Warum Sie dem DAX zurzeit nicht trauen können

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Märkte, die charttechnische Fehlsignale generieren, sollten Sie vorübergehend meiden. Das gilt derzeit für den DAX. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Letzte Woche ging es in meinem Börsenbrief um eine von mir zum Kauf empfohlene Aktie, aus der wir nach wenigen Wochen mit einem kleinen Minus ausgestiegen waren. Der Leser fragte, warum ich den Titel nicht zum Rückkauf empfohlen habe, nachdem das von mir erwartete Szenario doch noch eingetroffen sei?

Ich möchte Ihnen die Antwort, die ich darauf gegeben habe, heute präsentieren. Denn sie verdeutlicht, warum Sie charttechnische Warnhinweise nicht ignorieren sollten.

Der DAX dient dafür schon seit Monaten als ein Paradebeispiel!

Fehlsignale sind meistens eine Warnung

Doch zuvor noch einmal zurück zu meiner eingangs angesprochenen Empfehlung:

Die angesprochene Wachstumsaktie wurde am 18. April zum Kauf und am 25. Mai 2018 wieder zum Verkauf empfohlen. 2 Wochen später explodierte der Kurs innerhalb von 5 Handelstagen um +23%.

Zum Zeitpunkt meiner Verkaufsempfehlung am 25. Mai 2018 war die Notierung des Titels gerade erneut eingebrochen. Zuvor hatte die Aktie am Tage nach der Vorlage eigentlich guter Quartalszahlen (2. Mai) bis zu -12% verloren.

Weiterhin hatte sich der Ausbruch aus einer Flachbasis, die unser Signal für den Einstieg war, als „Bullenfalle“ enttarnt: Dieser Begriff bezeichnet charttechnische Kaufsignale, die sich kurz darauf als falsch erweisen.

Fassen wir zusammen: 3 Fehlschläge innerhalb einer kurzen Zeitspanne von nur 5 Wochen, obwohl die fundamentale Entwicklung (Umsatz- und Gewinnwachstum) eigentlich aussichtsreiche Perspektiven verhieß.

Das war für mich Anlass genug, sich von der Aktie zu trennen: Denn erfahrungsgemäß ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Wert nach einer solchen Serie zu weiteren Fehlsignalen neigt.

Die 5-Tage-Rallye um +23% basierte übrigens auf einem unvorhersehbaren Ereignis: Die Bekanntmachung einer geplanten Unternehmensübernahme.

Der DAX warnte schon mit seinem Aufwärtstrend

Auf das Thema „DAX-Bullenfalle“ hatte ich hier in Chartanalyse-Trends schon mehrfach Bezug genommen. Rufen wir uns das mit Hilfe des nachfolgenden Charts noch einmal ins Gedächtnis:

DAX: Das Momentum offenbart vielfache Fehlsignale

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Der deutsche Leitindex befand sich seit Februar 2016 in einem Aufwärtstrend (grüne Linie).

Das 50-Tage-Momentum bildete indes während dieser Zeit immer niedrigere Tops aus. Das ist ungewöhnlich, denn eigentlich sollte ein Aufwärtstrend von immer höheren Hochs im Schwung-Indikator begleitet und damit bestätigt werden.

Interessant dabei ist, dass die ersten 5 miteinander verbundenen Hochpunkte alle auf einer Linie liegen (A bis E). Dann bildete das Momentum im November 2017 eine erste Bullenfalle aus (1), als die pinkfarbene Widerstandslinie kurzzeitig überboten wurde.

Anschließend entstanden 2 weitere Ausbrüche – also eigentlich Kaufsignale – aus Abwärtstrends (2 und 3), die sich ebenfalls recht schnell als Fehlsignale erwiesen. Der DAX unterstützte das vermeintliche Kaufsignal an Punkt 3 mit einem marginalen neuen Allzeithoch (4).

Serie von Fehlsignalen im Leitindex

Und nun schauen Sie, was danach geschah: Ein weiterer Fehlausbruch aus einem Abwärtstrend (5). Danach eine Bärenfalle bei 9: Der DAX rutschte kurzzeitig aus seinem Aufwärtstrend, kehrte danach jedoch wieder in selbigen zurück.

Im Mai und Juni dieses Jahres folgten dann 2 weitere Bullenfallen (6 und 7), ähnlich der an Punkt 1. Und jetzt?

Nun fällt der DAX (Punkt 10), wie schon im November des vergangenen Jahres, erneut aus dem Aufwärtstrend seit Februar 2016. Möchten Sie nach dem Geschehenen dies nun als Verkaufssignal beurteilen oder als eine erneute Bärenfalle?

Fazit

Ich den mehr als 38 Jahren, die ich mich nun professionell mit dem Thema Börse auseinandersetze, habe ich unter anderem das gelernt: Wenn ein Markt charttechnische Fehlsignale ausbildet, dann neigt er auch zu weiteren Fehlsignalen.

Solche Fehlsignale zeigen Ihnen, dass die Marktteilnehmer anders handeln, als der Markt es Ihnen zuvor angezeigt hat. Bullenfallen sind dabei besonders gefährlich:

Denn nicht selten entsteht daraus ein dauerhafter Abwärtstrend. Doch wenn ein Abwärtstrend beginnt, wissen Sie im Vorhinein nie, wo dieser enden wird.

Aus diesem Grund vermeide ich Märkte, die Fehlsignale – insbesondere Bullenfallen – ausbilden. Dabei nehme ich wissentlich auch in Kauf, dass sich ein Markt letztlich doch positiv entwickelt, so wie eingangs beispielhaft beschrieben.

Beim DAX sollten Sie ebenso verfahren und in der aktuellen Phase Investments – gleich ob short oder long – solange vermeiden, bis Sie den Kauf- und Verkaufssignalen wieder vertrauen können.

Schließlich gibt es genug andere Märkte zum Einsteigen, die derzeit keine Fehlsignale produzieren!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.