Warum Sie beim Aktienkauf auf die Liquidität achten sollten!

In meinem Börsendienst Momentum-Trader empfehle ich ausschließlich Wachstumsaktien, genauer gesagt: Stark wachsende Unternehmen. Dabei greife ich auch gerne auf amerikanische Firmen zurück.

Da es sich um Wachstumsaktien handelt, sind dies in der Regel Werte, die bei den Investoren noch nicht so bekannt sind. Denn: Wenn diese Titel beinahe allen Anlegern ein Begriff sind, sind sie zumeist auch keine Wachstumsunternehmen mehr.

Gerade weil diese Unternehmen noch nicht so bekannt sind, werden sie zwar an deutschen Börsenplätzen gelistet, aber zumeist nicht sonderlich rege gehandelt.

Hin und wieder bekomme ich dann von neuen Lesern die Frage gestellt, ob sie die von mir empfohlene US-Aktie nicht auch in Deutschland ordern können, da ihr Broker dafür meist deutlich geringere Transaktionskosten verlangt.

Meine Antwort lautet dabei regelmäßig: „Nein!“ Und ich möchte Ihnen heute zeigen, warum auch Sie US-Aktien in Ihrem eigenen Interesse besser an der Heimatbörse in den USA handeln sollten.

Dazu zeige ich Ihnen ein typisches Beispiel einer Aktie, die auch einmal eine Momentum-Trader-Empfehlung war. Der Name dieses Titels spielt dabei keine Rolle.

vergleich handel us-aktie in frankfurt und an der nasdaq-07-11-2013

Vergleich: Handel einer US-Aktie in Frankfurt und an der Nasdaq

Kleine Unterschiede mit großer Wirkung

Der erste Unterschied sticht Ihnen bereits beim Blick auf den Kursverlauf ins Auge: Beim Handel in Frankfurt sind extrem viele kleine Kerzen oder gar nur Striche zu sehen. Das bedeutet:

Die Spanne zwischen Tagestief und Tageshoch war sehr gering. Bei einem Strich wurde an jenem Tag gar nur ein einziger Kurs festgestellt.

Ein besonders krasses Beispiel zeigt der senkrechte grüne Balken: An diesem Tag stieg der Kurs an der Nasdaq um fast +5%, in Frankfurt lediglich um +0,01%.

Im unteren Chartteil zeigen die grünen Balken das tägliche Handelsvolumen, also: Die gehandelte Stückzahl x dem Schlusskurs. Ein Beispiel:

Am 5. November wurden in Frankfurt Anteile dieser Aktie im Volumen von 23.604 Euro gehandelt. An der Nasdaq waren es Anteile im Volumen von 66,483 Mio. USD. Das ist ein Unterschied oder?

Handel oder kein Handel = Verkauf oder kein Verkauf

Es bedeutet, dass Sie in Frankfurt an diesem Tag Ihre Kauf- (oder Verkaufsorder) nicht oder nur zum Teil ausgeführt worden wäre, falls Sie Anteile dieser Aktie in einem Volumen von mehr als 23.600 Euro hätten ordern wollen.

Doch es kommt noch übler: Die senkrechten blauen Balken kennzeichnen Tage, an denen in dieser Aktie in Frankfurt überhaupt kein Handel stattfand. Das war an 15 von 90 Handelstagen der Fall. Anders ausgedrückt: In 17% dieser Zeitspanne (also fast ein Fünftel) konnten Sie die Aktie in Frankfurt weder kaufen noch verkaufen.

Schauen Sie nun einmal auf den Handel an der Nasdaq an diesen Tagen: Selbst am Tag mit dem niedrigsten Handelsvolumen (senkrechter gelber Balken) wurden an der Nasdaq noch immer Anteile im Volumen von 15,64 Mio. USD umgesetzt!

Fazit

Das Beispiel gilt übrigens auch für weniger bekannte deutsche Aktien, die in Deutschland gehandelt werden. Auch hier ist der Handel oft gering. Doch warum sollten Sie darauf achten, dass von Ihnen gekaufte Aktien auch liquide genug gehandelt werden?

Ganz einfach: Selbst wenn es Ihnen gelingt, eine wenig liquide Aktie zu kaufen, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in dem Moment ein Problem bekommen, wenn Sie diesen Titel wieder verkaufen möchten.

Wenn Sie Pech haben, findet ausgerechnet dann tagelang kein Handel statt und der Kurs rutscht in dieser Zeit in den Keller, ohne dass Ihnen der Verkauf gelingt. Der dabei mögliche Verlust wiegt fast immer schwerer als die Transaktionskosten Ihres Brokers, die Sie zu vermeiden trachteten. Und: Mit der Größe Ihrer Position wächst dann auch Ihr Verlustrisiko.

Bevor Sie also beim nächsten Mal eine weniger bekannte Aktie kaufen wollen, sollten Sie zuvor prüfen, wie rege dieser Wert an dem Börsenplatz gehandelt wird, an dem Sie Ihre Order platzieren möchten. Ich persönlich meide alle Aktien wie der Teufel das Weihwasser, die ein durchschnittliches tägliches Handelsvolumen von weniger als einer halben Mio. Euro aufweisen.

Nur wenn eine ausreichende Liquidität gewährleistet ist, können Sie auch guten Gewissens davon ausgehen, dass Sie Ihre Aktie wieder verkauft bekommen, wenn Sie das möchten.

7. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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