Warum in Amberg bald chinesisch gesprochen wird

Wenn ein weißer Ritter zum Unternehmenskäufer wird: Der chinesische Konzern Ningbo Jifeng plant offenbar die Übernahme von Grammer (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Der Oberpfälzer Autozulieferer Grammer hat Gerüchte bestätigt, wonach man sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem chinesischen Konzern Ningbo Jifeng Auto Parts Co. befinde, die zu einem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot an die Aktionäre der Grammer AG führen könnten.

Wenn der weiße Ritter zuschlägt

Ningbo Jifeng hat sich dem SDAX-Konzern Anfang 2017 als sogenannter weißer Ritter angedient und war über eine Wandelanleihe bei dem Autozulieferer eingestiegen. Durch den Einstieg sollte eine feindliche Übernahme durch die bosnische Unternehmerfamilie Hastor verhindert werden. Seither ist Ningbo Jifeng mit 25,5 Prozent größter Einzelaktionär an Grammer.

Unbestätigten Gerüchten zufolge will Ningbo Jifeng für Grammer einen Übernahmepreis von 60 Euro je Aktie bezahlen. Hinzu käme noch der Dividendenvorschlag von 1,25 Euro je Aktie. In Summe wäre Grammer also mit rund 772,2 Millionen Euro bewertet. An der Börse war die Grammer-Aktie am Montag noch für 51,30 Euro zu haben. Gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Montag würde das Übernahmeangebot also einem Aufschlag von knapp 17 Prozent entsprechen.

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Von Anfang an geplant

Der chinesische Konzern sichert sich ein hervorragend aufgestelltes Unternehmen. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten weltweit etwa 15 000 Mitarbeiter mit Kopfstützen und Mittelkonsolen für Autos und Sitzen für Traktoren, Baumaschinen und Lastwagen Umsätze in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Vor kurzem gab der Konzern zudem die größte Übernahme der Firmengeschichte bekannt: Für umgerechnet rund 230 Millionen Euro übernimmt Grammer den US-amerikanischen Konkurrenten Toledo Molding mit dem Ziel, das USA-Geschäft auszubauen

Der Kleine übernimmt den Großen

Ningbo Jifeng produziert ebenfalls Kopfstützen und Armlehnen, allerdings vor allem für chinesische Autobauer. Zudem ist das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 250 Millionen Euro wesentlich kleiner als Grammer. Groß sind indes die Ambitionen des Unternehmens. So sagte Vorstandschef Jimin Wang unlängst: „Wir haben den Ehrgeiz, in den nächsten fünf Jahren einer der führenden Automobilzulieferer der Welt zu werden“. Dementsprechend wurde von Grammer bereits beim Einstieg die strategische Komponente der Transaktion hervorgehoben, da durch den neuen Großaktionär der chinesische Markt besser erschlossen werden könne.

Grammer-Aktie springt auf neues Allzeithoch

Der Aktie hat das vermeintliche Übernahmeangebot gut getan. Der Aktienkurs des SDAX-Konzerns schnellte um über 20 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 62 Euro. Damit könnte der Übernahmepreis sogar zu einem noch höheren Kurs als die bislang kolportierten 61,25 Euro liegen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.