Warum die Blase am Anleihemarkt nicht platzt

Das erwartete Platzen der Blase am Anleihemarkt blieb bislang aus. Für Aktien ist das dennoch eine gute Nachricht. Lesen Sie hier Genaueres: (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Am vergangenen Mittwoch gab die Europäische Zentralbank (EZB) bekannt, was allgemein erwartet worden war:

nämlich auch weiterhin nichts zu tun und den eingeschlagenen Kurs der Nullzins-Politik erst einmal beizubehalten.

Das seit dem Sommer 2016 von vielen Experten – auch von mir – erwartete Platzen der Blase am Anleihe-Markt blieb bislang aus.

Und inzwischen zeigen sich dafür auch die Gründe, wie Sie nachfolgend sehen werden.

Nullzins-Politik: Eine gefühlte Ewigkeit

Auch wenn es Ihnen schon wie eine kleine Ewigkeit anmuten mag:

Tatsächlich wurde der Leitzins erst im März 2016 von 0,1% auf 0% herabgesetzt, wo er seitdem verweilt.

Das Gefühl, schon sehr viel länger in diesem für Sparer und Anleihebesitzer nahezu zinslosen Umfeld zu leben, kommt indes nicht von ungefähr:

Aufgrund der Finanzkrise wurde der Leitzins ab dem Sommer 2008 von 4,25% binnen Jahresfrist auf nur noch 1% heruntergeschraubt.

Im Jahr 2011 gab es eine kurzzeitige Anhebung auf 1,5%, danach ging es dann in Trippelschritten immer weiter runter bis auf die bereits genannten 0,1%.

Sparer verdienen seit 2010 rund 436 Mrd. Euro weniger

Mit der kurzlebigen Ausnahme im Jahr 2011 gibt es also eigentlich schon seit 2009 für Sparer und renditebewusste Anleihe-Eigner nicht wirklich mehr etwas zu verdienen.

Dies wird sogar belegt von einer Studie der DZ Bank, die jüngst berechnet hat, wie viel Geld deutsche Sparer seit 2010 weniger vereinnahmen konnten.

Zum Vergleich wurde die Zins-Entwicklung von 1998 bis 2008 herangezogen.

Unterstellt, der Leitzins bleibt noch bis Ende dieses Jahres bei 0%, dann haben deutsche Sparer seit 2010 insgesamt 436 Mrd. € weniger Zinsen eingenommen.

Noch ärmer dran: Kreditnehmer

Falls Sie (auch) auf der anderen Seite stehen und Zinsen für Kredite oder einen in Anspruch genommenen Dispo-Rahmen zahlen müssen, werden Sie vermutlich den Eindruck haben, dass sich die Nullzins-Politik kaum ausgewirkt hat.

Ich sage Ihnen etwas: Sie haben Recht!

Denn auch das belegt die DZ Bank mit ihrer Studie: Niedrigere Kreditzinsen führten in dem genannten Zeitraum per Saldo nur zu Zinseinsparungen in Höhe von 188 Mrd. €!

Experten-Warnungen prallen an Draghi ab

Viele Experten warnen die EZB schon seit vielen Monaten:

Die Nullzins-Politik werde infolge des dadurch anhaltend niedrigen oder sogar weiter sinkenden Preisniveaus der Konjunktur mehr schaden als nützen.

EZB-Chef Draghi argumentiert dagegen: Das angestrebte Ziel einer Inflationsrate von 2,0% sei nur durch eine fortgesetzte Nullzins-Politik erreichbar.

Böse (oder sind es gar objektive?) Zungen behaupten, Draghi habe dabei v. a. die schwierige Schuldenlage des südlichen Europas, so auch seines Heimatlandes Italien, im Auge.

Wie dem auch sei:

EZB stellt nicht nur die Sparer-Welt auf den Kopf

Die EZB, und damit eben Draghi, bestimmen bis auf Weiteres die Zins-Politik Europas – und das wird wohl auch noch bis zum Ende seiner Amtszeit am 31. Oktober 2019 der Fall sein.

Die EZB stellt aber nicht allein die Zins-Welt der Sparer und Anleihebesitzer auf den Kopf:

Anleiherückkauf-Programm: Massiver Eingriff in die Markt-Kräfte

Seit März 2015 kauft die EZB Staatsanleihen und Anleihen von privaten Schuldnern im Volumen von monatlich 60 Mrd. € auf.

Das zunächst auf 12 Monaten geplante Programm wurde im März 2016 um ein weiteres Jahr verlängert und auf 80 Mrd. € monatlich aufgestockt.

Vor 3 Monaten folgte dann eine Reduzierung auf 60 Mrd. € – zugleich mit einer erneuten Verlängerung der Laufzeit bis mind. Ende dieses Jahres.

Mit Ablauf des Jahres 2017 wird die EZB dann also für insgesamt rund 2,22 Mrd. € private und Staatsanleihen zurückgekauft haben.

Und genau das hat das Platzen der Blase am Anleihe-Markt verhindert!

Rückkaufprogramm verhindert das Platzen der Anleihe-Blase

Denn das Rückkaufprogramm nimmt jeglichen möglichen Druck aus dem Verkaufs-Kessel. Die Folge davon ist:

Die Kurse der Anleihen fallen nicht so heftig, wie man es aufgrund verstärkter Verkäufe von Privat- und Großinvestoren hätte erwarten dürfen.

Entsprechend bleiben die Anleiherenditen niedrig: Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe kam seit Januar 2016 nicht mehr über die Marke von 0,483% hinaus!

Fazit

Der Bund-Future, bester Indikator für die beschriebene Entwicklung, macht diesen Sachverhalt deutlich:

Einschub: Der Bund-Future ist ein Terminkontrakt, der sich auf eine fiktive Bundesanleihe bezieht, ausgestattet mit einem Zins von 6% und einer Laufzeit von 10 Jahren.

bund-future_13-06-2017

Bund-Future: EZB-Rückkaufprogramm verhindert das Platzen der Anleihen-Blase

Mit dem Bruch des seit Juni 2015 bestehenden Abwärtstrends (gelber Kreis) schien das Schicksal des Bund-Futures, sprich: das Platzen der Anleihe-Blase, besiegelt.

Doch Sie sehen selbst: Es blieb bei dem November-Tief – seither bewegt sich der Bund-Future sogar schon wieder in einem Aufwärtstrend (gestrichelte grüne Linie).

Das kräftige Auf und Ab des Bund-Futures ist dabei Indiz dafür, wie die immer wieder aufbrandenden Verkaufswellen in den Anleihen vom EZB-Rückkaufprogramm „entschärft“ werden.

Das ändert indes nichts daran, dass die Mittel aus den Anleiheverkäufen nach und nach in den deutlich renditeträchtigeren Aktienmarkt fließen.

Und das ist dann immerhin eine gute Nachricht für uns Aktien-Investoren!

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt