Wall Street: Wie Pharmaaktien jetzt einzuschätzen sind

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Nach dem US-Gesundheits- und Biotech-Sektor prüfen wir heute die Charttechnik der Pharmabranche. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Biotech-Unternehmen fokussieren sich weit überwiegend auf die Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln bis hin zur Zulassung durch die Gesundheitsbehörden. Pharma-Konzerne konzentrieren sich hingegen eher auf die Produktion und Distribution von zugelassenen Medikamenten.

Die eigene Forschung und Entwicklung nimmt meist nur noch einen geringen Teil der Geschäftstätigkeit ein: Nicht selten vergeben Pharma-Unternehmen Forschungsaufträge an Drittanbieter aus dem Sektor Biotechnologie.

Mit der heutigen Analyse erfüllen wir Teil 2 des Wunsches von Chartanalyse-Trends-Leser Henrik L.-R.: Er bat mich, nach meinem Check der US-Gesundheits-Branche um meine „Einschätzung zu den … Pharma- und Biotechaktien aus den USA.

Nachdem wir gestern bereits die Biotech-Branche aus charttechnischer Sicht analysiert haben, blicken wir heute auf die US-Pharmaaktien.

Höfliches Schweigen und zeitverzögerte Preisanhebungen

Als US-Präsident Donald Trump vor gut 2 Jahren sein Amt antrat, kritisierte er die hohen Medikamentenpreise der US-Pharmaindustrie. Die Konzern-Chefs fanden sich damals kurz danach bei ihm zu einer Unterredung ein.

Sie hörten sich geduldig Trumps Vorwürfe an (“They’re getting away with murder” = „Sie kommen mit Mord davon.“), bedankten sich artig für ein produktives Treffen – und erhöhten Anfang dieses Jahres, mit angemessenem zeitlichen Abstand, die Preise für viele ihrer Arzneimittel um durchschnittlich +6,3%.

Pharma-Giganten wie Pfizer oder Merck & Co halten Liquiditäts-Reserven von jeweils mehr als 10 Mrd. USD und sind damit in der Lage, jederzeit einen attraktiven Wettbewerber zu „absorbieren“.

So wie zu Jahresbeginn der US-Pharmariese Bristol-Myer-Squibb, der mal eben den Krebs-Spezialisten Celgene für satte 74 Mrd. USD schluckte.

Wenig vertrauenerweckende Charttechnik

Der Branche scheint es also gut zu gehen. Schauen wir einmal, ob sich das auch im Monats-Chart des Branchenindex Dow Jones US Pharmaceuticals widerspiegelt.

US-Pharmabranche: Wenig vertrauenerweckende Charttechnik

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Bis zum Sommer 2015 legten die US-Pharmaaktien eine phantastische Performance hin: Dann endete die gut 6 Jahre andauernde Hausse nach mehr als einer Verdreifachung des Branchenindex (+206%).

Es folgte eine Seitwärts-Bewegung bis zum Sommer 2018: Dann versuchte der Dow Jones US Pharmaceuticals den Aufstieg in völlig neue Kursdimensionen – allerdings nur mit mäßigem Erfolg:

Meine Vermutung ist, dass im Crash von Oktober bis Dezember des letzten Jahres Pharmaaktien vorübergehend als sicherer Hafen angesehen wurden. Als sich dann zu Jahresbeginn eine Erholung der Wall Street abzeichnete, wurde einfach wieder zurück rotiert.

Ausbruch nach oben vermutlich gescheitert

Wenn wir auf den 14-Monats-Relative-Stärke-Index schauen, dann müssen wir den Ausbruchsversuch in neue Kursdimensionen in der zweiten Jahreshälfte 2018 aus heutiger Sicht als gescheitert ansehen:

Der Abwärtstrend aus dem Jahr 2015 wurde zwar vor knapp 10 Monaten nach oben durchbrochen. Mit dem aktuell erreichten Tief wurde indes ein neuer Abwärtstrend etabliert – wenn sich der RSI bis zum Monatsende nicht mehr verändert.

Sollte der RSI in den kommenden Monaten auch noch das Mehrjahres-Tief vom Mai 2018 unterschreiten, dann wäre sogar eine Neujustierung der Abwärtstrendlinie aus dem Jahr 2015 vonnöten.

Fazit

Die US-Branchen Gesundheit, Biotechnologie und Pharmazeutik sind eng miteinander verwoben. Der Wunsch von Leser Henrik L.R., nach dem Blick auf den erstgenannten Sektor auch die Charttechnik der anderen beiden zu untersuchen, ist also nur logisch und konsequent.

Von den 3 hier in Chartanalyse-Trends begutachteten Sektoren steht der Pharma-Bereich charttechnisch noch am besten da: Hier besteht immerhin eine geringe Chance auf eine Abwendung des Abwärtstrends, während dieser bei den beiden anderen Branchen bereits klar etabliert ist.

Das ist die schlechte Nachricht für Sie, falls Sie an Investments in diesen 3 Sektoren gedacht hatten. Es ist eine gute Information für Sie, weil Sie so von sehr wahrscheinlich künftig eher problematischen Investments noch Abstand nehmen oder bestehende auflösen können.

Doch es gibt noch eine andere gute Konsequenz aus meinen Analysen: Zum Glück gibt es schließlich noch 128 andere US-Sektoren, in die Sie alternativ investieren können!

Ich schaue daher morgen einmal in meine Datenbank, welche US-Branchen derzeit von den Investoren favorisiert werden!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.