Warum mittelständische Unternehmen ein Finanzplanungssystem benötigen

Die Kreditversorgung von mittelständischen Unternehmen durch ihre Banken wird mehr denn je an konkrete Voraussetzungen gebunden.

Bedingt durch die Verschärfung von Vorschriften im Kreditwesengesetz (insbesondere §18 KWG), die Eigenkapitalrichtlinien gemäß Basel II, die Einführung von Rating als Instrument der Bonitätsbeurteilung und die neuen „Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute (MaK)“ ist bei der Kreditvergabepraxis der Banken eine neue Situation eingetreten.

Im Rahmen von Rating wird die „Unternehmensplanung“ zu einem wesentlichen Bewertungskriterium. Es geht den Banken in erster Linie darum, die Liquiditätslage und die voraussichtliche Liquiditätsentwicklung ihrer Kreditkunden zu erkennen und zu bewerten, was wiederum im Hinblick auf die Insolvenzordnung für sie von Bedeutung ist.

Letztendlich dient ein Finanz-/Liquiditätsplan der Bank dazu, zu erkennen, ob der Kreditnehmer seinen Kapitaldienst, bezogen auf einen voraussehbaren Prognosezeitraum, leisten kann.

Ein Finanz- bzw. Liquiditätsplan sollte deshalb als fester Bestandteil im Rahmen des Reporting eingesetzt werden.

Finanzplan: bessere Übersicht und erfüllte Anforderungen der Bank

Zu Beginn Ihrer Liquiditätsplanung erstellen Sie einen Liquiditätsstatus indem Sie die aktuelle, zeitpunktbezogene Liquiditätsausstattung Ihres Unternehmens zum Termin des Planungsbeginns ermitteln.

Es sind die aktuellen Kassenbestände und Banksalden, die eingeräumten Kreditlinien, die aktuellen Kreditinanspruchnahmen und die fälligen Zahlungsverpflichtungen aufzustellen.

Der Saldo dieser Werte zeigt Ihnen die zur Verfügung stehende Liquidität. Mit diesem Betrag können Sie Ihre Planung beginnen.

Position Betrag in õ Kassenbestände/Bankguthaben + zugesagte Kreditlinien – beanspruchte Kreditlinien – fällige Zahlungsverpflichtungen = zur Verfügung stehende Liquidität

Danach beginnt die Planung von Einnahmen und Ausgaben, die in einemFinanz-/Liquiditätsplan(Einnahmen-/Ausgaben- Planung für 12 Monate) zusammengefasst werden. Darin wird das jeweilige Monatsliquiditätsergebnis ausgewiesen. Gleichzeitig sehen Sie, ob und wie viel Liquidität noch verfügbar ist.

Beachten Sie: Bei der Liquiditätsplanung dürfen Sie nicht von Erlösen und Kosten ausgehen, sondern von Einnahmen und Ausgaben.

Da nicht jeder Euro Umsatz sofort zu Einnahmen wird und nicht alle anfallenden Kosten sofort zu Ausgaben führen, haben Sie die entsprechenden Zeitverschiebungen in Ihrem Finanz-/Liquiditätsplan zu berücksichtigen.

Position Januar Februar März … … … … Einnahmen Umsatzerlöse Sonstige Erlöse Kreditaufnahmen Einlagen Sonstige Einnahmen Summe Einnahmen

Die Umsatzerlöse sollten Sie zum Zwecke einer exakten Erfassung analog der BWA- oder KER-Positionen aufgegliedert erfassen.

Im Finanz-/Liquiditätsplan kann dann die Zusammenfassung in einer Zahl erfolgen. Die Problematik bei der Erfassung der Einnahmen besteht darin, dass aus den Unterlagen der Finanzbuchhaltung meist nicht erkennbar ist, wann ein Umsatzerlös zur Einnahme wird.

Es ist dann mit Erfahrungswerten zu arbeiten, ob und inwieweit die Kunden sich an die Zahlungsbedingungen des Unternehmens halten.

Klar definierbar sind lediglich die Bareinnahmen per Kasse. Bei Scheck- oder Kartenzahlungen entsteht bereits ein Zeitunterschied zwischen Umsatz und Zahlungseingang beziehungsweise Verfügbarkeit des Zahlungseingangs (Valutierung/Gutschrift auf Bankkonto).

Solange Umsatz und Geldeingang im gleichen Monat erfolgen, bleibt dies bei einer Monatsplanung ohne Auswirkungen.

Wenn Sie für Ihre Planwerte von einer Jahreszielplanung ausgehen, sollten Sie die Jahreswerte keinesfalls zwölfteln, sondern Ihre Saisonkurve unterlegen. Zur Berechnung der Einnahmen auf der Basis der Planumsätze können „Cash-Faktoren“ gebildet werden.

Zahlungseingang sofort Cash-Faktor 0 Zahlungseingang innerhalb des laufenden Monats Cash-Faktor 1 Zahlungseingang im 1. Folgemonat Cash-Faktor 2 etc.

