Walmart verkauft britische Supermarktkette Asda

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Walmart zieht sich auch aus Großbritannien zurück. Der US-Einzelhandelsgigant verkauft sein englisches Tochterunternehmen Asda an einen Mitbewerber. (Foto: FOTOimage Montreal / Shutterstock.com)

Der US-Einzelhandelsgigant Walmart hat am vergangenen Freitag bekannt gegeben, dass er seine britische Einzelhandelstochter Asda an die Gebrüder Issa und die Investment-Gruppe TDR Capital LLP verkauft hat. Für die drittgrößte britische Supermarktkette legten die Issa-Brüder und TDR die stolze Summe von 6,8 Mrd. Britischen Pfund (GBP), also umgerechnet etwa 7,5 Mrd. Euro, auf den Tisch.

Issa-Brüder und TDR zahlen 7,5 Mrd. Euro

Für diese gigantische Summe erhalten die Issa-Brüder und TDR allerdings nur eine Mehrheitsbeteiligung an Asda. Walmart will eine nicht näher benannte Minderheitsbeteiligung an der britischen Supermarktkette behalten und wird auch weiterhin Geschäfte mit Asda machen. Darüber hinaus hält Walmart auch weiterhin einen Sitz im Aufsichtsrat des Unternehmens.

Die neuen Eigentümer haben in einer Pressemitteilung erklärt, dass die bisherige Asda-Führungsriege auch weiterhin das Unternehmen leiten wird. Darüber hinaus wollen die neuen Besitzer in den nächsten 3 Jahren über 1 Mrd. GBP (1,1 Mrd. Euro) in Asda investieren, um das Unternehmen und seine Lieferkette weiter zu stärken.

Die beteiligten Parteien im Überblick

Den meisten von Ihnen dürfte der amerikanische Einzelhandelskonzern Walmart Inc. bekannt sein. Schließlich war das Unternehmen aus Bentonville/Arkansas ab 1997 für fast 10 Jahre auch Deutschland aktiv. Im Juli 2006 stieg der US-amerikanische Einzelhandelskonzern jedoch wieder aus dem deutschen Markt aus und verkaufte seine 85 deutschen Filialen an die Metro AG.

Walmart betreibt in 27 Ländern etwa 11.500 Supermärkte und ist mit seinen über 2,2 Mio. Mitarbeitern der größte private Arbeitgeber der Welt. Die Besucherzahlen der Walmart-Märkte liegen aktuell bei etwa 265 Millionen Kunden pro Woche. Walmart erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2020, das bereits Ende Januar beendet wurde, einem Umsatz von 524 Mrd. US-Dollar (USD).

Der im nordenglischen Leeds beheimatete Supermarktkonzern Asda war vor der Übernahme eine 100%ige Tochtergesellschaft von Walmart. Die Asda-Stores verzeichnen derzeit ein Besucheraufkommen von 19 Mio. Kunden pro Woche.

Das britische Einzelhandelsunternehmen beschäftigt derzeit mehr als 146.000 Mitarbeiter. Diese erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2018/19 einen Umsatz von 23 Mrd. GBP (etwa 25,38 Mrd. Euro).

Die EG-Group wurde 2001 von den Brüdern Mohsin and Zuber Issa gegründet. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Blackburn/England stieg in weniger als 20 Jahren zu einem führenden Einzelhandelskonzern auf.

Mit über 6.000 Geschäften in den Bereichen Lebensmittel & Konsumgüter, Gastronomie und Kraftstoffe ist die EG (bzw. EuroGarages) -Group in zehn Ländern in Nordamerika, Europa und Australien vertreten. Das Unternehmen beschäftigt weltweit etwa 44.000 Mitarbeiter und hat ca. 24 Mio. Kunden pro Woche. Die EG-Group erzielte in 2019 einen Jahresumsatz von 20 Mrd. Euro.

TDR Capital LLP ist eine Investmentgesellschaft mit Sitz in London. Das Unternehmen investiert in den Bereichen Bau, Versicherung, Logistik und Lebensmitteleinzelhandel. TDR Capital ist vornehmlich im Vereinigten Königreich aktiv. Die Investmentgesellschaft ist gemeinsam mit den Issa-Brüdern an der EG-Group beteiligt.

Walmarts Expansionspolitik in Europa wenig erfolgreich

Walmart hatte Asda 1999 für 6,7 Mrd. GBP erworben. Die Übernahme war damals mit großen Erwartungen verbunden, denn Walmart wollte die britische Asda zu einer führenden Supermarktkette des Landes ausbauen.

Dies scheiterte, ähnlich wie die Expansionspläne in Deutschland, an der britischen Gesetzgebung. So legte die britische Wettbewerbsbehörde 2003 ein Veto ein, als Walmart die englische Einzelhandelskette Safeway übernehmen wollte.

Darüber hinaus verloren die Asda-Märkte im Lebensmittelbereich in den letzten Jahren stark an Boden. Hatte Asda in 2013 noch einen Marktanteil von etwa 18% im Lebensmittelhandel, so sank dieser bis heute auf nur noch 14,5% ab.

Walmart wollte schon länger verkaufen

Walmart hat laut Financial Times schon seit einiger Zeit den Ausstieg aus dem britischen Einzelhandelsgeschäft angestrebt. Aber die Amerikaner scheiterten im vergangenen Jahr mit dem Versuch, Asda an den Rivalen J. Sainsbury zu verkaufen. Die britische CMA (Competition and Markets Authority – Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde) legte in Veto gegen den Verkauf ein.

Die Nachricht über den möglichen Verkauf der britischen Tochter konnte den Kurs der Walmart-Aktie am vergangenen Freitag nicht positiv beeinflussen. Er verlor an der New Yorker Börse im Tagesverlauf -1,8%. Kein Wunder, denn die Amerikaner erzielten im Vergleich zum Kaufpreis nur einen minimalen Gewinn aus dem Verkauf ihrer britischen Tochter.

Wie es weiter gehen kann

Damit der Deal realisiert werden kann, muss er noch von den zuständigen Aufsichtsbehörden abgesegnet werden. Dabei wird erwartet, dass die britische Wettbewerbsbehörde den Verkauf besonders intensiv prüfen wird.

Dies liegt daran, dass Asda europaweit mehr als 300 Tankstellenvorplätze und die Eurogarages (EG)-Group fast 400 solcher Areale besitzt. Der Übernahmedeal könnte dazu führen, dass die EG-Group eine marktbeherrschende Rolle in diesen Bereich einnehmen wird. Wenn die Aufsichtsbehörden jedoch grünes Licht für den Verkauf geben, soll die Transaktion in der 1. Jahreshälfte 2021 realisiert werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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