Wann explodiert das Rohöl?

Alle Kriegstreiberei in und um Syrien einmal außer Acht gelassen; der Chart von Brent Crude Öl wird immer spannender.

Politisch interessierte Anleger können sicherlich schnell Gründe für eine Bewegung herleiten.

Doch wir schauen uns einfach nur einmal den Chart an – ganz ohne Vorurteile. Denn meistens haben die Märkte Recht – und das nicht völlig grundlos.

Die Lage von Öl spitzt sich zu

Sie sehen den Tageschart von Brent Crude Rohöl aus Sicht der letzten 12 Monate. Die grüne Linie ist der Aufwärtstrend, dem Rohöl bereits seit einem Jahr folgt.

Das ist ein stabiles Zeichen für weiter steigende Kurse. Lediglich einmal haben die Kurse auf Tagesschluss-Basis unter dieser Linie notiert.

Erraten Sie, wann dies war? Natürlich! Wie könnte es auch anders sein: Der einzige Grund, warum Öl kurzfristig aus der Bahn fliegt, ist die US-Präsidentschaftswahl.

Da gab es einfach viel zu viele Turbulenzen. Insofern sei dieser Fauxpas im Chartverlauf verziehen.

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Der Aufwärtstrend ist somit ungebrochen.

Selbst wenn Öl zwischenzeitlich einmal 10 US-Dollar abgibt – so geschehen im Sommer 2016 –, ist der Trend stabil. Warum sollten die Preise also nicht weiter anziehen?!

Ein deutliches Argument dagegen ist (vorerst noch?) die pink eingezeichnete Linie:

In diesem Bereich gibt es aktuell reichlich Gegenwind von den Bären. Mehr als 57,50 US-Dollar sind derzeit wohl nicht drin. Es wurden schon zahlreiche Angriffe versucht, die alle damit Fehlschlägen endeten.

Interessant ist dabei der Verlauf zwischen Dezember und März: Die Hochpunkte wurden immer wieder abverkauft. Allerdings kam die darauffolgende Wende auf einem immer höheren Niveau.

Es gab also Angriffe aus immer höheren Ausgangspunkten. Dies lief solange, bis im Chart fast kein Platz mehr war und die Kurse dann bis zum aktuellen Tief Ende März heruntergedrückt wurden.

Aktuell befinden sich die Bullen in einer erneuten Attacke.

Öl – Wo geht die Reise hin?

Die Preise nähern sich zum wiederholten Male der Widerstands-Linie. Sobald diese erreicht wird, ist es wahrscheinlich, dass die Kurse erst einmal wieder nach unten rutschen.

Spannender ist die Situation diesmal allerdings, weil die grüne Trendlinie inzwischen deutlich näher gerückt ist.

Dieses spitz zulaufende Dreieck zwingt Öl früher oder später aus dieser Begrenzung auszubrechen.

Als Chartmuster oder auch Trendbestätigungs-Formation wird dies gerne von Charttechnikern genutzt. In unserem Fall haben wir ein steigendes Dreieck, das in den meisten Fällen nach oben hin aufgelöst wird.

Für Sie als Anleger bedeutet das: Öl könnte demnächst die Widerstands-Marke durchbrechen. Dabei ist natürlich noch unklar, ob dieser Ausbruch nachhaltig sein wird. Eine Deadline gibt es dabei jedoch schon.

Die beiden Linien im Chart treffen sich außerhalb des für Sie sichtbaren Ausschnitts. Im eigentlichen Chart kreuzen sich beide Ende August 2017.

Bis dahin – vermutlich schon früher – wird also eine Entscheidung hinsichtlich des Öls fallen.

Wir haben also noch max. 4,5 Monate Zeit, um auch fundamentale Gründe für einen Anstieg von Öl jenseits der 58 US-Dollar-Marke zu finden. Die Situation in Syrien wird dabei sicherlich auch eine Rolle spielen können.

Bar-Ausgleich bei Optionen

Haben Sie einen Call oder einen Put gekauft, können Sie ein entsprechendes Recht ausüben, die Aktie zu kaufen bzw. zu verkaufen.

Grundsätzlich geht dies bei jeder Aktie, aber nicht bei allen Basiswerten von Optionen.

Halten Sie Call-Optionen von BMW im Depot, können Sie diese ausführen und damit BMW-Aktien kaufen. Bei Put-Optionen haben Sie die Möglichkeit entsprechend die Aktien zu verkaufen.

Insofern funktioniert das bei Aktien. Doch bei anderen Basiswerten ist dies schlichtweg nicht möglich. Kaufen Sie Optionen auf einen Index, wie den DAX, können Sie diese nicht gegen den DAX an sich eintauschen.

Dieser ist der Index der 30 größten deutschen Unternehmen. Nur weil Sie auf steigende DAX-Kurse setzen, sind Sie nicht Aktionär von sämtlichen Aktiengesellschaften aus dem Index.

Bei Index-Basiswerten müssen Sie die Optionen-Kontrakte entweder selber vorzeitig schließen oder warten, bis diese am Ende der Laufzeit automatisch abgerechnet werden.

11. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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