Wall Street: Steigen jetzt die Großinvestoren aus?

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Die Großinvestoren handelten seit August dieses Jahres anders, als Sie es vermutlich erwartet hätten. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Auf die Rolle der Großinvestoren an den Finanzmärkten weise ich regelmäßig hin. Ebenso ermuntere ich Sie häufig, den Leitsatz „Aktien bewegen sich in Trends“ bei Ihren Investments zu beherzigen.

Tatsächlich sind beide Begriffe – Großinvestoren und Trends – eng miteinander verzahnt: Denn das über gigantische Kapitalmittel verfügende „Big Money“ besitzt die Macht, Trends nicht nur zu initiieren, sondern sie auch zu dynamisieren und zu beenden!

Wenn Sie daher bei Ihren eigenen Aktien-Investments diese Verknüpfung beachten und danach handeln, sind Sie der breiten Masse der Privatanleger einen Riesenschritt voraus!

Wir schauen heute einmal aus einer historischen Perspektive auf diese Zusammenhänge. Dabei konzentrieren wir uns auf die Wall Street: Verlassen die Großinvestoren gerade ihre liebste Spielwiese?

Großinvestoren sind für Sie essentiell

Ohne Ihnen damit nahetreten zu wollen: Wenn Sie von einer Aktie 100, 200 oder auch mal 500 Stücke für Ihr Depot ordern, dann wird Ihnen das als eine gewaltige Position erscheinen.

Großinvestoren, wie beispielsweise Investmentfonds, handeln indes täglich 100.000, 200.000, 500.000 oder noch größere Pakete. Die aufgebauten oder angestrebten Positionen in deren Portfolios sind nicht selten derart umfangreich, dass Sie den durchschnittlichen täglichen Handelsumsatz einer Aktie überschreiten.

Wie Sie sich denken können, würde ein einzelner Kauf oder Verkauf einer solch großen Position zu einem massiven Nachfrage- oder Angebotsüberhang führen. Das Resultat wäre in beiden Fällen eine für den Großinvestor nachteilige Kursreaktion.

Daher handelt das „Big Money“ derart große Positionen in mehreren „kleineren“ Portionen und verteilt die dazugehörigen Orders strategisch möglichst günstig auf verschiedene Handelstage.

Erkennen Sie, was die Großinvestoren so treiben

Auch wenn diese Teil-Ausführungen für die Großinvestoren „kleine“ Orders darstellen, so bewegen sie sich im Vergleich zu denen der Privatanleger noch immer in völlig anderen Dimensionen.

Die Aktionen dieser Investorengruppe schlagen sich daher in den Umsätzen der gehandelten Aktien nieder. Und kumuliert natürlich in den Indizes. Allerdings:

Anhand der Umsätze die Transaktionen der Großinvestoren zu verfolgen, ist für den wenig geübten Charttechniker ein schwieriges Unterfangen. Besser eignet sich dafür das On-Balance-Volumen (OBV).

Denn dieser Indikator verknüpft die börsentäglichen Kursveränderungen mit den damit verbundenen Umsätzen. Entsprechend schlägt das OBV immer dann stärker aus, wenn hohe Volumina große Auf- oder Abschläge der Notierung auslösen.

Sie sehen: Das Verfolgen der Großinvestoren-Transaktionen und der von ihnen kreierten Trends lässt sich mittels des On-Balance-Volumens eigentlich recht einfach handhaben.

Die Großinvestoren-Aktionen am Beispiel des Nasdaq Composite

Genau das wollen wir heute einmal anhand des Nasdaq Composite nachvollziehen. Dieser Index bildet bekanntlich die Kursentwicklung der rund 3.000 größten Technologieaktien der Wall Street ab.

Als besonderes Schmankerl habe ich für Sie heute einmal einen Chart vorbereitet, der das On-Balance-Volumen bis ins Jahr 1989 zurück abbildet – also über einen Zeitraum von 30 Jahren.

On-Balance-Volumen Nasdaq Composite: Der Aufwärtstrend seit 2008 ist in Gefahr

On-Balance-Volumen: Der Aufwärtstrend seit 2008 ist in Gefahr

Zwei Hinweise vorweg:

Was bei der Analyse des On-Balance-Volumens schnell ersichtlich wird: Der Indikator bildet – wie der Index – Trends aus. Allerdings bieten Ihnen die aufgrund von Trendbrüchen generierten Kauf- und Verkaufssignale nicht immer das optimale Timing (siehe grüne und rote Vertikalen).

