Warum Deutschland kein Aktienland ist

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Deutschland ist in Sachen Aktienkultur ein Entwicklungsland. Das ist schade! Denn vor allem die Nicht-Aktionäre leiden unter den Niedrig-Zinsen. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

In Sachen Aktienkultur ist Deutschland Entwicklungsland. Während in den USA 54% der Bürger Aktionäre sind, sind es hierzulande laut des Deutschen Aktieninstituts nur 16%. In einer aktuellen Studie haben die Frankfurt School of Finance und Management und die Deutsche Börse untersucht, warum das so ist. Befragt wurden dafür 2.800 Aktionäre und Nicht-Aktienbesitzer.

Vorurteile und hohe Risikoaversion

Was die Menschen hierzulande davon abhält, in Aktien zu investieren? In erster Linie Vorurteile und eine extreme Risikoaversion. Zu den Vorurteilen: Bei der Studie gaben beispielsweise 66% der Nicht-Aktionäre an, dass ihr Vermögen zu klein sei, um in Aktien zu investieren. Darüber hinaus sagten 50% der befragten Nicht-Aktionäre, dass Aktien nur etwas für Reiche seien.

Die Wahrheit ist, dass beispielsweise schon 50 Euro im Monat reichen, um in einen Aktien- oder Fondssparplan zu investieren. Wenn dabei die Kosten zu hoch sind, können Sie auch 1x pro Quartal 150 Euro in den Sparplan investieren (ist in Summe dasselbe).

Ein weiteres Vorurteil: Rund die Hälfte der befragten Nicht-Aktionäre gab im Rahmen der Studie an, dass die Produktauswahl zu komplex sei und viele glauben, dass eine regelmäßige Überprüfung der Anlage notwendig sei. Das stimmt so pauschal keinesfalls.

Wenn Sie in einen breit streuenden ETF (beispielsweise auf den MSCI-World) investieren, brauchen Sie sich darum nicht mehr weiter zu kümmern. Sie investieren, wenn Sie so wollen, in einen Welt-Index und damit in zahlreiche Unternehmen, Währungen und Regionen.

Zum Thema Risikoaversion: 67% der Nicht-Aktienbesitzer nannten in der Studie die Angst vor hohen Verlusten durch ökonomische Katastrophen als häufigstes Argument gegen Dividendenaktien. Etwas mehr als die Hälfte (53%) gab an, die Aktienanlage im Verlustfall zu bereuen. Dazu müssen Sie wissen, dass es mit einem einigermaßen breit streuenden Portfolio über einen längeren Zeitraum beinahe unmöglich ist, einen Verlust zu erleiden.

Nicht-Aktionäre treffen Niedrig-Zinsen besonders hart

Niedrig-Zinsen und Inflation fressen die Ersparnisse der Deutschen nach und nach auf. Und die Niedrig-Zinsen treffen vor allem Geringverdiener und Nicht-Aktionäre. Das geht auch aus einer aktuellen Studie der Commerzbank-Tochter Comdirect hervor.

Die 20% der Haushalte mit dem geringsten Einkommen in Deutschland haben 2018 durchschnittlich 1,5% des Werts ihres Finanzvermögens (ohne Immobilien) verloren. Ihr Verlust ist damit anderthalbmal so hoch wie der bei den bestverdienenden 10% der Deutschen. Deren Finanzvermögen verlor nur 0,6% an Wert.

Ursächlich dafür ist das Sparverhalten: Während Besserverdiener häufig auch auf Aktien setzen, tun es Geringverdiener eher weniger. Interessant im Zusammenhang mit der Studie der Deutschen Börse und der Frankfurt School of Finance und Management ist übrigens auch, dass viele Aktienbesitzer in Deutschland ohne eigenes Zutun Aktionäre geworden sind, indem sie beispielsweise durch Schenkung oder eine Erbschaft zu Börsianern wurden.

Meine abschließende Empfehlung: Machen Sie Ihre Kinder oder Enkelkinder zu Aktionären (sofern sie es nicht schon sind). Sie werden es Ihnen früher oder später danken.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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