht wurde (gestrichelte Horizontale). ABER:

Nur im Jahr 2007 wurde wenig später ein Verkaufssignal generiert. Im Jahr 1996 reichte es lediglich für einen kurzzeitigen Rücksetzer. Der NYSE Composite kletterte noch bis zum Sommer 1998 und bildete dabei eine Divergenz (Abweichung) zum RSI aus, bevor es einen signifikanten Kurseinbruch gab (Punkt 1 im Chart).

Von einem Bruch des Aufwärtstrends (2) ist der RSI aktuell noch weit entfernt.

Fazit

Auch wenn die US-Aktien-Indizes derzeit recht überkauft erscheinen und eine Verschnaufpause gut gebrauchen könnten: Mehr als das ist aus den Analysen verschiedener Indizes und diverser Indikatoren allerdings nicht herauszulesen. Vor einem Crash brauchen Sie sich derzeit also nicht zu fürchten – noch nicht. Doch wenn es dazu kommen könnte, dann werden Sie hier darüber etwas lesen!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.