Wall Street: Was zeigt Ihnen jetzt die Charttechnik?

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Für mich ist es immer wieder faszinierend, wie die Charttechnik Markt-Entwicklungen schon frühzeitig ankündigt. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

In den Börsenmedien nimmt das Thema „Corona-Virus“ einen breiten Platz ein.

Nachdem zunächst Panik verbreitet wurde – und die Aktienmärkte dann auch gestern deutlich unter Druck gerieten – können Sie am heutigen Dienstag schon wieder eher Beschwichtigendes zu sehen, zu hören und zu lesen bekommen.

Hat das Corona-Virus die Macht, für einen massiven Kurseinbruch an den Finanzmärkten zu sorgen? Ganz ehrlich? Keine Ahnung! Ich bin kein Mediziner und selbst die scheinen ja weder die ausgehende Gefahr noch die Verbreitungsgeschwindigkeit halbwegs sicher einschätzen zu können.

Was ich indes gut beherrsche, ist das Analysieren von Charts. Und daher werden wir heute, wie versprochen, auf die aktuelle Charttechnik der Wall Street schauen. Und ich werde Ihnen aufzeigen, welche Abwärtspotenziale die soeben gestartete Korrektur besitzt.

Dow Jones, bekannt, aber charttechnisch wenig bedeutsam

Beginnen wir mit einem Blick auf den Dow Jones. Üblicherweise vernachlässige ich die Analyse des bekanntesten Leitindex der Welt aufgrund seiner Berechnungsweise:

Es handelt sich nämlich um einen sogenannten preisgewichteten Index: Das bedeutet, dass Mitglieder mit einem hohen Kurs, wie derzeit Boeing (316,60 USD), Apple (308,95 USD) oder UnitedHealth (284,09 USD), den Index-Stand maßgeblich beeinflussen.

Apple prägt also nicht nur die Preisfeststellung der eher nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes, sondern inzwischen eben auch den des Dow Jones.

Wahrscheinliche Abwärts-Kursziele

Dow Jones: Wahrscheinliche Abwärts-Kursziele

Wie Sie in diesem Tages-Chart sehen, hat der US-Leitindex gestern den seit August 2019 laufenden Aufwärtstrend nach unten durchschlagen. Interessant: Das 50-Tage-Momentum kündigte dies mit seinem eigenen Trendbruch bereits am Dienstag (!) vergangener Woche an (rote Ringe).

Die möglichen (Mindest)-Abwärts-Kursziele sind eindeutig: Da wäre zum einen die Unterstützung bei 27.400 Punkten. Da der Index jedoch schon über den Zeitpunkt der Überkreuzung von Unterstützung und Aufwärtstrend aus 2018 hinweg ist, ist ein Aufsetzen auf die Trendlinie, knapp unter 28.000, wahrscheinlicher.

Klar ist aber auch: Sollte der Aufwärtstrend aus 2018 durchschlagen werden, steht uns wohl eine deutlich ausgeweitete Korrektur bevor.

Korrektur mit Ansage

Nehmen wir nun den S&P 500 unter die Charttechnik-Lupe.

S&P 500: Korrektur mit Ansage

Wir sehen hier – trotz der Berechnungsunterschiede – ein ähnliches Bild wie im Dow Jones: Bruch des Aufwärtstrends vom August des letzten Jahres und die Vorabankündigung durch das Momentum.

Auf die dreifache Divergenz (Abweichung) zwischen Index und Indikator hatte ich Sie in den letzten Wochen schon mehrfach informiert (höhere Hochs im S&P 500 wurden nicht durch entsprechende Tops im Momentum bestätigt).

Um die 200-Tagelinie habe ich einen Kanal im Abstand von 7% gezogen. Warum ausgerechnet diese Entfernung? Ganz einfach, weil auf diesem Niveau die meisten Berührungs- bzw. Andockpunkte liegen (gelbe Kreise).

Hier können Sie dann auch noch einmal die jüngste Entwicklung mit der vor exakt 2 Jahren vergleichen (blaue Ringe): Auch im Januar 2018 war der S&P 500 völlig von der Oberseite des Tagelinien-Kanals entrückt – die anschließende Korrektur ließ den Index in nur 14 Tagen um fast -12% abstürzen!

Abwärtspotenzial im S&P 500

Wohin könnte die Reise im S&P 500 gehen?

Im Index wäre die Unterstützung bei 3.025 ein mögliches Kursziel. Doch auch hier liegt die Überkreuzung mit dem Aufwärtstrend aus 2018 schon hinter uns. Wahrscheinlich ist somit, analog zum Dow Jones, ein Aufsetzen auf die genannte Aufwärtstrendlinie.

Das würde ein Kursziel zwischen 3.100 und 3.150 bedeuten, abhängig von der Fallgeschwindigkeit des S&P 500. Darunter würde dann zwar der Aufwärtstrend durchschlagen, aber andererseits könnten die 200-Tagelinie sowie die Unterstützung bei 3.025 den Rückgang mindestens abbremsen.

Fazit

Dass die Korrektur an den Aktienmärkten nunmehr eingeläutet wurde, darüber dürfte angesichts der von mir gezeigten Charts kaum mehr Zweifel bestehen. Interessantes Detail:

Der Schwung-Indikator, das 50-Tage-Momentum, kündigte diese schon seit 2 Wochen an: Im S&P 500 Anfang und im Dow Jones Mitte Januar.

Was Ihnen wieder einmal zeigt: Sie benötigen keine Marktkommentare, um das Geschehene zu verstehen und zu interpretieren! Bei der soeben begonnenen Korrektur ging es schon lange vorher nicht darum, ob es dazu kommt:

Die Frage war einzig, WANN es soweit sein würde. Und dann ist das auslösende Moment, in diesem Fall das Corona-Virus, völlig gleichgültig!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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