Wall Street: Mit Apple in den Abgrund?

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Die Apple-Aktie rauschte am Freitag mit einem Handelsvolumen von irren 19,1 Mrd. USD in den Keller: Ein Warnsignal? (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Die vom Hightech-Geräte-Hersteller Apple (Ticker: AAPL) am Donnerstagabend veröffentlichten Zahlen zum Geschäftsverlauf im 3. Jahresviertel kamen bei den Aktionären nicht so gut an: Die Aktie verlor am Freitag heftige -6,6%.

Doch es waren nicht allein die Quartalszahlen, die für Unruhe sorgten: Eine vom Apple-Management gleichzeitig bekanntgemachte Entscheidung bezüglich der künftigen Unternehmenspolitik gegenüber Analysten und Investoren könnte sich fatal auswirken.

Wir schauen auf die Quartalszahlen, diskutieren die angesprochene Entscheidung und analysieren natürlich die Charttechnik:

Könnte die am höchsten bewertete Aktie der Welt zum Katalysator für ein weiteres Abkippen der Wall Street werden?

Gute Zahlen, aber verhaltener Ausblick

Der Tagesverlust von -6,6% war der höchste seit fast 3 Jahren. Dabei verliefen die Geschäfte von Apple im 3. Jahresviertel eigentlich sogar besser, als von den Analysten zuvor prognostiziert:

Der Tech-Gigant setzte 62,9 Mrd. USD um und verdiente dabei 2,91 USD je Aktie. Die Experten hatten im Mittel einen Umsatz von 61,57 Mrd. USD und ein daraus resultierendes Ergebnis von 2,78 USD je Anteil erwartet.

Was also war der Auslöser für den kräftigen Kurseinbruch?

Eine schlechte Entscheidung

Den Analysten und Aktionären missfielen 2 Dinge:

Apples Umsatz-Prognose für das laufende 4. Quartal – wegen des darin enthaltenen Weihnachtsgeschäftes traditionell das stärkste – blieb mit 91 Mrd. USD unter der Analystenschätzung von knapp 93 Mrd. USD.

Doch es gab noch einen „Aufreger“: Das Apple-Management wird künftig keine Absatzzahlen für seine verkauften Geräte mehr veröffentlichen. Laut Unternehmen „seien diese Daten kein guter Gradmesser für die Gesundheit des Konzerns“.

Meine Meinung dazu: Damit hat Apple eine ausgesprochen schlechte Entscheidung getroffen! Denn:

Zum einen war es in der Vergangenheit stets ein Alarmsignal, wenn eine Aktiengesellschaft von heute auf morgen die Auskünfte über seinen Geschäftsverlauf reduziert. Das gilt umso mehr für Absatzzahlen der verkauften Produkte.

Zum anderen hat Apple als das am weltweit höchsten bewertete Unternehmen eine Art Vorbildfunktion.

Tatsächlich blieben die iPhone-Verkäufe im 4. Quartal mit 46,9 Mio. Stück unter den Erwartungen der Analysten, die mit 48 Mio. gerechnet hatten. Die Apple-Entscheidung suggeriert damit, dass sich dieser Trend im 4. Quartal fortsetzt.

Die Konsequenz: Daraufhin kappten gleich 9 Experten ihre Kursziele für die Aktie.

NOCH sind die Aufwärtstrends intakt

Schauen wir nun auf die Charttechnik: Dazu habe ich Ihnen zusätzlich zum Kursverlauf das On-Balance-Volumen eingeblendet.

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Wie Sie wissen, gibt Ihnen dieser Indikator Aufschluss über das Verhalten der Großinvestoren: Diese extrem potente Anlegergruppe initiiert Trends in Aktien, treibt sie voran und beendet sie auch wieder.

Daher ist es für Sie unerlässlich, die Operationen der Großanleger zu verfolgen, wenn Sie am Aktienmarkt dauerhaften Investment-Erfolg wünschen!

Apple-Aktie: NOCH sind die Aufwärtstrends intakt

Bedenkliche Warnsignale

Der kleine Haken im Verlauf des On-Balance-Volumens (OBV) ganz rechts gibt das nur unzureichend wider: Deshalb schreibe ich es Ihnen:

Am Freitag wechselten in der Apple-Aktie 91,3 Mio. Stücke den Besitzer! Auf Basis des mittleren Kurses (zwischen Hoch und Tief) von 209,54 USD entspricht das einem Handelsvolumen von sage und schreibe 19,1 Mrd. USD!

Dass die Großinvestoren an diesem Punkt und aufgrund der von Apple gelieferten Vorlage Profite einstreichen, ist gut nachvollziehbar: Immerhin hat die Aktie seit dem Tief im Mai 2016 in der Spitze satte +161% im Kurs zugelegt!

Der Chart macht aber auch deutlich: Noch ist bei Apple nichts „angebrannt“: Der im gleichen Monat initiierte Aufwärtstrend ist trotz der jüngsten Korrektur weiter intakt. Und das gilt ebenso für den Aufwärtstrend im OBV.

Fazit

Künftig keine Absatzzahlen zu den verkauften Geräten wie dem Umsatzträger iPhone zu veröffentlichen, ist eine ausgesprochen miese Entscheidung des Apple-Managements:

Es erweckt den Eindruck, man habe etwas zu verbergen – gleich wie es auch begründet wird. Und es schürt die Vermutung, die Absatzzahlen stünden vor einer kräftigen Kehrtwende nach unten. Last not least ist es eines Unternehmens unwürdig, das weltweit am höchsten bewertet wird.

Auch wenn aus charttechnischer Sicht die Aufwärtstrends seit Mai 2016 im Kurs und im On-Balance-Volumen intakt sind: Das mit dem Tagesverlust einhergehende gigantische Handelsvolumen am Freitag und die damit verbundene Abwärts-Kurslücke (rotes Rechteck) sind ganz sicher kein gutes Signal:

Hier zeichnet sich die in solchen Marktsituationen typische Verhaltensweise ab: Die Großinvestoren trennen sich von ihren Positionen – die Privatanleger, die den Aufschwung von +161% in den vergangenen anderthalb Jahren versäumt haben, greifen beherzt zu.

Am Ende liegen die Aktien – wie Börsenaltmeister André Kostolany es einmal so treffend formulierte – „in den schwachen Händen“. Nämlich dann, wenn die starken Hände der Großinvestoren mit einer Verkaufs-Schlussoffensive dem „Kurs den Rest geben“.

Der Wall Street wird der Freitag – zunächst einmal – noch nicht schaden. Nichtsdestotrotz sollten Sie gewarnt sein und das weitere Agieren der Großinvestoren in der Apple-Aktie akribisch verfolgen.

Der vergangene Freitag könnte sich als ein Schlüsselereignis entpuppen!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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