Wann bei einer Aktie Vorsicht geboten ist

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Der dramatische Kursverfall bei SKW Stahl-Metallurgie und was Sie als Anleger daraus lernen können. (Foto: fotogestoeber)

Vielleicht haben Sie in dieser Woche den dramatischen Kurssturz der Aktie des Spezialchemie-Herstellers SKW Stahl-Matallurgie mitbekommen. Nachdem das Unternehmen Abschreibungen in massivem Umfang angekündigt hatte, brach der Kurs der SKW-Aktie an nur einem einzigen Tag um fast 60% ein.

Doch was war die Ursache dafür? Das Unternehmen hatte nach einem kürzlich erfolgten Vorstandswechsel einen signifikanten Abschreibungsbedarf angekündigt. Zwei Werke in Indien und Schweden werden demzufolge beinahe auf Null abgeschrieben.

Dabei hatte die Überschrift des Berichts zum 1. Quartal 2014 noch “Wachstum mit Substanz” gelautet. Und jetzt – nur 3 Monate später – erhielten die SKW-Aktionäre eine absolute Horrornachricht. Erfahren Sie jetzt die Hintergründe.

Die Hintergründe der dramatischen Abschreibungen

Der neue Vorstandsvorsitzende von SKW, Kay Michel, nannte in einem Interview mit der “Börsenzeitung” die Gründe für die Abschreibungen. Teils wurden Unternehmen aus heutiger Sicht zu teuer eingekauft. Daher muss der Wert dieser Unternehmen nach unten korrigiert werden, obwohl diese nach Aussage von Michel operativ gut laufen.

Was die beiden Werke betrifft, bei denen riesige Abschreibungen vorgenommen werden, sind die Gründe dafür folgende: Das Werk in Schweden hat nach Aussage des neuen Vorstands-Chefs mit massiven Überkapazitäten zu kämpfen.

Das Werk in Indien bezeichnet er etwas plakativ gar als kleinen “Flughafen Berlin”. Dahin sei so viel Geld geflossen, dass sich dieses Investment wohl niemals rechnen würde. In dem Zusammenhang scheint sich die ehemalige Vorstands-Chefin Ines Kolmsee wohl nicht die Frage gestellt zu haben, wann man die Reißleine ziehen muss.

Neben den Sachwerten (Anlagevermögen) und immateriellen Werten (Firmenwerte), die jetzt deutlich nach unten korrigiert werden müssen, sind auch die aktiven latenten Steuern zuvor in zu großer Höhe angesetzt worden und müssen daher ebenfalls drastisch korrigiert werden.

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Zur Erläuterung: Aktive latente Steuern sind – wenn Sie so wollen – Forderungen gegenüber dem Finanzamt. Das heißt, dass diese dann in der Bilanz ausgewiesen werden können, wenn künftige Steuererstattungen anzunehmen sind.

Ein entscheidendes Detail ist hier das Wort “können”. Denn aktive latente Steuern sind nicht zwangsläufig in der Bilanz anzusetzen.

Die Tatsache, dass diese doch angesetzt wurden und das sogar – wie sich jetzt herausstellte – in zu großer Höhe, bietet daher einen Nährboden für die Interpretation, dass die vorherige Unternehmensführung das Unternehmen etwas glänzender erscheinen lassen wollte. Das ist an dieser Stelle jedoch Spekulation.

Was Ihnen das Beispiel SKW zeigt

Mein Fazit aus dem Fall SKW: Seien Sie vorsichtig, wenn ein neuer Vorstand von außen an die Spitze eines Unternehmens rückt, an dem Sie als Aktionär beteiligt sind. Denn oftmals beginnt ein neuer Vorstands-Chef zunächst mit einer großen Aufräumaktion und holt im Zuge dessen alle “Leichen aus dem Keller”.

Der Hintergrund ist, dass er sich auf diese Weise von in der Vergangenheit begangenen Fehlern distanzieren kann und in der Folgezeit weitaus größere Chancen hat, mit guten Ergebnissen zu glänzen.

Natürlich handelt es sich bei dem beschriebenen Fall SKW um einen Extremfall. Aber: Auch wenn Korrekturen in einem weitaus weniger dramatischen Rahmen vorgenommen werden, wird dies in aller Regel den Aktienkurs negativ beeinflussen. Seien Sie daher in solchen Fällen vorsichtig.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.