Warum der „Fall Steinhoff“ uns alle betrifft

In der Börsen-Berichterstattung dreht sich derzeit alles um die Rekordjagd am US-Aktienmarkt. Inmitten der Euphorie kommt es nun in deutschen […]

In der Börsen-Berichterstattung dreht sich derzeit alles um die Rekordjagd am US-Aktienmarkt.

Inmitten der Euphorie kommt es nun in deutschen Landen bei einem Einzelwert zu einem epischen Absturz.

Fast 24 Mrd. € an Marktkapitalisierung verschwunden

Und in dem Fall geht es wahrlich nicht um „Peanuts“. Es geht um gigantische Kapital-Vernichtung, deren Ausmaß aktuell bei fast 24 Mrd. € liegt.

Konkret geht es um den rapiden Zusammenbruch der Steinhoff-Aktie. Das Papier stand jüngst sogar kurz davor, in den deutschen Leitindex aufgenommen zu werden.

Jetzt musste der Konzern nach dem aufkommenden Verdacht von Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung kleinlaut einräumen, dass potentielle Investoren mit Investments in der Steinhoff-Aktie Vorsicht walten lassen sollten.

Ja, das Unternehmen warnt quasi vor dem Kauf der eigenen Aktie. Das ist schon einmalig.

Kurssturz von über 6 auf 0,35 €

Krass ist auch der Absturz der Aktie:

Im Sommer des vergangenen Jahres notierte das Papier des Möbel-Konzerns (Steinhoff ist Mutterkonzern der Marke Poco) noch bei über 6 €.

Jetzt, im Dezember 2017, fiel die Aktie bis auf 0,35 €. Und in dem Kontext sei angemerkt, dass es sich hier um keinen kleinen Nebenwert handelt.

Bei Steinhoff stehen über 4,2 Mrd. Aktien aus.

Unter dem Strich reden wir hier also um einen gigantischen Verlust bei der Marktkapitalisierung von fast 24 Mrd. €.

Aber nicht nur die Aktionäre von Steinhof leiden. Hinzu kommt, dass die Rating-Agentur Moody’s die Kredit-Würdigkeit des Steinhoff-Konzerns auf Ramsch-Niveau abgestuft hat.

Das bedeutet, dass die Rating-Agentur große Bedenken hat, dass der Konzern seine Verbindlichkeiten bedienen kann.

Und in dem Kontext kommen wir genau zu dem Punkt, an dem wir ALLE unter dem Steinhoff-Desaster leiden.

Anleihenkurs kollabiert

Fakt ist leider, dass nicht nur die Steinhoff-Aktie massiv einbrach. Auch bei den Anleihen des Unternehmens kam es zu einem extremen Einbruch.

So notiert die Steinhoff-Anleihe mit einer Laufzeit bis zum Januar 2025 bei nur noch knapp 45% – und jetzt kommen „wir alle“ ins Spiel.

Die EZB kauft ja im Rahmen ihrer extremen Geldpolitik auch Anleihen von Firmen auf, die mit einem „hochwertigem Rating“ versehen sind/waren.

Ja, im Sommer diesen Jahres waren die Steinhoff-Anleihen ja noch relativ gut „bewertet“ und folglich kaufte auch die EZB Anleihen von Steinhoff auf.

Und damit sind wir als haftende Steuerzahler mit im Verlust-Boot – traurig, aber leider wahr.

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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.