Lassen Sie sich bitte nicht von den vielen eingezeichneten Linien irritieren. Zur besseren Orientierung habe ich Ihnen Zahlen in den Chart eingetragen, die wir nun nacheinander abarbeiten:

  • Der Abschnitt 1 zeigt Ihnen den Aufbau der Internet-Blase, die im Jahr 2000 platzte. Sehr schön zu erkennen ist die Beschleunigung der Großinvestorenkäufe, die sich ab 1997 beobachten ließ. Ein erstes (vergleichsweise frühes) Verkaufssignal wurde erst im September 2000 ausgebildet.
  • Abschnitt 2 zeigt den 3-jährigen Niedergang der Aktien-Kurse nach dem Platzen der Internet-Blase. Auch hier erfolgte das Kaufsignal reichlich spät.
  • Abschnitt 3 betrifft die Aufwärtsphase ab 2003 bis zur Finanzkrise. Hier ging es im OBV insgesamt deutlich gemächlicher nach oben. Zudem wurde die Aufwärtsbewegung 2x von Verkaufswellen unterbrochen.
  • Der vierte Abschnitt von 2009 bis heute zeigt 3 bedeutsame Punkte: Zunächst einmal beschleunigte das OBV aus dem im Jahr 2002 initiierten Aufwärtstrend-Kanal (gestrichelte grüne Linien). Weiterhin können wir heute rückblickend erkennen, dass sich dieser besagte Aufwärtstrend in den Jahren 2011 und 2015 spürbar wieder „ent“-schleunigt hat.

Last not least zeigt Ihnen der gelbe Kreis, dass sich das On-Balance-Volumen derzeit – wieder einmal – an einem kritischen Punkt befindet: Der ohnehin extrem lange Aufwärtstrend aus dem Jahr 2002 ist nach dem jüngsten Aufsetzer ernsthaft in Gefahr.

Großinvestoren verkaufen bereits seit August

Schauen wir uns das zum Abschluss noch auf einem zeitlich stark verkürzten Chart an:

Nasdaq Composite: Großinvestoren verkaufen bereits seit August

Der vom Dezember 2018 ausgehende Aufwärtstrend ist seit dem 20. September 2019 endgültig nach unten durchbrochen (blauer Kreis). Die schwarze Linie im On-Balance-Volumen belegt die von mir eingangs geschilderte Vorgehensweise der Großinvestoren:

Hier wurde die Aufwärtsbewegung von Mitte August bis Mitte September sogar dazu genutzt, Positionen in die steigenden Notierungen abzubauen. Diese wurden von den weniger erfahrenen Privatanlegern in der Hoffnung auf weitere Kursgewinne gerne aufgenommen.

In den vergangenen 14 Tagen wurden die Verkäufe der Großinvestoren jedoch noch intensiviert (gelber Kreis): Und die erst spät eingestiegenen Privatanleger blicken nun schon nach kurzer Zeit auf Verluste in ihren Portfolios.

Ebenfalls gut zu erkennen: Die 2 festen Tage zum Ende der letzten Handelswoche haben am Gesamtbild so gut wie nichts geändert!

Von einem Kaufsignal, sprich: einem Bruch des Abwärtstrends seit Juli, ist das OBV des Nasdaq Composite derzeit noch ein gutes Stück entfernt.

Fazit

Die Großinvestoren bestimmen, wohin die Reise an den Finanzmärkten geht. Und damit starten, befeuern und beenden sie zugleich die Trends in den Aktien und den Indizes.

Wenn Sie das bei Ihren Investments verinnerlichen, dann machen Sie einen Quantensprung bei Ihrem Investment-Erfolg!

Die Historie des Großinvestoren-Indikators, des On-Balance-Volumens, für den Nasdaq Composite zeigt Ihnen, dass der Aufwärtstrend in die Jahre gekommen ist:

Zum einen ist er mit inzwischen 17 Jahren außergewöhnlich lang. Zum anderen hat er sich seit dem Jahr 2011 zweimal spürbar „ent“-schleunigt.

Aktuell steht das OBV an einem kritischen Punkt: Der langfristige Aufwärtstrend seit der Finanzkrise 2007/08 ist in Gefahr. Das sollten Sie bei Ihren Investments derzeit ebenfalls berücksichtigen!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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