Wann zündet die Rakete?

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Am Freitag bringt Rocket Internet eine weitere Beteiligung an die Börse. Trotz positiver Entwicklung zündet die Rakete bislang noch nicht. (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Gestern habe ich Ihnen über die Veränderungen in den deutschen Indizes berichtet, die am kommenden Montag umgesetzt werden. Ein indirekter Gewinner der anstehenden Änderungen ist Rocket Internet. Obwohl es bei der Internet-Start-up-Schmiede gut läuft, kommt der Aktienkurs bislang noch nicht so recht in die Gänge.

Rocket Internet hält Beteiligungen an unterschiedlichen Internet-Firmen. Bereits in der Gründungsphase beteiligt sich das Berliner Unternehmen an aussichtsreichen Firmen, hilft bei der Finanzierung und stellt für sie verschiedene Infrastrukturdienstleistungen bereit. Mit dem Ziel, die Beteiligungen irgendwann gewinnbringend zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

Rocket: Indirekter Profiteur der Index-Veränderungen

Das gelang im vergangenen Jahr gleich zwei Mal mit außerordentlichem Erfolg. Vor knapp einem Jahr, im Juni 2017, ging der Börsengang von Delivery Hero über die Bühne. Die Aktie des Essenslieferanten hat seitdem um rund 60% zugelegt. Der zweite erfolgreiche Börsengang war der von HelloFresh. Die Aktie des Kochboxen-Anbieters, die im November 2017 ihr Börsendebüt feierte, notiert immerhin knapp 30% über dem Emissionspreis.

Rocket hat seinen Anteil zuletzt gesenkt, hält aber nach wie vor 36% an HelloFresh. Bei Delivery Hero beträgt der Anteil noch gut 8%. Damit ist die Internet-Start-up-Schmiede, die selbst im März erst in den MDAX aufgestiegen ist, ein indirekter Profiteur der Index-Veränderungen, über die ich Ihnen gestern berichtet habe. Am Montag steigt nämlich Delivery Hero in den MDAX auf. Die HelloFresh-Aktie wird in den SDAX aufgenommen.

Home24 geht am Freitag an die Börse

Der nächste große Börsengang steht kurz vor der Tür. Am Freitag sollen die Aktien des Online-Möbelhändlers Home24 den Börsenhandel aufnehmen. Die Preisspanne wurde auf 19,50 bis 24,50 Euro festgelegt. Am oberen Ende der Spanne käme der Neuling auf einen Börsenwert von bis zu 665 Mio. Euro. Mit dem Erlös aus dem Börsengang soll das Wachstum in den bestehenden Märkten vorangetrieben werden.

Rocket Internet hält 41% an dem Online-Möbelhändler, der in sieben europäischen Ländern sowie in Brasilien aktiv ist, und will diesen Anteil auch vorerst behalten.

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Bei Rocket läuft es gut

Für Rocket läuft es gut. Im ersten Quartal erzielte das Unternehmen einen Nachsteuergewinn von 72 Mio. Euro, nach einem Verlust von 84 Mio. Euro im Vorjahr. Außerdem sitzen die Berliner nach einigen Anteilsverkäufen auf einem Geldberg von rund 2,6 Mrd. Euro.

Dieses Geld will wieder investiert werden. Auf der Hauptversammlung vor wenigen Tagen nannte Vorstandschef Oliver Samwer die Immobilienbranche, Finanzdienstleistungen (Fintechs) und auch Künstliche Intelligenz als Bereiche, nach denen Rocket seine Fühler ausstreckt.

Die Rakete zündet bisher nicht

Trotz der positiven Entwicklung tritt der Aktienkurs derzeit noch auf der Stelle. Ende März kletterte der Kurs mit über 26 Euro zwar auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren. Seitdem befindet sich der MDAX-Neuling aber auf Konsolidierungskurs und notiert noch immer weit unter dem Emissionspreis, der im Oktober 2014 bei 42,50 Euro gelegen hatte.

Wenngleich der Abwärtstrend gebrochen wurde, zündet die „Rakete“ bislang noch nicht. Das kann sich ändern, wenn – vielleicht angeschoben durch einen erfolgreichen Home24-Börsengang – der Ausbruch aus der jüngsten Seitwärtsrange gelingt. Wird das Jahreshoch (26,34 Euro) übersprungen, liegen die nächsten charttechnischen Kursziele bei 30 und 33 Euro.


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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.