Warum investiert Warren Buffett in ExxonMobil?

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ExxonMobil Aktie: Die Gründe für Buffett´s Einstieg beim Öl-Konzern (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Vor kurzem ist Warren Buffett beim Öl-Konzern ExxonMobil eingestiegen.

Es bleibt die Frage nach dem „Warum“. Denn unter Bewertungsgesichtspunkten lassen sich günstigere Investments unter den bekannten Öl-Multis finden.

ExxonMobil teurer als andere Öl-Konzerne

Ich habe mir dazu die aktuellen Bewertungsniveaus der anderen großen Öl-Konzerne angesehen und mit der Bewertung von ExxonMobil verglichen.

Die folgende kleine Tabelle zeigt Ihnen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) von ExxonMobil und anderen großen Öl-Konzernen:

ExxonMobil: 12,2

Royal Dutch Shell: 10,3

Chevron: 10,0

Total: 11,0

Ergebnis: Auf Basis der aktuellen Unternehmensgewinne ist ExxonMobil mit einem KGV von 12,2 teurer bewertet als die Konkurrenten.

Buffett kauft „wundervolle Unternehmen zu einem fairen Preis“

Ist Warren Buffet also seinen Value-Prinzipien untreu geworden, nach denen er vor nur in Aktien investiert, die mit sehr günstig bewertet sind? Buffett ist aus meiner Sicht seinen Prinzipien nicht untreu geworden.

Vielmehr ist es so, dass die Unterbewertung einer Aktie gar nicht das wichtigste Kriterium des „Großvaters aller Value-Investoren“ darstellt. Noch vor der Bewertung achtet Buffett auf die Qualität des Geschäftsmodells.

Oder wie er selbst einst sinngemäß sagte: „Es ist wesentlich besser ein wundervolles Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen, statt ein faires Unternehmen zu einem wundervollen Preis zu kaufen.“

ExxonMobil: Profitabler als die Konkurrenz

Was macht also ein „wundervolles Unternehmen“ aus? Die meisten Unternehmen, in die Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway investiert, weisen Geschäftsmodelle auf, die denen der Konkurrenz überlegen sind.

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Solche Unternehmen zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass Sie das Kapital der Investoren produktiver als andere Unternehmen verwenden – also für jeden investierten Dollar erzielt das Unternehmen einen höheren Gewinn als ein vergleichbares Unternehmen.

Eine Maßzahl für die Produktivität ist die Eigenkapitalrendite. Sie können die Eigenkapitalrendite errechnen, indem Sie den Jahresgewinn des Unternehmens ins Verhältnis setzen zum Eigenkapital des Unternehmens:

Eigenkapitalrendite = Gewinn / Eigenkapital

Je höher diese Kennzahl ausfällt, desto produktiver wirtschaftet das Unternehmen.

Für die oben aufgeführten Öl-Konzerne ergeben sich folgende Eigenkapitalrenditen:

ExxonMobil: 27,1

Royal Dutch Shell: 14,1

Chevron: 19,2

Total: 14,7

Ergebnis: ExxonMobil weist unter den großen Öl-Konzernen mit Abstand die höchste Eigenkapitalrendite von 27,1 auf.

ExxonMobil: Ein „wundervolles Unternehmen zu einem fairen Preis“

Im Vergleich zu den anderen großen Öl-Konzernen wirtschaftet ExxonMobil mit seinem Geschäftsmodell produktiver als seine Konkurrenten.

Auch wenn die Aktie zum aktuellen Marktpreis etwas teurer bewertet ist als die anderen Öl-Konzerne, sieht Warren Buffett in ExxonMobil ein ausgezeichnetes Investment.

Hohe Produktivität und moderate – wenn auch nicht niedrige – Bewertung: Eine häufige Kombination der Investments, die Buffett so erfolgreich gemacht hat. ExxonMobil passt ins Beuteschema von Warren Buffett und macht als Langfrist-Investment Sinn.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.