Warten auf DAS Immobilien-Schnäppchen

Jeder möchte DAS Immobilien-Schnäppchen haben. 30% unter Marktwert einkaufen und einen saftigen positiven Cashflow. Was aber, falls das Schnäppchen nicht kommt? (Foto: Alexander Raths / Shutterstock.com)

Gefühlt jeder Investor kennt einen anderen, der DAS Schnäppchen gemacht hat. Weit unter Wert, toller Cashflow und so praktisch nie wieder zu machen oder zu bekommen. Zumindest wird es so erzählt.

Wenn ich in den letzten knapp 10 Jahren etwas über solche Gelegenheiten gelernt habe, dann sind es drei Dinge:

1. Die meisten dieser „Schnäppchen“ hatten mindestens einen massiven Nachteil

Insbesondere wenn es sich um Käufe handelte, bei denen eine Wohnung nur 10 TEUR bis 25 TEUR gekostet hat. Es war dann auf jeden Fall ein günstiger Preis für eine Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnung. Aber diese lag dann regelmäßig in einem heruntergekommenen Haus und dieses in einer Region mit massiv schlechten Prognosen. Nur wenn eine Wohnung also wahnsinnig günstig ist, heißt es nicht, dass es sich um ein Wahnsinns-Schnäppchen handelt. Die Wohnungen sind einfach auch nicht mehr wert.

Andere Schnäppchen-Beispiele befanden sich in Häusern mit massiv aufgelaufenem Instandhaltungsstau, praktisch insolventen oder massiv zerstrittenen Eigentümergemeinschaften. Alles wertmindernde Faktoren.

2. Manch gutes Angebot wird im Nachhinein zum „Schnäppchen“

Wenn ich mir meine eigenen Investments und die von Kollegen und Freunden alleine anhand den Beispielen München und Nürnberg anschaue, dann werden die meisten Menschen zu den Einkaufspreisen von vor ein paar Jahren sofort „Schnäppchen“ rufen.

Osisko Mining: So günstig wie seit 2009 nicht mehrWie viele andere Minenwerte auch notiert der Goldproduzent Osisko Mining an der Börse aktuell auf einem Mehr-Jahrestief. Dabei sind die Perspektiven weiterhin gut. › mehr lesen

Vor einigen Jahren waren aber 1 TEUR pro Quadratmeter in Nürnberg und 3 TEUR pro Quadratmeter in München leicht zu finden und in manchen Vierteln sogar der Standard.

3. Ein Schnäppchen haben meist auch andere als solches erkannt

Natürlich gibt es auch die echten Schnäppchen. Weil eine zerstrittene Erbengemeinschaft ein Objekt möglichst schnell loshaben will, jemand keine Ahnung von den Marktpreisen hat oder einfach nur den Betrag X für seine weiteren Pläne braucht.

Diese Schnäppchen bekommt aber nicht jeder auf den Tisch. Und selbst wenn, haben den überaus günstigen Preis oftmals noch ein paar dutzend anderer Interessenten auch erkannt. Also selbst wenn Sie ein Schnäppchen mitbekommen, heißt es nicht, dass Sie auch kaufen „dürfen“. Oder vielleicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt auch gar nicht können.

Ich selbst habe auch schon bei Schnäppchen zugeschlagen. Oft bin ich aber aufgrund des massiven Ansturms beim Verkäufer auch nicht zum Zug gekommen.

Mein Fazit:

Wenn Sie ein Schnäppchen erkennen, dann sollten Sie natürlich alles daran setzen, es auch kaufen zu können. Aber ziehen Sie trotzdem auch gute, solide Angebot in Betracht. Rechnen Sie einfach nach, wieviel Sie alleine in Jahren des erfolglosen Schnäppchen-Jagens schon bei einer „nur“ guten Immobilie getilgt hätten. Das holen Sie nicht mehr auf.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Christian Marchner. Über den Autor

Christian Marchners Start in den Immobilienmarkt liegt nun fast 10 Jahre zurück. Heute konzentriert er sich vor allem auf Wachstumsmärkte. Dort setzt er vor allem auf eine langfristig positive Entwicklung in Bezug auf Miet- und Kaufpreise.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Christian Marchner. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz