Warum Sie die Volatilität im Auge behalten sollten

Eine anziehende Volatilität kann ein Hinweis für eine mögliche Korrektur sein. Deshalb: Haben Sie die Volatilitäts-Indizes stets im Blick! (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Im laufenden Börsenjahr ist die Schwankungsbreite an den Aktienmärkten ungewöhnlich niedrig.

Dies gilt ganz besonders für die New Yorker Wall Street; die bislang größte „Korrektur“ beim S&P 500 in diesem Jahr belief sich auf lächerliche 3%.

Um sich einen Überblick zu verschaffen, in welchem Zustand sich der Markt befindet, sollten Sie die Volatilität, die Schwankungsbreite der Aktienkurse, im Auge behalten.

Zieht die Volatilität an, ist Vorsicht geboten.

Volatilitäts-Indizes messen die Schwankungsbreite

Ein Maß für die Schwankungsbreite am Markt sind die Volatilitäts-Indizes.

Genau genommen, drücken sie die an den Terminmärkten erwartete Schwankungsbreite, die sogenannte implizite Volatilität, aus.

Die Deutsche Börse berechnet den VDAX New. Der DAX-Volatilitäts-Index gibt an, welche prozentuale Schwankungsbreite für den DAX in den nächsten 30 Tagen zu erwarten ist.

Das amerikanische Pendant zum VDAX New ist der VIX, der von der Terminbörse in Chicago für den breit gefassten US-Index S&P 500 berechnet wird.

„Angst-Indizes“ sind ein Maß für die Unsicherheit

Grundsätzlich gilt: Die Aktienkurse und die Volatilität bewegen sich gegenläufig. Steigen die Kurse, geht die Volatilität i. d. R. zurück.

Bei Kursrückgängen, die meist deutlich schneller vonstattengehen als Aufwärts-Bewegungen, steigt die Schwankungsbreite dagegen – oft auch sprunghaft – an.

Damit geben die Volatilitäts-Indizes gleichzeitig die Unsicherheit unter den Marktteilnehmern wider.

Eine hohe Volatilität geht einher mit einer erhöhten Unsicherheit bei den Anlegern. Daher sprechen Börsianer oft auch von „Angst-Indizes“.

Volatilität kann Hinweise auf mögliche Kurs-Einbrüche geben

Ein Blick auf die Entwicklung der Volatilitäts-Indizes kann sich für Sie als Anleger durchaus lohnen.

Denn oft kündigen sich deutliche Kurs-Einbrüche bereits im Vorfeld durch einen Anstieg der Volatilität an.

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Bestes Beispiel war die Eskalation der Finanzkrise im Herbst 2008:

Während der Hausse zwischen 2003 und 2007 hatten sich die Volatilitäts-Indizes fast durchweg auf einem sehr niedrigen Niveau zwischen 10 und 20% bewegt.

Derart tiefe Stände signalisieren einen stabilen, aufwärts gerichteten Markt.

Ende September 2008 stieg der VDAX New bereits auf ein Niveau von bis zu 38% – noch vor der Lehman-Pleite.

Als es am Markt dann so richtig krachte, sprang der VDAX New bis auf ein Rekordhoch von 85% nach oben.

Volatilitäts-Indizes signalisieren eine gewisse Sorglosigkeit

Wie eingangs schon erwähnt, bewegte sich die Volatilität in diesem Jahr bislang auf einem ungewohnt niedrigen Niveau.

Der amerikanische VIX markierte Ende Juli bei 8,84% sogar ein neues Rekordtief, bevor der Nordkorea-Konflikt den Index zeitweise wieder bis auf gut 17% ansteigen ließ.

Zuletzt notierte er wieder bei knapp 13%. Der heimische VDAX New, der kurzzeitig auf über 21% geklettert war, liegt jetzt wieder bei 16%.

Die teils extrem niedrigen Werte an der US-Börse zeugen von einer gewissen Sorglosigkeit unter den Anlegern.

Das ist auch kein Wunder, gab es die letzte wirkliche Korrektur-Bewegung doch zwischen November 2015 und Februar 2016, als der S&P 500 zwischenzeitlich um gut 14% nachgab.

Die Tatsache, dass die Volatilität zuletzt doch spürbar angezogen hat, ist zumindest ein kleines Warnsignal.

Der übergeordnete Aufwärtstrend an den Aktienmärkten ist zwar nach wie vor intakt, vorübergehende Korrekturen sollten Sie als Anleger aber zumindest einkalkulieren.

Die Volatilitäts-Indizes können Ihnen Hinweise darauf geben.


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Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.