Warum die Börsen weiter steigen werden

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Warum Geld aus dem Staatsanleihenmarkt in Aktien drängen wird - Sind steigende Zinsen tatsächlich Gift für die Börse? (Foto: Deutsche Börse AG)

Machen Sie sich bitte eines klar: An der Börse geht es nie darum, wie lange ein Bullenmarkt schon andauert oder wie hoch die Kurse in den vergangenen Jahren bereits gestiegen sind. Nein, es geht immer ausschließlich darum, welcher Anlageform bezüglich Werterhalt und Wertentwicklung inkl. Verzinsung am meisten Vertrauen geschenkt wird. In diese Richtung fließt das Geld.

Staatsschulden auf Rekordhochs, unberechenbare Politik: Das Vertrauen in Staatsanleihen geht zurück

Und diesbezüglich spricht trotz der aktuellen Korrekturbewegung weiterhin alles für den Aktienmarkt: Während Aktien in Zukunft z.B. auch bei Privatanlegern noch einiges an Vertrauen (zurück)gewinnen können, befinden sich Staatsanleihen – als einzige wirkliche Anlagealternative für Großanleger – diesbezüglich auf dem absteigenden Ast.

Und das ist nicht nur dem unverantwortlichen, rekordhohen Verschuldungsgrad der westlichen Industrienationen geschuldet. Auch die teilweise chaotisch anmutenden und zunehmend unberechenbaren politischen Verhältnisse tun nicht nur in den USA ihr Übriges, um das Vertrauen in die Politik und damit auch in staatliche Investments zu schmälern.

Zentralbank-Kaufprogramme laufen aus, Zinsen steigen

Doch es gibt weitere Gründe dafür, die Staatspapiere unter Druck setzen: Da die massiven Kaufprogramme der Zentralbanken gerade schrittweise auslaufen, fallen zukünftig die mit Abstand größten Käufer weg. Und das ist noch nicht alles: Die Nachfrage nach den vergleichsweise immer noch gering verzinsten Staatspapieren geht allein schon in Erwartung weiter steigender Zinsen erheblich zurück. Denn um das steigende Zinsniveau abzubilden müssen die Kurse von Staatsanleihen entsprechend fallen.

Geld aus dem Anleihenmarkt als Treibstoff für die Börse

In diesem Umfeld macht es für „das große Geld“ wenig Sinn in staatliche Zinspapiere zu investieren. Im Gegenteil, denn auf Kursverluste haben natürlich die wenigsten Großanleger Lust. Deshalb wird weiterhin massiv Kapital aus Staatspapieren abgezogen. Da der Anleihenmarkt den Aktienmarkt vom Volumen her bei Weitem übertrifft geht es um immense Summen. Und dieses Kapital muss natürlich weiterhin Rendite erzielen und angelegt werden. Die einzige ausreichend liquide Alternative ist die Börse, so dass Geld aus dem Staatsanleihenmarkt die Aktienkurse mittelfristig weiter befeuern wird.

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Eine Aktien-Euphorie ist noch nicht in Sicht

Doch nicht nur Großanleger werden weiterhin an die Börse drängen. Auch viele Privatanleger waren am Börsenaufschwung der letzten Jahre nicht oder nur geringfügig beteiligt. Grund waren meistens Bedenken, ob sich der Bullenmarkt nicht langsam zu Ende neigt. In der Regel endet ein langjähriger Aufwärtstrend jedoch nicht sang- und klanglos, sondern erst dann, wenn (zu) viele unerfahrene Anleger an die Börse drängen. Diese werden schließlich von steigenden Kursen und entsprechender Berichterstattung in den Medien angelockt und wollen auch noch ihr Stück vom Kuchen haben. Erst dann wird es gefährlich.

Auch wenn zum Jahreswechsel bereits ein kleiner Hauch Euphorie zu spüren war, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen, bis die Stimmung an der Börse überkocht. Denn durch die Korrekturbewegung seit Jahresanfang ist die Stimmung fürs Erste eher wieder gedämpft. Daher stehen die Chancen für weiterhin steigenden Aktienkursen auch aus Sentiment-Sicht sehr gut.

Aktienkurse und Zinsen steigen meist parallel

Anziehende Zinsen stehen einem Börsenanstieg übrigens nicht im Wege, eher im Gegenteil: In der Geschichte der Börse sind die Zinsen sogar in den allermeisten Fällen parallel zu den Aktienkursen geklettert. Denn ein steigendes Zinsniveau spiegelt in der Regel eine steigende Kapitalnachfrage und damit eine brummende Wirtschaft wieder.

Erst ab einem Zinsniveau von 4,5 % bis 5 % hatten Zinssteigerungen historisch gesehen einen erkennbar negativen Einfluss auf die Börse. Wenn die Börse bei Zinsanhebungen kurzfristig verschnupft reagiert, so ist dies natürlich nachvollziehbar. Dennoch sollten Sie sich von dem verbreiteten Vorurteil verabschieden, dass steigende Gift generell für die Börse sind. Alles in Allem bin ich überzeugt, dass es mit Aktien auch in den kommenden ein bis zwei Jahren für Sie viel zu verdienen gibt.


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Von: Maximilian Ritter. Über den Autor

Schon seit seiner Jugend interessiert sich Maximilian Ritter für das Börsengeschehen. In seinem Dienst "Aktien-Timing-System" setzt er auf eine verfeinerte CANSLIM-Methode, mit der sich eine 30%ige Rendite im Jahr erwirtschaften lässt.