Wall Street: Lichtblick in einer charttechnisch schwierigen Lage

Die Charttechnik an der Wall Street ist derzeit angeschlagen:

Seit Anfang Februar pendelt der Dow Jones um die psychologisch wichtige Marke von 18.000 Punkten:

Nach oben hin war bei 18.290 / 18.350 eine unsichtbare Barriere eingezogen. Auf der Unterseite lag die Grenze bei 17.580. Am 7. Juli kam es zu einem Ausrutscher bis auf 17.465, bevor der Dow Jones wieder nach oben drehte.

Ähnlich entwickelte sich der S&P 500: Seit fast 6 Monaten ist es hier die Marke von 2.100 Zählern, die den Investoren Schwierigkeiten bereitet:

Auf der Oberseite war bei 2.220 Punkten „Schluss“ – seit Mai hat sich dieser Widerstand auf 2.134 verschoben. Nach unten bot die Zone 2.040 /2.044 eine solide Unterstützung.

Nun, runde Marken haben hin und wieder ihre Tücken: Wir erinnern uns noch sehr gut an die 10.000er-Marke im DAX 30, die dem deutschen Leitindex von Juni 2014 bis zum Januar dieses Jahres – also 8 Monate lang – Paroli bot.

Gestern unterbot der Dow Jones mit seinem Tagestief von 17.399 Punkten die oben genannte, monatelange Unterstützung. Beide Indizes, Dow Jones und S&P 500, haben nun an 5 Handelstagen in Folge mit einem Minus geschlossen.

Die Stimmung ist (mal wieder) schlecht

Logisch, dass die Stimmung der Marktteilnehmer derzeit mal wieder am Boden ist. Immerhin wurden an den letzten 6 Handelstagen die seit dem 9. Juli aufgebauten Kursgewinne komplett ausradiert.

Wie mies die Stimmung am vergangenen Donnerstag war – also nach 2 bis 3 der insgesamt 6 Minus-Handelstage – zeigt uns der Blick auf die soeben veröffentlichten Daten von Ticker-Sense.

Den Anlegern den Puls gefühlt

Die US-Seite www.tickersense.com wird vom Unternehmen Birinyi Associates, Inc. betrieben, die schon seit einigen Jahren die Ergebnisse ihres sogenannten „Ticker Sense Blogger Sentiment Polls“ publiziert.

Jeden Donnerstag beantworten prominente US-Investment-Blogger die Frage „Wie ist ihre Trend-Einschätzung für den S&P 500 für die kommenden 30 Tage?“ Die Teilnehmer haben 3 Antwortmöglichkeiten:

„Bullish“ bedeutet, die Befragten erwarten einen steigenden Index. Bei der Antwort „Bearish“ rechnen die Blogger mit einem fallenden S&P 500. „Neutral“ heißt dementsprechend, dass keine bedeutsame Veränderung angenommen wird.

Extremwerte erlauben treffsichere Prognosen

Werden in der Ticker-Sense-Umfrage Extremwerte erreicht, dann lassen sich daraus recht treffsichere Einschätzungen ableiten:

So sind Bären-Anteile von mehr als 50% und weniger als 20% vergleichsweise selten. Auch Bullen-Anteile von mehr als 55% und weniger als 20% sind eher rare Erscheinungen.

Letzte Rallye brachte zwischen +3,8% und +4,3%

Am 7. Juli hatte ich zuletzt die Ticker-Sense Auswertung für Sie hier in Chartanalyse-Trends analysiert. Aufgrund der Anteile – Bullen: 16,67% / Bären: 45,83% – hatte ich Ihnen eine kräftige Erholung prognostiziert. Und so kam es auch:

Der S&P 500 startete vom Tief bei 2.044 am selben Tag eine Rallye, die am 20. Juli bei 2.132 Punkten (+4,3%) gipfelte, wie Sie auch im gleich folgenden Chart sehen können. Der Dow Jones zog im selben Zeitraum von 17.465 auf 18.137 Zähler an (+3,8%).

Derzeit sind die Bären wieder in der Überzahl

Die prozentualen Auswertungen der Ticker-Sense-Umfragen werden zu Beginn der darauf folgenden Handelswoche veröffentlicht. Im Chart habe ich stets die Ergebnisse am Tag der Umfrage eingetragen:

Sie sehen daher den S&P 500 genau so, wie die Blogger zum Zeitpunkt der Befragung.

Die Umfrage vom letzten Donnerstag, dem 23. Juli, erbrachte folgende Einschätzung für die laufende Handelswoche:

ticker sense blogger sentiment Poll-28-07-2015

Ticker Sense Blogger Sentiment Poll (Quelle: www.tickersense.com): Erneut auffallend wenig Bullen

Sie sehen: Der Anteil der Bären ist mit 40,00% wieder recht hoch, die Bullen mit 20,00% erneut am unteren Extremwert.

Auffallend hoch ist der Anteil des Neutralen-Lagers mit 36,00%: Diese Gruppe schlägt sich regelmäßig auf die Seite, die sich wenig später durchsetzt.

Stimmung seit Donnerstag eher noch finsterer

Wenn wir nun noch berücksichtigen, dass die Umfrage am vergangenen Donnerstag erfolgte und der S&P 500 seither nochmals fast 40 Punkte verloren hat, dann können wir unterstellen:

  • das Bärenlager dürfte eher weiteren Zulauf erhalten haben
  • das Bullenlager sollte sich nicht unbedingt vergrößert haben
  • ein Teil der Neutralen dürfte ins Bärenlager abgewandert sein.

Zusammengefasst bedeutet das: Die Stimmung dürfte sich bis gestern eher weiter verdüstert, als aufgehellt haben.

Das heißt: Gerade weil der Pessimismus aktuell wieder ausgesprochen hoch ist, ist dies in der gegenwärtig angeschlagenen Marktlage ein echter Hoffnungsschimmer!

28. Juli 2015

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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