Warum einzelne, spezielle Dachfonds besser sind als ihr Ruf

Kelnberger über Volatilitätsfonds

Dachfonds haben nicht das beste Image – und das zum Teil auch zu Recht. Viele von ihnen haben seit ihrem Beginn schlechte Performance gezeigt. Dazu kommt, dass sie aufgrund ihrer Gebührenstruktur teurer als andere Fonds sind. (Foto: Gina Sanders – Fotolia.com)

Zugegeben: Dachfonds haben nicht das beste Image – und das zum Teil auch zu Recht. Viele von ihnen haben seit ihrem Beginn schlechte Performance gezeigt. Dazu kommt, dass sie aufgrund ihrer Gebührenstruktur teurer als andere Fonds sind.

Doch als Anleger sollten sie diese Fondsgattung nicht vollständig von Ihrer Liste streichen. Denn einige Dachfondsmanager erzielen sehr gute Ergebnisse.

Zum Teil liegen sie mit ihrer Rendite sogar über den Erträgen von Einzelfonds – und das bei geringerem Risiko. Denn Dachfonds investieren nicht nur in Aktien, sondern zur Absicherung auch in Anleihen und Immobilien, und besitzen damit mehr Spielraum bei der Anlage und können auf unterschiedliche Börsentrends besser reagieren.

Das Ergebnis: Mit einer solchen Strategie können sie trotzdem besser abschneiden als so mancher Aktienindex.

Damit haben Dachfonds das schlechte Pauschalurteil, dass viele Anleger vor allem nach der geplatzten Börsenblase 2000 über sie fällten und immer noch aufrecht erhalten, nicht verdient. Während einige Experten die erst mit dem Dritten  Finanzmarktförderungsgesetz vom April 1998 auf den Markt getretene Fondsgattung schon totgesagt haben, können Sie als Anleger von der speziellen Konstruktion der Dachfonds profitieren.

Denn mittlerweile stellt sich die Situation für Sie anders dar: Die Manager der Dachfonds haben schnell dazugelernt. Die Performance hat sich deutlich verbessert und die Fonds setzen ihre Stärken mittlerweile besser ein. Das bedeutet für Ihre Bewertung: Immer mehr Dachfonds nutzen ihre große Freiheit bei der Suche der besten Anlagen. Sie greifen zum einen auch auf Fonds anderer Gesellschaften zurück.

Zum anderen beschränken sie sich nicht nur auf Aktien- oder Rentenanlagen, sondern bauen zunehmend auch andere Anlageklassen wie etwa Rohstoffe oder Währungen mit ein.

Sie als Anleger haben damit anders als bei anderen Investments die Möglichkeit, schon mit einem einzigen Fonds Ihr Vermögen auf verschiedene Investmentarten aufzuteilen. Statt sich also selbst ein ausgewogenes Portfolio zusammenzustellen, können Sie diese Aufgabe auch an den Manager eines Dachfonds delegieren.

Tipp: Prüfen Sie bei Dachfonds, ob sie wirklich auch in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Renten oder Immobilien investieren.

Was Massenmedien verschweigen: im Durchschnitt gute Performance trotz hohem Gebührenanteil

Der Grund für die niedrigen Gewinne der Dachfonds in den ersten Jahren seit ihrer offiziellen Einführung 1998 war schnell gefunden: die Kosten. Und in der Tat liegt es in der Natur der Dachfonds, dass Sie etwas höhere Gebühren als bei anderen Fonds zahlen müssen. Entscheidend für Ihren Anlageerfolg sind aber nicht nur die Kosten, sondern die Erfolge und Erfolgschancen, die Sie damit kaufen.

Dachfonds investieren nicht direkt in Aktien oder Renten, sondern in Aktien- und Rentenfonds. Dabei fallen die gewöhnlichen Kosten an, also vor allem der Ausgabeaufschlag und die Managementgebühr für jeden einzelnen Fonds.

Ausnahme: Der Dachfonds kauft Fonds der eigenen Gesellschaft. Dann wird in der Regel kein Ausgabeaufschlag erhoben. Den Preis zahlen Sie jedoch indirekt auch, wenn es statt des Fonds der eigenen Gesellschaft einen besseren einer anderen Gesellschaft gibt, der nicht gekauft wird.

Auf der anderen Seite will natürlich auch der Dachfondsmanager für seine Arbeit entlohnt werden. Also fallen auch beim Kauf des Dachfonds für Sie als Käufer noch einmal Ausgabeaufschlag sowie die laufende Managementgebühr an. Manche Dachfondsmanager erheben auch noch eine so genannte „Performance Fee“, eine Gebühr für den Fall, dass sie überdurchschnittlich gut abschneiden.

Experten sprechen bei dieser doppelten Kostenbelastung, der Sie als Anleger ausgesetzt sind, vom so genannten Kaskadenprinzip.

