Wann kommt bei Esprit der Befreiungsschlag?

Bekleidungshersteller Esprit ist bei vielen Kundinnen beliebt. Auch ist die Marke sehr bekannt und hebt sich von Billigheimern ab, ohne jedoch zu abgehoben zu wirken. Doch was sagt die Qualität einer Marke über ein Unternehmen aus?

Bei Esprit gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme. Haupt- und Verwaltungssitz des Unternehmens ist in Hongkong. Der Sitz der Europazentrale befindet sich in Ratingen, Nordrhein-Westfalen.

Von hier aus entwirft Esprit pro Jahr und Sparte 12 Kollektionen. Das Unternehmen ist in 44 Ländern aktiv. Derzeit betreibt Esprit 1.060 eigene Filialen und beliefert mehr als 2.100 Franchise-Partner. Deutschland ist mit einem Umsatzanteil von rund 44% wichtigster Absatzmarkt.

Schwache Zahlen von Esprit

Für das 1. Halbjahr zog Esprit noch eine positive Bilanz. Der Umsatz war zwar um 5,5% auf 12,81 Mrd HK$ rückläufig, hatte sich aber auf vergleichbarer Fläche stabilisiert. Trotz zahlreicher Initiativen kommt Esprit auf keinen grünen Zweig.

Im 3. Quartal musste der Konzern erneut einen herben Umsatzeinbruch von 9,9% auf 6,05 Mrd HK$ hinnehmen. Zudem belasteten starke Währungsdifferenzen – in den jeweiligen lokalen Währungen lag der Rückgang sogar bei 12,7%.

Grund für den Umsatzschwund war der planmäßig erfolgte Flächenrückgang im Zuge der Rationalisierung des Großhandelsgeschäfts sowie der Schließung unrentabler Einzelhandelsstandorte.

Sparte für Frauenbekleidung erfolgreich

Zusätzlich schlugen das fehlende Ostergeschäft, das dieses Jahr ins 4. Geschäftsquartal fiel, sowie das schwache Asien-Geschäft negativ zu Buche. Der Einzelhandelsumsatz steht mit 3,5 Mrd HK$ immer noch für 58% des Gesamtumsatzes, musste aber auch Verluste von 6,4% hinnehmen.

Während die Einzelhandelsumsätze in Europa lediglich um 1% sanken, gaben die Umsätze in Asien um über 18% nach. Im Großhandelsgeschäft sieht es nicht viel rosiger aus. Die Erlöse sanken auch hier um 14,3% auf 2,5 Mrd HK$.

Während die Herrenkollektionen deutlich verloren, war der Rückgang bei den Frauenkollektionen mit -1,6% relativ überschaubar, was an dem Erfolg der neuen Produktdivision Women Trend liegen könnte, deren Umsätze sich fast verdoppelten.

Die Linie edc by esprit verlor dagegen über 10%. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung ist Esprit zurückhaltend, weil sich die gesamte Gruppe nach wie vor im Umbruch befindet.

Anleger sollten die Finger von Esprit lassen

Zwar ist der Sanierungskurs grundsätzlich positiv zu bewerten und jüngste Produktinnovationen zeigen auch, dass man auf dem richtigen Weg ist, doch lassen sich die schwindenden Umsätze nicht wegdiskutieren.

Immerhin bringt das Unternehmen Anlegern derzeit 1,6% Dividendenrendite. Wir fragen uns dennoch, ob diese Ausschüttungen langfristig Sinn machen. Vielmehr sollte das Kapital sinnvoll investiert werden, um langfristig gestärkt aus dieser schwierigen Phase zu kommen.

30. Oktober 2014

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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