Warum die Aktie von Axel Springer nach der Gewinnwarnung haussiert

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Die US-Beteiligungsgesellschaft gibt ein Übernahmeangebot für Axel Springer ab. Die Aktie des Medienkonzerns haussiert. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Für den Berliner Medienkonzern Axel Springer stehen massive Änderungen ins Haus. Der renommierte amerikanische Finanzinvestor KKR, hierzulande unter anderem bekannt durch die Übernahmen von Wincor Nixdorf, Demag, MTU Aero Engines, Kion, Versatel, Hertha BSC oder das Marktforschungsunternehmen GfK, hat vor kurzem ein Übernahmeangebot für die Aktien von Axel Springer abgegeben.

Deutliche Übernahmeprämie von 40%

Zum Preis von 63 Euro je Aktie und damit rund 40% oberhalb des letzten, von der Übernahmeofferte noch unbeeinflussten Aktienkurses, will KKR die ausstehenden 55% der Axel Springer-Aktien übernehmen. Denn sowohl die Verlegerwitwe Friede Springer, die 42,6% der Aktien hält, als auch der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, der 2,8% der Aktien sein Eigen nennt, haben angekündigt, sich nicht von ihrem Besitz trennen zu wollen. Dagegen haben sich die Enkel des namensgebenden Firmengründers, die die verbleibenden 9,8% der Aktien halten, noch nicht entschieden, ob sie auf das Angebot eingehen wollen oder nicht.

Gewinnwarnung überdeckt

Jedenfalls konnten durch die Offerte die Auswirkungen der Gewinnwarnung, die der Vorstand zeitgleich ausgesprochen hat, nicht nur gemildert, sondern sogar in ein kräftiges Kursplus gewandelt werden. Inzwischen liegt der Aktienkurs mit 61,95 Euro zwar knapp unter dem KKR-Angebot, doch deutlich über den Kurszielen der das Unternehmen begleitenden Finanzanalysten. Laut dem Finanzdienstleister Bloomberg liegt deren Kursziel im Durchschnitt bei 59,50 Euro. Mehr als 63 Euro will keiner der Analysten für die Springer-Aktien anbieten.

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Damit stellt sich die Frage, ob Sie, sofern sie Aktionär des Unternehmens sind, das Übernahmeangebot annehmen sollen oder nicht. Meiner Meinung nach dürfte es sich im vorliegenden Fall im Gegensatz zu vielen anderen Offerten nicht lohnen, auf eine Anhebung des Übernahmepreises zu spekulieren. Dies liegt zum einen an der niedrigen Annahmeschwelle von 20%, die KKR als Voraussetzung für den Erwerb der angedienten Aktien ausgegeben hat. Zum anderen ist die Übernahmeprämie, die im Vergleich zum zuletzt gehandelten Aktienkurs geboten wird, für eine weitere Anhebung schlichtweg zu hoch.

Annahme des Übernahmeangebots sinnvoll

Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die Aktien nach der heftigen Gewinnwarnung eigentlich unter massiven Verkaufsdruck hätten kommen müssen, so dass die adjustierte Prämie eher bei 50% zum von KKR unbeeinflussten Kurs liegen dürfte. Daher sollten bestenfalls extrem langfristig ausgerichtete Anleger unter Ihnen darüber nachdenken, die Springer-Aktien zu behalten.

Und sich auf den guten Track-Record von KKR berufen, die als Beteiligungsgesellschaft durchschnittliche jährliche Renditen von mindestens 15% ins Auge fasst. Oder darauf, dass vor kurzem mit der Tele München Gruppe ein weiterer Medienkonzern übernommen wurde, zu dem sich möglicherweise Synergieeffekte einstellen könnten. Doch das sind, wie gesagt, allenfalls langfristig denkbare Überlegungen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.