Walmart: Einzelhandelsriese gerät beim Kopf an Kopf-Rennen mit Amazon ins Hintertreffen

Walmart-Aktie: Einzelhandelsriese gerät beim Kopf an Kopf-Rennen mit Amazon ins Hintertreffen. Lesen Sie, wie der US-Konzern mit Künstlicher Intelligenz sein Online-Geschäft forcieren will (Foto: FOTOimage Montreal / Shutterstock.com)

Der Unterschied könnte kaum größer ausfallen. Während die Amazon-Aktie seit Jahresbeginn um 33% nach oben kletterte, sackte der Walmart-Kurs um 11% in den Keller. Auf lange Sicht fällt die Diskrepanz noch deutlich größer aus. Wer vor 10 Jahren auf Amazon setzte, kann sich nun über satte Kursgewinne von beinahe 2.300% freuen. Bei Walmart sind es hingegen „nur“ 75%.

Zuletzt erlebte Walmart, immerhin der größte Einzelhandelskonzern der Welt, seinen schwärzesten Tag der Firmengeschichte. Nach Vorlage schwacher Quartalszahlen straften die Anleger die Aktie ab. Bei einem Kursminus von 9% wurden schlappe 30 Milliarden Dollar Börsenwert auf einen Schlag vernichtet.

Gewinneinbruch im Weihnachtsquartal

Auslöser für die schlechte Stimmung waren die präsentierten Geschäftsergebnisse für das wichtige Weihnachtsquartal. Während die Umsätze auf 110 Milliarden Euro (+4%) nach oben kletterten, sackte der Betriebsgewinn um 28% auf 3,6 Milliarden Euro in den Keller. Als Grund führte der Konzern Restrukturierungskosten und hohe Mitarbeiterboni an. Sie müssen wissen: Im Januar hatte der Konzern angekündigt, den Mindestlohn auf elf Dollar pro Stunde zu erhöhen und auf Grund der positiven Effekte der US-Steuerreform einen Sonderbonus zu zahlen.

Dabei war das Wachstum auf vergleichbarer Fläche, eine der wichtigsten Kennzahlen im Einzelhandelsgeschäft, gar nicht mal schlecht. Auf Grund seiner starken Dominanz im Heimatmarkt (USA) kletterten diese Verkäufe im vierten Quartal immerhin um 2,6%. Beeindruckend – damit gelang Walmart der 14. Anstieg im US-Markt in Folge.

Schwacher Online-Handel treibt Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn

Schwach lief es hingegen im zukunftsträchtigen Online-Geschäft, was wohl auch der Hauptauslöser für den Ausverkauf der Aktie gewesen sein dürfte. Der Einzelhändler verzeichnete nämlich im vierten Quartal nur noch Zuwachsraten im Online-Geschäft von 23%. Für Sie zum Vergleich: Im dritten Quartal waren es noch 50% im dritten Quartal – im gesamten Vorjahr immerhin 29%.

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Firmenchef zeigt sich zuversichtlich

So gravierend der temporäre Einbruch auch erscheint – Firmenboss Doug McMillon zeigt sich optimistisch und peilt für das laufende Geschäftsjahr satte Zuwachsraten von 40% im Online-Geschäft an. Unter anderem soll die Einführung von Künstlicher Intelligenz für Rückenwind sorgen.

Im Januar ließ der Supermarkt eine Technologie patentieren, mit der Kunden des Onlineshops anhand von Fotos selber entscheiden können, welches Obst sie in ihren virtuellen Warenkorb packen. Das Besondere: Diese Fotos zeigen exakt jene Frucht, die der Kunde auch bekommt. Mithilfe von 3D-Scannern und digitalen Wasserzeichen könnten die Produkte dann genau zugeordnet werden.

Automatisierung soll für mehr Effizienz sorgen

Auch in den Märkten hat Walmart jüngst eine neue KI-Software gelauncht. Durch das intelligente System namens Eden sollen Mitarbeiter erkennen, wie frisch das Obst und Gemüse noch ist und wann es schlecht wird. Die Software analysiert auf Grundlage von Fotos, zu wie viel Prozent die Frucht beschädigt ist und wie viele Tage sie bei der gegebenen Lagertemperatur noch haltbar ist. Werden Bananen auf langen Wegen mit schwankenden Temperaturen schneller braun, könnten sie beispielsweise in Filialen verkauft werden, die näher am Ursprungsort liegen.

Zugleich setzt Walmart seit kurzem auf Robotern, die Mitarbeiter bei Routine-Aufgaben unterstützen. Die Automaten können herausfinden, wenn Produkte nicht mehr im Regel sind und nachbestellt werden müssen. Zugleich erkennen Sie falsche Preisauszeichnungen und fehlende oder falsche Schilder.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.