Warum Sie den DAX erst einmal links liegen lassen sollten

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Der DAX wischte in nur 3 Tagen den Aufbau der 3 Wochen zuvor aus: Eine aktuelle Bestandsaufnahme. (Foto: Deutsche Börse AG)

Erst am vergangenen Donnerstag hatte ich die Frage „Deutsche und US-Aktien: Was ist jetzt die bessere Wahl?“ zugunsten der Wall Street beantwortet.

Noch am selben Tag stürzte der DAX um 300 Zähler ab. Gemessen vom Zwischenhoch am letzten Mittwoch verlor der deutsche Leitindex bis Freitagabend 508 Punkte und hat damit den gesamten, in den 3 Wochen zuvor mühsam erarbeiteten Zuwachs wieder eingebüßt.

Wir schauen heute auf die daraus resultierende aktuelle Charttechnik.

Was stark fällt, erholt sich weniger gut

In meinem Beitrag vom vergangenen Donnerstag hatte ich bereits darauf hingewiesen:

„Meine Analyse widerlegt auch die von mir häufig beobachtete Ansicht vieler Privatanleger, dass stark gefallene Märkte auch das größere Aufholpotenzial besitzen: Genau das Gegenteil entspricht der Wahrheit.

Ein Markt, der weniger stark gefallen ist, dokumentiert ein signifikant geringeres Über-Angebot. Eine ansteigende Nachfrage nach einer Korrektur bewirkt dann quasi automatisch ein höheres Gewinnpotenzial.“

Der S&P 500 verlor vom Jahreshoch 2018 aus -20,2%. Dem stand eine Erholung von bis zu +16,4% gegenüber. Der DAX hingegen büßte -24,4% ein und verbesserte sich vom Tief aus erst um +10,2%.

Die DAX-Verluste der beiden letzten Handelstage der vergangenen Woche bestätigen meine These.

DAX: Aktuelle Charttechnik

Schauen wir nun auf die aktuelle Charttechnik:

DAX: Großinvestoren zogen nicht wirklich mit

Seit dem Frühjahr 2018 bewegt sich der DAX wie auf Schienen innerhalb eines breiten Abwärtstrend-Kanals. Dieser lässt sich überdies in 2 Hälften teilen, in denen sich der Index jeweils über längere Phasen hinweg aufhielt.

Der Sprung am 18. Januar 2019 zurück in die obere Etage des Trend-Kanals und die gleichzeitige Überwindung des Widerstands bei 11.000 Punkten waren eigentlich ein prima Kaufsignal für den DAX.

Umso ärgerlicher ist nun die Entwicklung in der zweiten Hälfte der vergangenen Handelswoche: Die Unterstützung, in die sich der frühere Widerstand gewandelt hatte, wurde wieder unterboten.

Immerhin: Unterstützung fand der DAX jetzt auf der Unterseite der oberen Trend-Kanal-Hälfte. Doch ohne eine nachhaltige Rückkehr über die 11.000er-Marke – jetzt erst einmal wieder Widerstand – wird es schwer für den deutschen Leitindex.

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Großinvestoren zogen nicht wirklich mit

Dass die Aufwärtsbewegung nach dem Kurssprung vom 18. Januar 2019 zu wünschen übrig ließ, zeigt der Blick auf das On-Balance-Volumen (OBV):

Dieser Indikator verknüpft bekanntlich die börsentäglichen Kursänderungen mit den dazugehörigen Umsätzen. Entsprechend spiegelt das OBV das Verhalten der Großinvestoren wider.

Wie Sie selbst sehen, bewegte sich der Indikator nach dem Verlassen des Abwärtstrends vom Oktober 2018 in einem engen Rahmen seitwärts (blaues Rechteck): Die Großinvestoren haben den nachfolgenden Aufschwung bis 11.371 Punkte also nicht wirklich begleitet.

Per Freitag ist das OBV auch noch aus der genannten Seitwärts-Bewegung nach unten rausgefallen (roter Ring). Das offenbart Ihnen, was die Großinvestoren derzeit vom DAX halten.

Ohne Schwung und Dynamik

Schauen wir noch auf einen anderen Indikator: Das 50-Tage-Momentum.

Dieses charttechnische Instrument zeigt Ihnen, wie es um Schwung und Dynamik der Kursbewegung eines Marktes bestellt ist.

DAX: Der Schwung-Indikator Momentum generiert ein Verkaufssignal

Der gelbe Kreis markiert Ihnen die wichtigste Erkenntnis: Das Momentum hat das Verkaufssignal im DAX durch einen eigenen Bruch des Aufwärtstrends seit Jahresbeginn bestätigt.

Fazit

Allzu viel hatte ich dem DAX in meiner Analyse vom 21. Januar 2019 hier in Chartanalyse-Trends ohnehin nicht zugetraut:

„Der ehemalige Widerstand wandelt sich damit in eine Unterstützung. Anschließend dürfte der DAX dann auf die Abwärtstrendlinie seit Mai 2018 zusteuern. Das Kursziel sollte mithin bei etwa 11.550 / 11.600 Punkten liegen.“

Dass es nun nur für 11.371 Zähler reichte, unterstreicht das eingangs zitierte Fazit zu deutschen und US-Aktien. Auch wenn der DAX heute wieder an der 11.000er-Marke „knabbert“:

Das Verkaufssignal vom 50-Tage-Momentum ist eindeutig. Und die Entwicklung des On-Balance-Volumens belegt Ihnen, dass die Aufwärtsbewegung des DAX im Januar nicht wirklich von den Großinvestoren getragen wurde.

Kein Wunder: Nach wie vor schwebt der drohende harte Brexit Ende März über den Investorenhäuptern wie das berühmt berüchtigte Damokles-Schwert.

Bis die Dinge endlich – in welcher Weise auch immer – geregelt sind, lautet meine Empfehlung: Lassen Sie den DAX erst einmal links liegen!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.