Warum Sie den Dow Jones vergessen können

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Der Dow Jones ist nicht nur der älteste, sondern auch der bekannteste Aktienindex. Seine Berechnung ist jedoch längst nicht mehr zeitgemäß. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Wenn Anleger wissen möchten, was sich an der Wall Street tut, schauen sie zuallererst auf den Dow Jones. Der Index gilt als “Mutter aller Indizes”. Um die Entwicklung an der US-Börse wirklich vernünftig zu beurteilen, taugt der Dow Jones jedoch nur bedingt. Dazu sollten Sie besser auf andere Indizes ausweichen. Ich will Ihnen heute erläutern, warum.

Die Berechnung des Dow Jones ist nicht zeitgemäß

Der Dow Jones feiert in diesem Jahr bereits seinen 123. Geburtstag. Entwickelt wurde er von Charles Henry Dow und seinem Partner Edward Davis Jones. Am 26. Mai 1896 veröffentlichten sie im “Wall Street Journal” erstmals einen Index, der dabei helfen sollte, den Aktienmarkt besser zu beurteilen: den Dow Jones Industrial Average. Damals waren lediglich zwölf Industrieunternehmen in dem Index enthalten. Die Berechnung war denkbar einfach: Die Kurse der zwölf Aktien wurden einfach zusammengezählt und die Summe durch zwölf geteilt.

Seit 1928 enthält der Dow Jones 30 Aktientitel. An der Berechnungsweise hat sich im Prinzip aber bis heute nichts geändert. Lediglich ein flexibler Korrekturwert, der sogenannte “Dow Divisor”, fließt in die Berechnung mit ein. Er ermöglicht es, die Index-Entwicklung über einen längeren Zeitraum zuverlässig zu vergleichen. Ohne diesen Divisor würde der Dow Jones bei jedem Aktiensplit einen Rutsch nach unten erleben.

Was sich jedoch nicht geändert hat: Der Dow Jones ist nach wie vor preisgewichtet. Das heißt: Je höher der Kurs einer Aktie ist, desto höher ist auch ihr Gewicht im Index.

Boeing-Aktie bewegt den Dow

Welche Folgen diese überholte Berechnungsweise haben kann, zeigt ein aktuelles Beispiel. Zum Wochenauftakt geriet die Boeing-Aktie heftig unter Druck, nachdem am Sonntag eine Maschine des US-Flugzeugherstellers abgestürzt war.

Die Boeing-Aktie ist aufgrund ihres hohen Kurses von fast 400 Dollar der mit Abstand am höchsten gewichtete Einzelwert im Dow Jones. Ihr Anteil beträgt über 10%. Der am zweitstärksten gewichtete Wert UnitedHealth kommt gerade einmal auf gut 6%. Die Aktie des Pharmakonzerns Pfizer hat aufgrund ihres optisch günstigeren Kurses sogar nur einen Anteil von 1%.

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Dank des steilen Kursanstiegs von bis zu 38% seit Jahresbeginn hatte die Boeing-Aktie maßgeblichen Anteil daran, dass der Dow Jones bis zu seinem Jahreshoch Ende Februar um 12,5% zulegen konnte. Am Montag jedoch war der Kursrutsch bei Boeing (die Aktie verlor zeitweise bis zu 13%) ausschlaggebend dafür, dass auch der Index zunächst ins Minus rutschte.

Die Tatsache, dass die Boeing-Aktie ihr Tagesminus auf 5% verringern konnte, und Gewinne bei den meisten anderen Indexwerten sorgten letztlich aber dafür, dass der Dow Jones doch noch ein ordentliches Tagesplus verzeichnen konnte.

Schauen Sie besser auf den S&P 500 und den Nasdaq 100

Nicht nur wegen seiner Berechnung ist die Aussagekraft des Dow Jones begrenzt. Hinzu kommt, dass die Mitglieder nicht nach objektiven Kriterien ausgewählt, sondern vergleichsweise subjektiv vom “Wall Street Journal” bestimmt werden. Davon abgesehen kann der Dow Jones mit gerade einmal 30 Indexwerten nur ein unzureichendes Bild des Gesamtmarkts liefern.

Deshalb sollten Sie dem Dow Jones nicht allzu viel Bedeutung beimessen, sondern stattdessen auf andere Börsenbarometer ausweichen. Allen voran ist hier der S&P 500 zu nennen. Der Index, der die 500 größten Unternehmen der Wall Street enthält, ist wesentlich breiter gefasst. Außerdem ist er nicht preisgewichtet. Hier hängt das Gewicht der einzelnen Aktien – wie bei den meisten Indizes – vom Börsenwert ab.

Daher vermittelt der S&P 500 ein wesentlich besseres Bild von der Entwicklung des US-Aktienmarkts als der Dow Jones. Daneben sollten Sie auch einen Blick auf den Nasdaq 100 werfen. Dieser Index enthält die 100 größten an der Technologiebörse gelisteten Aktien und spiegelt damit die Entwicklung im Technologiesektor wider.


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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.