Allen voran die Performance. Denn die Fondsmanager haben ihre Lehrjahre hinter sich und erzielen mittlerweile beachtliche Ergebnisse, die Sie mit vielen anderen Fonds bei vergleichbarer Sicherheit nicht erzielen können. Eine aktuelle Studie mit dem Titel „Trends im Fund of Fund.

Wie Sie die Stärken der erfolgreichsten Dachfonds richtig nutzen

Bei der Auswahl des für Ihr Depot geeigneten Investments sollten Sie sorgfältig vorgehen, denn: Dachfonds ist längst nicht gleich Dachfonds. Per Definition investieren Sie mit diesen in verschiedene Einzelfonds. Aber manche haben nur Aktienfonds in ihrem Depot, andere nur Rentenfonds. Beide Strategien besitzen gegenüber der Anlage in einen Einzelfonds einen Vorteil: Durch die Dachfonds-Struktur erreichen Sie eine noch breitere Streuung.

Ein normaler Aktienfonds investiert vielleicht in rund 100 verschiedene Titel. Das reduziert bereits Ihr Risiko deutlich: Wenn ein oder zwei Unternehmen sehr schlecht laufen, fangen das die anderen Werte ohne Probleme auf. Mit dem Dachfonds fließt das Geld vielleicht sogar in 1.000 oder mehr Werte, denn sie müssen per Gesetz in mindestens fünf verschiedene Einzelfonds investieren. Sicherlich eine noch bessere Risiko-Streuung.

Aber: Damit müssen Sie sich noch nicht zufrieden geben.

Wenn der allgemeine Trend an den Börsen oder Rentenmärkten nach unten zeigt, werden auch die meisten Werte im Dachfonds dieser Richtung folgen. Eine solche Risikostreuung hilft Ihnen deshalb nur begrenzt. Suchen Sie einen Dachfonds, der zumindest sowohl in Aktien als auch in Renten anlegt.

Dachfonds versprechen die besten Fondsmanager in einem Portfolio

Die große Freiheit nehmen sich Dachfondsmanager nicht nur bei der Wahl verschiedener Anlagearten heraus. Auch bei der Suche nach den besten Einzelfonds haben inzwischen viele ihr Blickfeld erweitert und suchen sich aus allen am Markt verfügbaren Fonds die besten aus.

Dies ist eine Manager-Selektion: Der Dachfondsmanager wählt für jede Anlageart unter tausenden von Fonds den seiner Meinung nach besten Fondsmanager am Markt aus.

Ihr Vorteil gegenüber der Auswahl in der jeweils eigenen Fondsgesellschaft: Kaum eine Fondsgesellschaft bietet in allen Bereichen immer das beste Produkt an. Einige erzielen gute Ergebnisse bei amerikanischen Aktien, andere bei europäischen Aktien und wiederum andere haben vielleicht einen Top-Goldfonds.

Aber eine Gesellschaft, die in allen Bereichen die Spitzenposition belegt, werden Sie nicht finden. Dafür hängt das Wohl und Leid eines Fonds zu sehr vom Können und Wissen einzelner Personen ab. Und keine Gesellschaft hat in jedem Bereich die besten – und teuersten – Experten.

Entscheiden Sie sich daher für Dachfonds, die nicht nur in ihrem eigenen Gewässer fischen, sondern auch von anderen Gesellschaften Fonds aufnehmen.

Dachfondsmanager, die lieber in die Portfolios ihrer Kollegen investieren, begründen dies oft damit, dass sie genau deren Investmentstil kennen und damit eine bessere Auswahl treffen können. Aber rechtfertigt das, auf die besten Einzelfonds am Markt und damit auf höhere Gewinne für Sie als Fondsinvestor zu verzichten? Wohl nicht.

Checkliste: Was Sie bei Dachfonds beachten sollten

  • Informieren Sie sich mithilfe des Fondsprospekts über die Strategie des Fondsmanagers, um möglichst genau einschätzen zu können, ob er tatsächlich alle Freiheiten eines Dachfonds nutzt.

  • Wählen Sie Dachfonds aus, die nicht nur in Aktien- und Rentenfonds, sondern auch noch in andere Anlageklassen wie etwa Immobilien und Gold investieren.

  • Entscheiden Sie sich für Dachfonds, die nicht nur in Portfolios der eigenen Gesellschaft anlegen, sondern unter allen am Markt verfügbaren Fonds auswählen können.

  • Informieren Sie sich über die anfallenden Gebühren, machen Sie Ihre Entscheidung allerdings vor allem von der Performance abhängig.

  • Suchen Sie für Ihr Basis-Investment Dachfonds mit einem Aktienanteil von weniger als 50% mit einer stabilen, positiven Vergangenheitsrendite.

  • Für Ihr Chancen-Investment sind Dachfonds mit einem Aktienanteil von zumindest 50% geeignet. Die vom „Geldanlage-Berater“ ausgewählten Fonds haben mit dieser Struktur nicht wie andere Fonds in den Krisenjahren 2000 bis 2002 bis zu 60%, sondern nur bis zu 35% Minus gemacht und dieses inzwischen bereits wieder aufgeholt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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