Warum Haschisch im Depot keine gute Idee ist

Die Cannabis-Revolution: Zum 1. Januar öffnete der größte Kiffer-Markt der Welt. Sind Haschisch-Aktien auch was für Anleger? (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Seit zwei Wochen befindet sich Kalifornien im Ausnahmezustand: Seither sind im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA der Anbau, Verkauf und Konsum von Marihuana erlaubt. Seither bilden sich vor den Haschisch-Läden, dekoriert mit dem dreiblättrigen Kiffer-Symbol, lange Schlangen.

Inzwischen werden sogar Vergleiche mit dem Ende der Prohibition 1933 aufgetan. Dabei ist die Haschisch-Freigabe in Kalifornien nur ein Baustein eines lang andauernden gesellschaftlichen Umdenkungsprozesses in den USA. Längst ist die Partydroge der Flower-Power-Generation in zahlreichen anderen Bundesstaaten erlaubt und insbesondere zur Linderung und Heilung von Krankheiten gängige Praxis. Auch andere Länder scheinen dem Beispiel der USA zu folgen. Inzwischen wird sogar erwartet, dass Kanada als erstes G7-Land Marihuana vollständig legalisiert.

Mit von der Partie sind auch Prominente wie der ehemalige Schwergewichts-Weltmeister Mike Tyson. Der Boxer, der seinem Gegner im Ring schon mal das Ohr abbiss, hat dieser Tage angekündigt, auf seiner Ranch Hanf in großem Stil anbauen zu wollen.

Haschisch: Ein boomender neuer Wirtschaftszweig

Das Handelsblatt will im Marihuana-Markt sogar einen Job-Boom ausgemacht haben und prophezeit für den US-Markt bis zum Jahr 2021 ein Volumen von rund 40 Milliarden US-Dollar. Diese Schätzung korrespondiert mit einem Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2005, in dem der weltweite Markt für Marihuana auf über 140 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde. Und das, obwohl damals Haschisch in fast allen Ländern der Erde illegal war.

Für Sie als Anleger stellt sich daher die Frage, ob es sich lohnt, diesen Trend zu beobachten und sich gegebenenfalls an einem der bereits börsennotierten Haschisch-Unternehmen zu beteiligen.

Über die, die nicht überlebt haben, spricht heute keiner mehr

Grundsätzlich ergeben sich für einen Anleger große Vorteile, wenn er sich frühzeitig in einem potenziell großen Wachstumsmarkt positionieren kann. Frühphasen-Investoren etwa in Facebook oder Google konnten ihren Kapitaleinsatz verhundertfachen. Doch selbst die mutigsten Business Angels, die sich in einer hochriskanten Gründungsphase an einem Unternehmen beteiligt haben, finden Renditen in dieser Größenordnung nur einmal im Leben vor.

Im Dunklen bleiben die vielen Jungunternehmen, die sich nicht durchsetzen konnten. Können Sie sich noch an Unternehmen wie AltaVista oder Ask Jeeves erinnern, die lange vor Google eine Suchmaschine auf den Markt brachten? Oder an Friendster oder MySpace, die ihre Sozialen Netzwerke vor Facebook gestartet hatten?

Ein Markt wie jeder andere

Es reicht eben nicht aus, sich einfach die Aktien von Unternehmen zu kaufen, die Marihuana verkaufen oder den Begriff in ihrem Firmennamen tragen. Die oben genannten Beispiele zeigen: Während der Frühphase eines Trends bedarf es einer ebenso detaillierten Analyse der Finanzkennzahlen wie bei einem etablierten Unternehmen der Old Economy. Vermutlich ist sie hier sogar noch wichtiger, denn auch unter den existierenden Haschisch-Unternehmen wird sich nicht jedes Unternehmen durchsetzen.

Damit eine Marihuana-Aktie für Sie interessant sein soll, muss sie mehr sein als das Wertpapier eines Unternehmens, das Marihuana verkauft. Es muss über dauerhafte Wettbewerbsvorteile (sogenannte „Burggräben“) verfügen. Es muss in der Lage sein, sich von außen Kapital zu beschaffen, um eventuelle Verlustphasen zu überstehen.

Es muss über ein vertrauenswürdiges und kompetentes Management verfügen. Wenn all das gegeben ist, gilt es, die Bewertung der Aktie zu ermitteln. Denn nichts ist ärgerlicher, als einen Trend frühzeitig erkannt zu haben und dann auf das falsche, sprich überbewertete Pferd gesetzt zu haben. Genau das scheint aber im Haschisch-Markt der Fall zu sein. Die Aktienkurse haben große Teile des Hypes schon vorweggenommen. Eine günstige Marihuana-Aktie ist mir bislang jedenfalls noch nicht untergekommen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt