Warren Buffett setzt jetzt auf Öl

Immer wieder ist Warren Buffett für eine Überraschung gut. Und dieses Mal hat er mich als langjährigen Beobachter auch völlig überrascht:

So hat er eine hohe zweistellige Millionenbeteiligung bei Suncor Energy vollzogen. Dieser Name ist in Deutschland sehr unbekannt – doch in Kanada ist das Unternehmen die Nummer eins bei den Ölsanden.

Und damit setzt Buffett mal wieder auf Rohstoffe. In diesem Sektor hatte er sich zuletzt zurückgehalten.

Edelmetalle hatte er komplett gemieden – und auch sonst hat er mit Ölpositionen wie Petrochina keine tollen Erfahrungen gemacht sondern sogar Geld verloren.

Daher kommt der aktuelle Kauf doch überraschend – und zudem auch der Zeitpunkt. Also stellt sich die Frage: Was findet Buffett aktuell an dieser Position so spannend? Bei der Antwort finden sich wieder typische Kennzeichen von Buffett Investments.

So sieht der kanadische Ölsandsektor nicht besonders attraktiv aus. Der Preis hat sich zuletzt wenig bewegt und auf dem aktuellen Niveau sind die Margen nicht besonders hoch.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Ölvorkommen benötigen die Ölsandkonzerne schon nachhaltige Ölpreise von mehr als 80 Dollar pro Fass, um ertragreich zu arbeiten.

Aber Buffett sieht auch die Qualität des Sektors: So sind in den vergangenen zwei Jahren große Summen in die Weiterentwicklung geflossen – das gilt auch für den Marktführer Suncor Energy. Doch bislang haben die Börsen das nicht anerkannt.

Also kann man speziell bei den kanadischen Ölsandwerten von einem unterbewerteten Sektor sprechen. An dieser Stelle macht der erfahrene Value-Investor erst einmal einen Haken hinter eine seiner wichtigsten Bewertungskennziffern.

Suncor Energy ist schon jetzt die Nummer 1 bei Ölsanden in Kanada

Hinzu kommt die starke Marktstellung von Suncor Energy. Das Unternehmen ist nicht nur die Nummer eins bei der Produktion mit weiter steigenden Produktionsraten.

Hier gelang dem Unternehmen im Juli ein neuer Rekord von 390.000 Barrel am Tag. Mittelfristig strebt Suncor Energy aber sogar bis zu 420.000 Barrel am Tag an. Zusätzlich verfügt Suncor auch über die größten Reserven der Branche.

Nach aktuellen Berechnungen reichen die Vorkommen noch für 90 Jahre. Auch dieses Kriterium ist nach Sicht eines Value-Anlegers wie Warren Buffett wichtig.

Doch jetzt kommt noch die spezielle Buffett-Komponente des Deals: Das Öl muss transportiert werden – am besten direkt in die USA.

Und so lange der Neubau von maßgeblichen Pipelines noch auf Eis liegt, wird sehr viel Öl auf der Schiene transportiert. Und was glauben Sie wohl wer in diesem Geschäft stark mitmischt?

Richtig – Warren Buffett. Seit der Übernahme von Burlington Northern Santa Fe im Jahr 2009 gehört eben auch das größte Güterverkehrsunternehmen in den USA zu seinem Unternehmen Berkshire Hathaway.

Bei diesen Voraussetzungen ist es doch sehr wahrscheinlich, dass schon bald Suncor Energy die Vorzüge dieser attraktiven Konstellation nutzen wird.

In Kanada wird auf jeden Fall dieser Einstieg von Buffett sehr positiv gesehen. Die Kanadier hoffen, dass der etwas lahmende Sektor durch den Einstieg von Buffett wieder stärker in den Fokus tritt.

Für Rohstoff-Fans zeigt der Einstieg Buffetts zudem, dass er diesen Sektor nicht komplett links liegen lässt und hier Chancen sieht.

Vielleicht sondiert er ja schon Chancen im Kalisektor – der ist wie sie wissen auch unterbewertet und kaum jemand will derzeit einsteigen. Ich halte Sie auf dem Laufenden, wenn Buffett auch in diesen Sektor einsteigt.

21. August 2013

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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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