Warum die Daimler-Aktie ein Schnäppchen ist

Daimler präsentiert die Verkaufszahlen für den Monat September und wächst in China abermals trotz Marktschwäche. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Der Abgasskandal um VW war in den vergangenen Tagen und Wochen das beherrschende Thema am deutschen Aktienmarkt. Überhaupt waren die zurückliegenden Börsenmonate nicht gerade rosig für die deutsche Automobilindustrie und deren Zulieferer.

Nach einem hervorragenden Start ins Börsenjahr 2015 gerieten die börsennotierten Automobilhersteller und Zulieferer hierzulande zusehends unter Druck. Erst sorgten die Ängste um die chinesische Konjunktur für Kursabschläge und dann – in den vergangenen Wochen – auch noch der Skandal um VW.

Der VW-Skandal nahm die komplette deutsche Automobilindustrie in Sippenhaft und sorgte dafür, dass nahezu alle Hersteller und Zulieferer an der Börse nochmals massiv unter Druck gerieten. Zahlen – und damit belastbare Fakten – gerieten dabei völlig in den Hintergrund. Anders ist es nicht zu erklären, dass auch die Daimler-Aktie im Sog der Probleme bei VW zwischenzeitlich auf bis zu 63 Euro abgerutscht ist.

Dabei gibt es bisher keinerlei Hinweise dafür, dass auch bei Daimler Abgaswerte manipuliert wurden, und der China-Krise konnte Daimler bislang ohnehin trotzen. Dies belegen auch die aktuellen Verkaufszahlen von Daimler aus China.

Daimler mit deutlichem Absatzplus in China

Daimler stemmt sich weiterhin erfolgreich gegen die Schwäche des wichtigen chinesischen Automarktes. Im September verkauften die Stuttgarter in China 38.663 Modelle der Marke Mercedes-Benz. Das entspricht einem Plus von 53,2% gegenüber dem Vorjahresmonat.

Ähnlich stark hatte Daimler schon im Vormonat August zugelegt. Während die Rivalen Audi und BMW in China zuletzt schwächelten, profitiert Daimler von einer Art Sonderkonjunktur, weil der Premiumhersteller später als seine Konkurrenten in das Reich der Mitte gekommen war.

Vorstandschef Dieter Zetsche hatte auf der Automesse IAA in Frankfurt im September gesagt, er sei auch für das kommende Jahr optimistisch, was Daimlers Wachstum in der Volksrepublik China angehe.

Daimler trotzt der Marktschwäche in China

Der Automarkt in China war im August bereits den dritten Monat in Folge geschrumpft. Dennoch will Daimler dort in diesem Jahr insgesamt „deutlich mehr als 300.000 Autos“ verkaufen. Dafür, dass dies klappen wird, spricht die Tatsache, dass es bis Ende September bereits 266.287 verkaufte Fahrzeuge waren. Das bedeutet ein Plus von 30,9% gegenüber dem Vorjahr.

Aber auch außerhalb von China läuft es für Daimler rund. Weltweit verkaufte Daimler im September mit 198.694 Fahrzeugen 17,2% mehr Modelle der Marken Mercedes-Benz und Smart als im Vorjahr.

In Europa legte der Hersteller um 10,8% zu und in den USA um 6,2%. Seit Beginn des Jahres 2015 verbuchte Daimler ein Plus von 16% auf 1,46 Mio. Autos der Marken Mercedes-Benz und Smart.

Sie sehen also: Von einer Krise kann bei Daimler keine Rede sein. Und dennoch geriet die Daimler-Aktie in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich unter Druck. Der Grund: In Folge der China-Panik und des VW-Skandals haben viele Investoren nicht unterschieden und sich einfach blind von allem getrennt, was mit der deutschen Automobilindustrie zu tun hat.

Für Anleger, die sich für die Daimler-Aktie interessieren, ergibt sich daraus aus meiner Sicht eine attraktive Einstiegschance, da die Daimler-Aktie aktuell deutlich unterhalb ihres Jahreshochs notiert, obwohl sich an der positiven Ausgangslage kaum etwas geändert hat.

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.