Warum Bitcoins kein sicherer Hafen sind

Bitcoin_shutterstock_738985114_Wit Olszewski

Bitcoins haben den ersten echten Test nicht bestanden, als sicherer Hafen anerkannt zu werden. (Foto: Wit Olszewski / shutterstock.com)

Wenn die Welt um einen herum zusammenbricht, ist es wichtig, einen sicheren Hafen zu haben, an dem man sein Geld parken kann, damit dieses in Zeiten von Marktturbulenzen seinen Wert behält oder sogar steigert. Gold und Staatsanleihen mit hoher Bonität sind seit Jahrzehnten sichere Häfen. In den letzten Jahren wurde vielfach damit argumentiert, auch Bitcoins in diese Kategorie aufzunehmen.

Was insofern erstaunlich ist, als das Bitcoins so ziemlich das Unbeständigste ist, was man in die Hände bekommen kann. Nicht nur, weil sich viele von ihnen aufgrund von Diebstählen und Hacks in Luft aufgelöst haben. Sondern auch, weil Bitcoins, wenn man sich ihre Kurssprünge nach oben und unten ansieht, von keiner anderen Assetklasse übertroffen werden.

Was der Korrelationskoeffizient bedeutet

Bitcoins-Aficionados ficht dies alles nicht an. Sie bezeichnen Bitcoins deswegen als sicheren Hafen, weil sie angeblich unkorreliert zu anderen Vermögenswerten sind. Zum Verständnis: In der Statistik erklärt die Korrelation die Wechselbeziehung zwischen zwei oder mehreren Variablen. Angegeben wird die Intensität der Wechselbeziehung durch den sogenannten Korrelationskoeffizienten.

Dieser kann Werte zwischen +1 und -1 annehmen. Ein Wert von +1 bedeute, dass die beiden Variablen eine perfekt positive Korrelation (also beispielsweise Kalorienverbrauch und Länge der Joggingstrecke) aufweisen, ein Wert von -1 zeigt eine perfekt negative Wechselbeziehung auf (also beispielsweise Arbeitszeit und Freizeit). Liegt der Korrelationskoeffizient bei null, besteht überhaupt keine Beziehung zwischen den beiden Variablen (Geburtenzahlen und Größe der Storchpopulation).

Wenn ein Vermögensgegenstand, also beispielsweise eine Aktie, negativ korreliert ist zu einem anderen Vermögensgegenstand, also beispielsweise einer Anleihe, dann bedeutet das, dass der Preis der Aktie im Normalfall steigt, wenn der Preis der Anleihe sinkt, und umgekehrt. Das Beispiel wurde nicht von ungefähr gewählt. In der Tat weisen Aktien und Staatsanleihen eines Landes im Normalfall eine leicht negative Korrelation auf.

Alles andere als ein sicherer Hafen

Doch wie sieht es mit den Bitcoins aus? Sind Bitcoins, wie ihre Verfechter behaupten, tatsächlich unkorreliert oder sogar negativ korreliert zu anderen Vermögenswerten?

Leider nicht. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass Kryptowährungen genauso dramatisch (wenn nicht sogar noch dramatischer) abstürzten wie andere Märkte. Während sich der Goldpreis einem neuen Allzeithöchststand annähert und die Renditen zehnjähriger Unternehmensanleihen von einem Rekordtief zum nächsten eilen, waren Bitcoins seit Jahresanfang genauso unter Druck wie die internationalen Aktienmärkte.

Den ersten wirklichen Test, dem Bitcoins seit ihrer Erfindung unterzogen wurden, haben Kryptowährungen also nicht bestanden. Was bleibt ist, dass Bitcoins, zumindest auf dem Papier, ein probates Mittel zur Diversifikation darstellen. Doch den Diversifikationseffekt, den ein Anleger durch den Kauf von Bitcoins erfährt, kann er auch durch die Teilnahme an einem Glücksspiel erreichen. Auch dieses kann hohe Erträge bringen, ist jedoch, zumindest in Bezug auf den Spaßfaktor, mit Sicherheit ergiebiger.

ETF Lupe – zhaoliang70 – shutterstock_230948920

Bitcoin ETFs: Anleger warten auf die erste ZulassungBitcoin ETFs erhalten vorerst keine Zulassung von der US-Börsenaufsicht, doch es gibt eine Alternative. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Peter Thilo Hasler. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz