Warum Sie die Weltbank-Prognose getrost ignorieren können

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Die Weltbank prognostiziert für 2019 ein schwächeres Weltwirtschaftswachstum. Das ist aber unproblematisch für Aktien. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Den Medien können Sie heute die neueste Prognose der Weltbank entnehmen.

Die in den USA beheimatete multinationale Entwicklungsbank war ursprünglich gegründet worden, um den Wiederaufbau der vom 2. Weltkrieg verwüsteten Staaten zu finanzieren. Heute unterstützt sie weniger entwickelte Länder mit pekuniären Mitteln.

Für 2019 geht die Weltbank von einem weltweit geringeren Wirtschaftswachstum aus. Als Gründe werden neben dem schwelenden Handelsstreit zwischen China und den USA schwierige Finanzmärkte in den großen Schwellenländern sowie international schwächere Handels- und Produktionsaktivitäten genannt.

Daraus auf weiter schwache Aktienmärkte zu schließen, wäre indes falsch. Schließlich gibt es einen enorm wichtigen Faktor, der sich (einmal mehr) als positiv für die weltweite Konjunktur erweisen dürfte.

Weltbank prognostiziert schwächere Weltwirtschaft

Für die USA sagt die Weltbank eine Abmilderung des Wirtschaftswachstums von zuvor +2,9% auf +2,5% voraus. In 2020 soll dieser Wert gar auf +1,6% absinken. China wird laut der Vorhersage mit einer Minderung von +6,5% auf +6,2% davonkommen.

Auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern soll sich das Wachstum auf +4,2% abschwächen. Weltweit wird das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf +2,9% nach zuvor +3,0% taxiert.

2 Punkte sollten Sie hierzu beachten:

  • Die Börsen nehmen Entwicklungen vorweg. Mit den Index-Verlusten von rund -20% im letzten Jahresviertel 2018 ist also mindestens ein Großteil, vielleicht sogar die komplette Prognose von den Finanzmärkten bereits „abgearbeitet“ worden.
  • Aufgrund des Ölpreisverfalls von in der Spitze mehr als -42% seit Anfang Oktober hat sich das Schmiermittel für die Weltwirtschaft drastisch verbilligt. Und das hat eine immense Konsequenz:

Das Schmiermittel der Weltwirtschaft

Erdöl ist der wichtigste Rohstoff der modernen Industriegesellschaften. Er ist zur Erzeugung von Treibstoffen – trotz Elektrofahrzeugen – noch immer nahezu unabdingbar. Für die chemische Industrie besitzt Öl eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung. Es ist sozusagen das „Schmiermittel“ unserer Weltwirtschaft.

Erdöl ist – trotz des inzwischen verstärkten Einsatzes alternativer Energien – noch immer wichtigster Faktor zur Erzeugung von Elektrizität und bedeutender Bestandteil von Produkten unseres täglichen Lebens:

Geschätzte 90% aller chemischen Erzeugnisse werden aus Erdöl und Erdgas gewonnen, darunter Produkte wie Farben und Lacke, Kunststoffe, Arzneimittel, Wasch- und Reinigungsmittel, Parfums und vieles mehr.

Zusammengefasst: Der Preis des schwarzen Goldes beeinflusst in hohem Maße die Weltwirtschaft und unser eigenes Leben. Und damit in der Konsequenz auch die Finanzmärkte.

Zusammenhang: Ölpreis und Aktienmarkt

Um diesen Sachverhalt näher zu beleuchten, schauen wir uns einmal die nachfolgende Grafik gemeinsam an:

Ölpreisrückgänge wirken regelmäßig wie ein gigantisches Konjunkturprogramm

Ich habe hier den Ölpreis der Aktienmarkt-Entwicklung gegenüber gestellt. Die grün gefärbten Bereiche kennzeichnen Phasen NACH einem massiven Preisverfall des schwarzen Goldes.

Ein tendenziell stark sinkender Ölpreis zieht zumeist auch die Aktienmärkte mit nach unten. Wie Sie jedoch unschwer erkennen können, führt der anschließende Anstieg nahezu immer zu einer massiven Erholung der Dividendenpapiere!

Fazit

Sie sollten bezüglich der Weltbankprognose klar abgrenzen:

Die Finanzmärkte schauen nicht zurück, sondern nach vorn! Soll heißen: Eine konjunkturelle Abschwächung ist von den Börsen im letzten Jahresviertel 2018 bereits weitgehend, möglicherweise sogar schon komplett, eskomptiert worden.

Öl ist der Rohstoff, der unser Leben, unsere Industrien und damit verbunden auch die Produktionskosten entscheidend beeinflusst.

Ein massiv absinkender Ölpreis wirkt sich zunächst negativ auf die Gewinnmargen aus. Das drückt sich in reduzierten Gewinnerwartungen aus.

Sie werden das in Kürze sehen, wenn ich hier in Chartanalyse-Trends in der kommenden Woche auf die Wachstumsprognosen für die US-Unternehmen bezüglich des abgelaufenen 4. Quartals 2018 eingehe.

Ein stark erniedrigter Ölpreis hingegen senkt – mit einer zeitlichen Verzögerung aufgrund des vorher erforderlichen Lagerabbaus – die weltweiten Produktionskosten drastisch. Und das wirkt in der Folge wie ein weltweites gigantisches Konjunkturprogramm.

Nach einem Ölpreisverfall von -42% im letzten Jahresviertel 2018 werden Sie diesen Effekt auch in 2019 wieder erleben. Mit einer entsprechenden positiven Auswirkung auf die Aktienmärkte.

Die derzeit noch einzige Unsicherheit besteht in der Frage: Hat der Ölpreis seine Abwärtsbewegung schon beendet oder steckt noch Potenzial in der Pipeline?

Dieser Frage werden wir morgen nachgehen.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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