Nach diesem Schema können Sie die aus den Planumsätzen resultierenden Einnahmen in den Finanz-/Liquiditätsplan übernehmen.

Einnahmen, deren genauen Eingangszeitpunkt Sie kennen, können Sie konkret einsetzen.

Ähnlich können Sie bei der Planung Ihrer Ausgaben vorgehen.

Ausgaben Januar Februar März … … … … Materialaufwand* Personalkosten Sachkosten* Zinszahlungen MwSt.-Zahllast Entnahmen/Ausschüttungen Ertragssteuerzahlungen Sonstige Ausgaben Kredittilgungen Summe Ausgaben

Bringen Sie Ihren Finanzplan auf eine DIN-A4-Seite

Im Finanz-/Liquiditätsplan kann eine Verdichtung vorgenommen werden. Der Finanzplan sollte auf eine DIN-A4-Seite passen und stets Ihrem Reporting beigefügt sein.

Die Ausgaben für Material- und Wareneinkäufe sind entsprechend den Liefervereinbarungen zu terminieren. Alle anderen Ausgaben für Kosten stehen prinzipiell fest und können auch zeitlich problemlos geplant werden

Beispiele:Personalkosten im Zahlungsmonat, darauf entfallende Abgaben im Folgemonat; Termine und Zahlungsbeträge für Kapitaldienstleistungen; Steuerzahlungen; Entnahmen/Ausschüttungen etc.

Beachten Sie Besonderheiten bei der Mehrwertsteuer

Eine Besonderheit stellt die Planung der Mehrwertsteuer-Zahllast dar. Die Differenz zwischen der den Kunden berechnete Mehrwertsteuer und der Vorsteuer ist zum 10. des Folgemonats an das Finanzamt abzuführen.

Hierzu können nicht die Einnahmen und Ausgaben des laufenden Monats als Berechnungsbasis herangezogen werden, sondern es ist von den jeweiligen Rechnungswerten – unabhängig von ihrer Bezahlung – auszugehen (Sollversteuerung außer bei Kleingewerbetreibenden und Freiberuflern).

Ein weiterer Punkt ist zu berücksichtigen: Hat das Unternehmen von der Möglichkeit der Dauerfristverlängerung Gebrauch gemacht, oder wird auf der Basis des Voranmeldungszeitraums gezahlt, wobei gleichzeitig mit der Voranmeldung auch die Zahlung zu erfolgen hat?

Die Mehrwertsteuer-Zahllast für den Monat Januar ist normalerweise zum 10. Februar fällig. Nutzt das Unternehmen die Dauerfristverlängerung, verschiebt sich die Fälligkeit auf den 10. März.

Für die Planungspraxis bedeutet dies, dass die Berechnung der Mehrwertsteuer-Zahllast nicht nach Einnahmen und Ausgaben erfolgen kann, sondern sich an den Umsatzerlösen und Rechnungseingängen orientieren muss.

Wenn Sie alle Planwerte erfasst haben, können Sie anhand des folgenden Schemas Ihr Liquiditätsergebnis ermitteln.

Der Zusammenstellung des Liquiditätsergebnisses sollte der Kreditspielraum (zugesagte Linien abzüglich Inanspruchnahmen) gegenübergestellt werden. Damit wird sofort ersichtlich, inwieweit die zur Verfügung stehenden Linien zur Deckung der Liquidität ausreichen.

Erstellen Sie Ihre Planung in Brutto-Werten, also jeweils inklusive Mehrwertsteuer, da dies auch dem tatsächlichen Zahlungsfluss entspricht. Verzichten Sie keinesfalls auf einen jeweils aktualisierten Finanzplan im Rahmen Ihres Reportings. Ihr Finanz-/Liquiditätsplan könnte folgendes Aussehen haben:

Checkliste: Wie Sie Ihre Informationspolitik gegenüber der Bank durch ein strukturiertes Reporting am besten wahrnehmen können

  • Installieren Sie in Ihrem Unternehmen ein Berichtswesen, das Sie zur zeitnahen Information Ihrer Banken über die wirtschaftliche Entwicklung Ihres Unternehmens einsetzen.
  • Lieferantenverbindlichkeiten
  • Informieren Sie Ihre Banken fortlaufend über folgende Bereiche:
  • Umsatzentwicklung
  • Auftragsbestand
  • Bruttoertragsentwicklung
  • Operatives Ergebnis (Kerngeschäft)
  • Betriebsergebnis
  • Cash-Flow
  • Eigenkapitalentwicklung
  • Material-/Warenbestand
  • Kundenforderungen
  • Forderungen gegen Gesellschafter bzw. gegen verbundene Unternehmen
  • Stellen Sie der Bank auf Wunsch Unterlagen zur Verfügung:
  • Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) oder kurzfristige Erfolgsrechnungen (KER) bzw. Kostenrechnungen
  • Finanzplan (Liquiditätsplan)
  • Investitionsplan
  • Rentabilitätsvorschaurechnung
  • Planbilanz

28. Juli 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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