Warum die Aktienmärkte jetzt jederzeit durchstarten können

Am 17. April treffen sich in Doha die Vertreter mehrerer Ölförder-Staaten. Eine ähnliche Zusammenkunft, allerdings in einem kleineren Kreis, hatte es bereits Mitte Februar gegeben:

Katar, Saudi-Arabien, Venezuela und Russland hatten sich vor 2 Monaten darauf geeinigt, ihre Förderquote vorerst auf dem Niveau von Januar 2016 zu belassen. Nun sollen sich weitere Förderländer den selbst auferlegten Beschränkungen anschließen.

Um die Dimensionen dieses Treffens einmal deutlich zu machen: Laut Katar werden die Bemühungen um eine Zusammenkunft von 15 OPEC- und Nicht-OPEC-Staaten getragen, die zusammen geschätzte 73% der Weltfördermenge für Erdöl abdecken.

Die Ölförderquote wird vorerst nicht weiter steigen

Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass sich die in Doha zusammenfindenden Ölminister und Staatsvertreter auf eine Einigung zum Wohle des Ölpreises verständigen werden.

Warum? Ganz einfach:

Weil die Ölförderstaaten es sich nicht leisten können, den Ölpreis dauerhaft unter 40 USD je Barrel (= Fass = 159 Liter) notieren zu lassen! Das ist ein ganz einfaches Rechenexempel:

Laut einer Studie der UniCredit zum Ölmarkt liegt der Durchschnitt der globalen Förderkosten bei 50 USD je Barrel. Am preiswertesten fördern die Saudis mit etwa 25 USD je Fass, die restlichen OPEC-Staaten haben Kosten von rund 40 USD.

Russland liegt mit rund 42 USD je Barrel knapp darüber, die USA bewegen sich bei den Förderkosten auf Höhe des globalen Durchschnitts.

Sie sehen: Beim aktuellen Ölpreis von 39,60 USD (Sorte WTI West Texas Intermediate) verdienen nur noch die OPEC-Staaten Geld. Allerdings ist auch für die Scheichs die derzeit extrem niedrige Marge auf Dauer nicht vertretbar, um den hohen Lebensstandard zu finanzieren.

Wie bereits am vergangenen Dienstag in meinem Beitrag Warum die Trend-Wende beim Ölpreis jetzt nahe ist dargelegt:

In den vergangenen 18 Monaten wurde das vor allem durch das Fracking in den USA entstandene Überangebot an Erdöl bereits massiv reduziert. Seit dem Zwischenhoch im Oktober 2014 wurden in Nordamerika 77,5% der offenen Ölbohrstellen geschlossen!

Ölpreis-Abstürze wirken wie ein gigantisches Konjunkturprogramm

Ende Februar hatte ich meine Sichtweise bezüglich der Konsequenzen eines niedrigen Ölpreises noch einmal dargelegt:

„Es gibt indes Sondersituationen immer dann, wenn der Ölpreis längere Zeit sehr stark gefallen ist. Dann wirkt sich der Wiederanstieg erst stabilisierend und danach beflügelnd auf die Konjunktur und damit auf die Aktienmärkte aus.“ Denn:

Ein drastisch reduzierter Ölpreis sorgt für gigantische Einsparungen in der Öl-verarbeitenden Industrie (Chemie, Kosmetik etc.) und natürlich bei den Verbrauchern. Dazu zählen nicht allein die Autofahrer, sondern das komplette Transportwesen, also der Personen- und Frachtverkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft!

Der nachfolgende Chart belegt meine Perspektive:

ölpreis und aktienmarkt-11-04-2016

Ölpreis-Abstürze wirken wie ein gigantisches Konjunkturprogramm

Mein letztes Argument ist der Chart des Ölpreises.

Der wichtigste Grund, warum ich seit rund 3 Jahrzehnten ein glühender Verfechter der Charttechnik bin, ist: In jedem Kurs spiegeln sich zu jeder Zeit die gerade aktuellen Motivationen ALLER Marktteilnehmer zum Kauf und Verkauf eines Wertpapieres wider.

Der aktuelle Ölpreis reflektiert somit nicht die aktuelle Relation von Angebot und Nachfrage beim Öl selbst, sondern die Ansicht der Marktteilnehmer über die künftige Entwicklung dieser Relation!

Und wenn Sie unter diesem Aspekt nun auf die jüngste Entwicklung des Ölpreises schauen, dann werden Sie meiner bereits am vergangenen Dienstag geäußerten Prognose zustimmen: Die Trend-Wende beim Ölpreis ist zum Greifen nahe!

Noch wichtiger ist indes: Gelingt diese Trend-Wende beim Ölpreis, dann werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Aktienmärkte nach oben durchstarten!

brent crude oil-future-11-04-2016

Brent Crude Oil-Future: Die Trend-Wende ist zum Greifen nahe!

11. April 2016

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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