Warum Sie bei der Anschlussfinanzierung vom Bitt- zum Bedingungs-Steller werden sollten

Wenn es um die Anschlussfinanzierung Ihrer Immobilieninvest-ments geht, sollten Sie die Angebote Ihrer Hausbank kritisch unter die Lupe nehmen. (Foto: Scanrail1 - Shutterstock.com)

Was haben – um nur einige Branchen als Beispiel zu nennen – Internetversorger oder Telefongesellschaften mit Immobilienkreditbanken gemeinsam?

Sie alle reißen sich für Neukunden ein Bein aus – die viel wertvolleren Bestandskunden jedoch behandeln sie in aller Regel wie Stiefkinder.

Sprich: Gerade die langgedienten, treuen Stammkunden sind es, die für zweitklassige Angebote deutlich mehr zur Kasse gebeten werden als die frischen  Gesichter auf der Kundenliste.

Deshalb gehen schlaue Providerkunden inzwischen dazu über, alle zwei, drei Jahre den Anbieter zu wechseln. Sie sparen dadurch bares Geld.

Dieses Fluktuationsproblem ist bei Telekom, O2, Unitymedia & Co. mehr als bekannt – das Gegenmittel indes findet kaum Anwendnung: mehr Wertschätzung gegenüber Bestandskunden.

Was das mit Ihnen als Immobilieninvestor zu tun hat? Ganz einfach: Derart kaltschultriges Verhalten legen Immobilienkreditbanken ebenfalls an den Tag.

Wahrscheinlich zählen Sie zu jenen Bestandskunden, die in aller Regel zehn oder zwanzig Jahre lang treu, lauter und rechtschaffen ihre Raten bedient und dadurch bewiesen haben, welch zuverlässige Zahler sie sind.

Was aber passiert?

Bei Anschlussfinanzierungen für Ihre Immobilien werden Sie nicht selten wie ein unwürdiger Bittsteller behandelt.

Da wird Ihnen eine Finanzierung meist mit einem halben Prozent höheren Zinsen angeboten als nötig oder bei Neukunden üblich. So nach dem Motto: Treues Kleinvieh macht auch Mist. Und es muckt nicht auf.

Dieser »Mist« kann für Sie als Kunden allerdings teuer werden.

Halten Sie sich Ihre versteckte Macht vor Augen! Denn was hat die Universität Hamburg im Jahre 2012 festgestellt? Ungefähr 50 % des Jahres-Baufinanzierungsvolumens einer durchschnittlichen deutschen Bank besteht aus Anschlussfinanzierungen. Und die sind für Bänker relativ bequem und sicher, denn sie wissen ja, was sie an Ihnen haben: pünktliche, zuverlässige Zahlungen. Was Ihnen allerdings kaum gedankt wird.

Als geradezu empörend erweist sich die Schieflage in der Wertschätzung zuverlässiger Stammkunden, die Bänker bevorzugt an den Tag legen.

Warum aber kommen Banken in aller Regel mit diesem Spiel durch?

Das liegt an der Trägheit und Wechselfurcht vieler Investoren. Viele sehen sich nach wie vor in der Rolle eines Bittstellers, wenn es um Immobilienkredite geht. Und sie übersehen ihre wahre Macht.

Meine Erfahrung ist hingegen: Sie haben als Investor jedes Recht, zumindest auf gleicher Augenhöhe mit ihrem Bänker zu verhandeln. Sie sind durchaus in der Lage, Bedingungen zu stellen.

Gehen Sie bei der Anschlussfinanzierung am besten folgendermaßen vor …

Achten Sie penibel auf die Kündigungsfristen.

Allerspätestens ein halbes Jahr, bevor der aktuelle Finanzierungsvertrag ausläuft, sollten Sie sich bei Kreditinstituten und Kreditvermittlern umhören, die in Konkurrenz zu Ihrem aktuellen Institut stehen.

Bei denen wären Sie dann Neukunde, entsprechend obenauf und erhalten oftmals Zinssätze, die gut und gerne ein halbes Prozent unter dem Angebot Ihrer aktuellen Bank liegen können.

Über die restlichen Jahre verteilt, kommt da ein hübsches Sümmchen zusammen, das Sie einsparen könnten.

Konfrontieren Sie Ihre Bank mit dem Konkurrenzangebot.

In aller Regel wird Ihr Bänker zwar zetern und jammern – sich am Ende aber doch auf einen deutlich niedrigeren Zinssatz für die Prolongation (= Anschlussfinanzierung durch dasselbe Kreditinstitut wie bisher) einlassen als hausintern üblich.

Hartnäckigkeit und Unerbittlichkeit zahlen sich für Sie spürbar aus.

Was aber, wenn die Konkurrenzbank immer noch günstiger ist als Ihre Hausbank?

Dann würde ich mich an ihrer Stelle keinesfalls von Sentimentalitäten leiten lassen: Nehmen Sie das günstigere Angebot auf jeden Fall an.

Denn sollte Ihre Hausbank mitbekommen, dass sie Ihnen wider besseres Wissen problemlos ungünstige Konditionen unterjubeln kann, wird sie Sie in Zukunft erst recht nicht wie einen 1a-Kunden behandeln. Sondern weiterhin als Bittsteller, den sie ausnehmen kann wie eine Weihnachtsgans.

1a sind die Informationen, die Sie in der nächsten Woche wieder von mir bekommen – hier an derselben Stelle. Es lohnt sich also, wieder vorbeizuschauen!


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Von: Paul Misar. Über den Autor

Paul Misar, Entrepreneur mit aktuell 11 Firmen (einigen davon im Immobilienbereich), Bestseller-Autor, Speaker of the Year 2013 und gefragter Experte auf dem Gebieten“ finanzielle Freiheit“ und  Immobilien.