Walmart-Aktie: Weltgrößter Einzelhändler bringt sich mit Milliarden-Zukauf in Stellung

Der Kampf um Marktanteile im Online-Handel geht in die nächste Runde. Jetzt bläst Walmart, der umsatzstärkste Konzern weltweit, zum Angriff:

Der Einzelhandels-Gigant will das Online-Startup Jet.com schlucken und mit dem Deal die eigenen Online-Aktivitäten deutlich ausbauen.

Mit dem milliardenschweren Deal will der Konzern insbesondere dem Platzhirsch Amazon Marktanteile abjagen.

Die Anleger reagierten verhalten auf die Nachricht – der Kurs der Walmart-Aktie notierte nahezu unverändert.

Was bedeutet die Übernahme für die Strategie des Konzerns? Kann Walmart mit dem Deal doch noch die Kurve im umkämpften E-Commerce-Geschäft kriegen?

Walmart bringt sich in Stellung

Die Rechnung ist einfach. Für 3 Mrd. Dollar in bar will der Einzelhandels-Gigant Walmart das rasant wachsende Startup Jet.com schlucken.

Zusätzlich sollen 300 Mio. Dollar in eigenen Aktien über einen längeren Zeitraum hinzkommen. Ziel des Ganzen ist es, Boden gegenüber dem starken Rivalen Amazon zu gewinnen.

Firmenchef Doug McMillon will mit dem Deal die Preise senken, das Sortiment erweitern und das einfachste Einkaufs-Erlebnis bieten. Geplant ist die Übernahme noch bis Jahresende abzuschließen.

Allerdings muss der Zukauf noch von den US-Aufsichtsbehörden abgesegnet werden.

Mix aus Shopping-Club und Schnäppchen-Portal

Mit der Übernahme erhält Walmart Zugang zur beliebten E-Commerce-Software von Jet.com. Gegründet im Jahr 2014 wurde die Firma als Kombination aus Shopping-Club und Schnäppchen-Portal.

Das Herzstück des erst im Jahr 2014 gegründeten Unternehmens ist dabei ein hochkomplexer, proprietärer Algorithmus.

Dieser sorgt dafür, dass die Kunden jederzeit den günstigsten Preis bekommen – billiger als beim Erzrivalen Amazon und bei der zukünftigen Mutter-Gesellschaft Walmart.

Dabei erhält der Kunde mehr Rabatt, wenn er weitere Artikel seinem Einkaufskorb hinzufügt. Der Service kostet den Kunden knapp 50 Dollar pro Jahr.

Dabei hatte der Jet.com Gründer Marc Lore seine ehemalige Firma Quisdi für über 500 Mio. Dollar an Amazon verkauft und Jet.com als Wettbewerber zu Amazon aufgebaut.

An Jet.com hält der Firmenchef gut 1/4 der Anteile und macht bei dem Deal kräftig Kasse. Dabei soll die Marke Jet.com eigenständig weitergeführt und Lore weiterhin an Bord bleiben.

Platzhirsch Amazon schwierig zu bezwingen

Bislang hat der Einzelhandels-Riese Walmart auf dem Online-Markt keine allzu guten Karten.

Die Online-Umsätze von 14 Mrd. Dollar im vergangenen machten mit bislang mit 2,9% nur einen verschwindend geringen Anteil der Gesamt-Umsätze von 482 Mrd. Dollar aus.

Für Sie zum Vergleich: Amazon erzielte im vergangenen Geschäftsjahr knapp 100 Mrd. Dollar.

Zumindest dürfte Walmart mit dem Zukauf einen besseren Zugang zur Generation der 18 bis 35 jährigen Kundschaft erhalten: Jet.com hat nach eigenen Angaben bereits 3,6 Mio. Kunden. Monatlich kommen etwa 400.000 Kunden hinzu.

Die Firma ist allerdings nicht an der Börse gelistet und legt daher keine öffentlichen Geschäftsberichte vor. Laut US-Medien ist das junge Start-up zwar noch nicht profitabel, aber extrem wachstumsstark.

Schätzungen zufolge hat die Gesellschaft bereits Verkäufe im Wert von mehr als 1 Mrd. Dollar abgewickelt.

Kapitalintensives Geschäft

Strategisch macht der Zukauf durchaus Sinn. Die Kombination einer aussichtsreichen Software und der immensen Lagerbestände von Walmart könnten eine gute Basis für den geplanten Marktanteils-Gewinn bilden.

Denn gerade der Online-Handel ist ein kapitalintensives und margenschwaches Geschäft. Sogar die weltweite Nr. 1 Amazon fährt erst seit einigen Quartalen nennenswerte Gewinne ein.

10. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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