Wall Street: So erkennen Sie den Trendwechsel

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Die Korrektur an der Wall Street seit Anfang Mai könnte ihr Ende gefunden haben: Was jetzt passieren muss. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Wäre es nicht prima, wenn die Aktienkurse ständig nur klettern würden? Dann würden wir doch schließlich stets zu den Gewinnern gehören, nicht wahr?

Wissen Sie was? So funktioniert Börse leider nicht! Denn der Börsenhandel basiert auf den unterschiedlichen Einschätzungen der teilnehmenden Investoren.

Wenn die Kurse dauerhaft nur noch stiegen, dann würde das bedeuten, dass praktisch kaum mehr einer verkauft: Die Nachfrage wäre schlichtweg überwältigend. Allerdings:

Wie wollen Sie da noch Geld verdienen, wenn Sie Ihre Buchgewinne gar nicht in klingende Münze wandeln können, weil niemand Ihnen die Aktien abkauft? Halten wir also fest:

Korrekturen gehören an den Aktienmärkten einfach dazu! Auch in Ihrem Leben gibt es schließlich ein ständiges Auf und Ab.

Daher ist es so wichtig, dass Sie die kleinen und eventuell mittelgroßen Rücksetzer der Kurse aus- bzw. durchhalten und nur die größeren Abwärtsbewegungen tunlichst vermeiden. Um dann im nächsten Schritt dabei zu sein, wenn die Aktienmärkte gen Norden streben.

Ich zeige Ihnen heute, wie Sie den optimalen Zeitpunkt zum (Wieder-) Einstieg an der Wall Street ganz einfach selbst erkennen können!

Warum funktioniert Charttechnik überhaupt?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum charttechnische Analyse so gut funktioniert?

Charttechnik ist ja nun mal keine exakt funktionierende Wissenschaft. Sie können Kursbewegungen nicht mathematisch exakt vorausberechnen. Aber:

Sie können mit Unterstützung der Charttechnik eine höhere Wahrscheinlichkeit für die künftige Richtung der Kurse erlangen! Ganz einfach deshalb, weil die Aktienkurse weitgehend von Menschen gemacht werden. (Den Rest erledigt der Computerhandel, dessen Software indes auch von Menschen ersonnen wurde.)

Die an den Börsen agierenden Personen werden nämlich von 2 zutiefst menschlichen Eigenschaften geleitet: Gier und Angst. Der tägliche Handel an den Aktienmärkten basiert auf allen zwischen diesen beiden Polen liegenden Facetten.

Und das drückt sich in immer wiederkehrenden Grund-Kursmustern aus. Je besser Sie diese Kursmuster zu lesen verstehen, umso erfolgreicher werden Sie beim Investieren sein!

William O’Neill, der Börsenforscher

Der US-amerikanische Investor, Unternehmer und Buchautor William O’Neill hat sich mit Leib und Seele der Erforschung solcher Verhaltensmuster verschrieben. O’Neill ist Gründer des US-Unternehmens Investors Business Daily und Herausgeber bzw. Betreiber einer gleichnamigen Börsenzeitung / Internet-Plattform für Investoren.

Er hat zudem die berühmte „CANSLIM“-Strategie entwickelt und seine zahllosen Erkenntnisse in diversen Büchern veröffentlicht. Sein wohl bedeutendstes du bekanntestes Werk ist „How To Make Money With Stocks“ („Wie Sie mit Aktien Geld verdienen“).

In einer seiner zahlreichen Studien eruierte er, ob sich der Start eines Bullenmarktes erkennen lässt. Seine Akribie wurde belohnt:

O’Neill entdeckte nämlich, dass jeder Bullenmarkt seit dem Jahr 1980 mit einem sogenannten „Follow-Through-Day“ (übersetzt etwa: „Tag des Durchstartens“) begann.

Was ist ein „Follow-Through-Day“?

Dazu müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Wall Street markiert im Zuge eines Abwärtstrends ein neues Verlaufstief. Danach sollten die Indizes kein neues Tief mehr ausbilden. Logisch!
  • Ab dem 4. Handelstag nach Ausprägung des Tiefs muss einer der großen US-Indizes (möglichst der S&P 500 oder der Nasdaq Composite) ein Plus gegenüber dem Vortag von mehr als +1,25% aufweisen.
  • Dabei muss der Umsatz über dem des vorhergehenden Börsentages liegen.

O’Neills „Follow-Through-Day“ ist kein Signal mit 100%iger Trefferquote: Denn nicht jeder Follow-Through-Day startete auch einen Bullenmarkt! ABER: Kein Bullenmarkt seit 1980 begann OHNE einen Follow-Through-Day.

Auch die diesjährige Rallye sah einen „Follow-Through-Day“

Auch die Rallye von Ende Dezember 2018 bis Anfang Mai dieses Jahres generierte einen „Follow-Through-Day“ – wenn auch diesmal vergleichsweise spät. Schauen wir uns das einmal gemeinsam im folgenden S&P 500-Chart an.

S&P 500: Follow-Through-Day theoretisch ab Montag möglich

Sie sehen: Erst am 16. Handelstag nach Ausbildung des Korrekturtiefs generierte der Index einen „Follow-Through-Day“: Das vorgegebene Tagesplus wurde mit +1,3% knapp überboten und der Umsatz lag über dem des Vortages.

Bei dem Kurssprung um +3,4% am 4. Januar 2019 wurde zwar Teil 1 der Voraussetzungen erfüllt, nicht jedoch Part 2.

Fazit

Sie haben es selbst gesehen: Das von William O’Neill entdeckte Kursmuster, welches unabdingbar für einen neuen Bullenmarkt ist, funktioniert. Zuletzt im Januar dieses Jahres. Danach legte der S&P 500 bis Anfang Mai noch weitere +10,6% zu.

Lassen Sie sich aber bitte nun nicht davon abschrecken, dass der S&P 500 in den 3 vorausgegangenen Wochen schon +8,2% zugelegt hatte. Beim Investieren sollte nicht die Spekulation, sondern die höhere Wahrscheinlichkeit Ihr Leitmotiv zum Handeln sein!

Zudem kam dieser spezielle „Follow-Through-Day“ ausgesprochen spät zustande. In aller Regel können Sie mit diesem Signal innerhalb der ersten 2 Handelswochen nach einem Korrekturtief rechnen.

Aktuell bedeutet das für Sie: Das Tief vom Montag dieser Woche „könnte“ sich als das finale Korrekturtief erweisen. Dies gilt, solange es nicht unterboten wird.

Wenn es DAS Korrekturtief ist, können Sie ab dem kommenden Montag nach einem „Follow-Through-Day“ Ausschau halten: Denn der morgige Freitag wäre dann der 4. Tag nach dem Tief, ab dem sich das O’Neill‘sche Kaufsignal ausprägen kann.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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