Warum der schwache US-Dollar jetzt für steigende Ölpreise sorgt

Am vergangenen Donnerstag hatte ich Sie auf eine wichtige charttechnische Trend-Entscheidung aufmerksam gemacht: Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar seinen seit dem Sommer 2014 gültigen Abwärtstrend nach oben durchbrochen.

Damit Sie dies in der historischen Perspektive richtig einordnen können, hatte ich Ihnen am Mittwoch das Währungspaar in einem Chart gezeigt, der bis 1984 zurückreichte. Daraus ergab sich folgendes Bild:

Seit knapp 8 Jahren bewegt sich der Euro / USD in einem abwärts gerichteten Trend-Kanal, in dem er zyklisch auf und ab pendelt. Vor elf Monaten wurde die untere Begrenzung dieses Trend-Kanals erreicht. Bis letzte Woche folgte eine Stabilisierung in der groben Bandbreite von 1,0460 und 1,1500.

Aus dem nun eingeleiteten Trend-Wechsel resultieren für das Währungspaar, je nach künftiger Dynamik der soeben initiierten Aufwärtsbewegung, Kursziele zwischen 1,2300 und maximal 1,3100. Dabei dient die obere Begrenzung des seit 2008 gültigen Trend-Kanals als Ziel.

NICHT der Euro ist stark, sondern der US-Dollar schwach!

Ganz wichtig für Sie ist indes ein Punkt, um falsche Rückschlüsse zu vermeiden: Wir haben es aktuell NICHT mit einer Stärke des Euro zu tun. Vielmehr erleben Sie gerade eine Schwäche des US-Dollars.

Das wird in der folgenden Grafik erkennbar:

us-dollar index future-08-02-2016

US-Dollar Index Future: Abwärtstrend seit 2014 gebrochen

Der US-Dollar Index zeigt die Entwicklung der amerikanischen Währung gegenüber den 6 wichtigsten Devisen der Welt: Euro, japanischer Yen, das britisches Pfund, kanadischer Dollar, schwedische Krone sowie Schweizer Franken.

Der Bruch des seit dem Sommer 2014 gültigen Abwärtstrends (roter Kreis) dokumentiert somit eine Dollarschwäche gegenüber den Weltleitwährungen!

US-Dollar und die Intermarket-Analyse

Am Donnerstag hatte ich Ihnen noch ein Schmankerl versprochen. Das Stichwort dazu lautete: Intermarket-Analyse, also marktübergreifende Analyse oder Analyse der Beziehungen zwischen den Märkten.

Worum geht es dabei: Es handelt sich um die Erkenntnis, dass sich viele Finanzmärkte gegen- und wechselseitig beeinflussen.

Beispielsweise wirkt sich die Entwicklung des US-Dollars auf andere Finanzmärkte aus, insbesondere die Rohstoffe. Schließlich werden die Rohstoffe in US-Dollar notiert und weltweit in US-Dollar gehandelt.

Wie der US-Dollar die Rohstoffpreise beeinflusst

Somit tangiert die Entwicklung der amerikanischen Leitwährung den Einkauf und Verkauf von Rohstoffen entscheidend:

  • Ein steigender US-Dollar führt tendenziell zu niedrigeren Rohstoffpreisen: Für nicht-amerikanische Unternehmen verteuern sich die Rohstoffe, was zu einer sinkenden Nachfrage führt.
  • Ein fallender US-Dollar führt tendenziell zu höheren Rohstoffpreisen: Für nicht-amerikanische Unternehmen verbilligen sich die Rohstoffe, was zu einer wachsenden Nachfrage führt.

US-Dollar: Frühindikator für die Rohstoffpreise am Beispiel Ölpreis

Da diese Auswirkung verständlicherweise immer mit einer zeitlichen Verzögerung stattfindet, ist die Entwicklung des US-Dollars in aller Regel ein guter Frühindikator für die Tendenz der Rohstoffmärkte.

Schauen wir uns nun einmal die Intermarket-Analyse von US-Dollar Index und Ölpreis an:

us-dollar index versus ölpreis-08-02-2016

US-Dollar Index versus Ölpreis: Spiegelverkehrter Verlauf

In der Grafik wurden wichtige Tiefs (grün) und Hochs (rot) im US-Dollar Index mit vertikalen Balken versehen. Die Kreise zeigen die (in aller Regel) zeitversetzte und spiegelverkehrte Ausbildung der Hochs und Tiefs beim Ölpreis.

Die Intermarket-Analyse bestätigt meine Einschätzung zum Ölpreis, die ich Ihnen bereits am 26. Januar hier in Chartanalyse-Trends gab: Das Tief der Abwärtsbewegung im Ölpreis haben wir mit hoher Wahrscheinlichkeit im Januar bereits gesehen.

Der Bruch des Aufwärtstrends beim US-Dollar Index bekräftigt nun diese Einschätzung, da tendenziell die Rohstoffpreise und damit auch der Ölpreis mittelfristig wieder steigen sollten!

8. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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