Warum Sie auf Ihren Freund hören sollten

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Aktien bewegen sich in Trends. Diese Regel sollten Sie für Ihren persönlichen Investment-Erfolg beherzigen. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Wenn Sie schon länger Leser von Chartanalyse-Trends sind, dann werden Sie beim folgenden Satz vielleicht denken: „Schon wieder?“

Aktien bewegen sich in Trends!

Nun: Einerseits gibt es sicherlich den einen oder anderen Leser, der diesen Satz noch nicht kennt. Zum anderen ist es eben ein Leitsatz, den man sich als Investor gar nicht oft genug ins Gedächtnis rufen kann.

Ich möchte Ihr Verständnis dafür heute (und morgen in einem 2. Teil) verstärken, damit Sie ihn künftig regelrecht „verinnerlichen“. Denn wie eine andere Börsenweisheit besagt: „The Trend Is Your Friend“ (übersetzt: Der Trend ist Dein Freund).

Also: Hören Sie am besten immer auf Ihren Freund!

Im heutigen 1. Teil geht es darum, Ihnen bewusst machen, WARUM Sie erfolgreicher agieren werden, wenn Sie dem Trend folgen. Und Sie werden die Gefahren kennenlernen, die es mit sich bringt, GEGEN den Trend zu handeln.

Im 2. Teil zeige ich Ihnen dann, wie Sie ganz einfach (auch ohne charttechnisches Grundwissen) erkennen können, in welchem Trend – also ob auf- oder abwärts – sich ein Markt, egal ob Aktie, Währung, Anleihe oder Index, gerade befindet.

Erfolgreicher mit dem Trend

Insbesondere Anleger, die noch recht neu im Aktiengeschäft sind, neigen dazu, sich als Schnäppchenjäger zu betätigen. Doch genau darin liegt bereits der Kern des Misserfolges:

Wenn Sie an den Börsen so handeln wie beim täglichen Shopping, also möglichst preisbewusst kaufen, dann werden Sie auf Dauer Geld verlieren. Ich denke, Sie stimmen mit meiner folgenden Ansicht überein:

An den Börsen werden Sie nur dann Geld verdienen, wenn Sie das, was Sie kaufen, zu einem höheren Preis wieder verkaufen können.

Wenn Sie in eine Aktie investieren, die Ihnen gerade sehr preiswert erscheint, dann MUSS sie zuvor im Kurs gesunken sein. Und genau darin liegt der Widerspruch: Wenn eine Aktie kräftig im Kurs gefallen ist, dann weist der Trend schlicht und ergreifend abwärts!

Es ist das einfache Prinzip von Angebot und Nachfrage: Wenn der Kurs eines Marktes sinkt, dann geschieht das, weil das Angebot die Nachfrage übersteigt. Wiederholt sich dies weit überwiegend, dann wird daraus ein Abwärtstrend.

Was Ihnen beim Handeln gegen den Trend blühen kann

Schauen wir dazu einmal auf den Chart einer Aktie, die im Jahr 2005 und dann noch einmal im Jahr 2007 zum Liebling der Anleger avancierte.

Für uns gehören sie heute zum Alltag: Aber seinerzeit erlebten GPS-gestützte (Global Positioning System = globale Positionsbestimmung) Navigationsgeräte ihre weltweite Auferstehung.

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Das niederländische Unternehmen TomTom bot Navigationsgeräte und das dazugehörige Kartenmaterial an und stand damit in Konkurrenz zum großen US-Gegenspieler Garmin.

Im nachfolgenden TomTom-Chart markiert jede der blauen Linien jeweils einen Tiefpunkt, den die Aktie nach ihrem Zenit im Verlauf des sich anschließenden Niedergangs erreichte.

Das Üble daran, in Bezug auf die „Schnäppchenjagd“: An jedem dieser Tiefpunkte war die Aktie – gemessen an ihrem Höchststand – als ausgesprochen preiswert einzustufen.

TomTom: Aufschwung und Niedergang eines Investorenlieblings

Das fatale Ausmaß von Schnäppchenjagden

Die roten Linien markieren diese Tiefpunkte. Die roten Prozentzahlen zeigen Ihnen, wie weit die Aktie zu diesem Zeitpunkt von ihrem Allzeithoch entfernt war.

Die blauen Prozentzahlen verdeutlichen Ihnen, welchen Verlust Sie eingefahren hätten, selbst wenn Ihnen das unmögliche Kunststück geglückt wäre, die TomTom-Aktie jeweils zum Schnäppchenpreis der vorhergehenden roten Linie zu erwerben.

Vom Allzeithoch im November 2007 bis zum Tief im März 2009 verlor die TomTom-Aktie sage und schreibe 96% ihres Rekordwertes!

Besonders beeindruckend sind die untersten 3 roten Linien: Obwohl die Aktie, relativ zum Allzeithoch, nur noch 3 bzw. 1 Prozentpunkt(e) einbüßte, hätten Sie Verluste von jeweils -56% hinnehmen müssen.

Da erst 2,67 Euro das letzte Tief war, hätte sich eine „Schnäppchenjagd“ auch erst ab diesem Punkt gelohnt.

Noch ein dringender Appell an Sie

In diesem Kontext noch mein dringender Appell an Sie: Vermeiden Sie bitte einen der größten Fehler, den Sie als Investor machen können:

Das Verbilligen von Positionen! Werfen Sie bitte NIEMALS schlechtem Geld (also einer Verlustposition) gutes Geld (neues Kapital) hinterher!

Morgen zeige ich Ihnen im 2. Teil, wie Sie ganz einfach feststellen können, ob sich ein Markt gerade in einem Auf- oder in einem Abwärtstrend befindet.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.