Warum Sie sich nicht zu früh freuen sollten! DAX steigt über 11.300 Punkte

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Hurra, wir leben noch und die Zinsen bleiben unten. Wenn das kein Grund zur Freude ist, also kaufen wir alle den DAX – schlechte Nachrichten werden ignoriert. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Die EZB lässt die Leitzinsen auf dem Rekordtief. Das hat Mario Draghi gestern verkündet. Ein Grund für die Börsen heute zu jubeln. Doch wie kurzfristig ist das eigentlich gedacht?

Hohe Chance auf eine Rezession

Ja, die Gefahr ist der Elefant im Zimmer, über den nicht gesprochen wird. Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum und auch in Deutschland ist rückläufig. Der Einkaufsmanagerindex Industrie in Deutschland ist bei 49,9 Punkten angekommen. Das bedeutet eine Schrumpfung um 0,1 Prozent. Der Wert 50 ist so gesehen die Null. Im Oktober 2017 standen wir noch bei 63,3 Punkten! Seitdem fallen die Werte.

Auch in der Eurozone steuern wir auf das Null-Wachstum zu. Dort liegen die Daten der Einkaufsmanager immerhin noch bei Plus 0,1 Prozent. Sensationell!

Aber was sollte die EZB jetzt auch groß machen? Wir hatten keinen Boom wie die USA. Wir können nicht die Zinsen anheben, weil wir es uns schlichtweg nicht leisten können. Was genau können wir uns da eigentlich nicht leisten? Nun, um es kurz zu machen: Dass sich die Lage verschlimmert oder das Abrutschen beschleunigt.

Den Märkten scheint das heute aber zweitrangig zu sein. Zinsen bleiben unten, also geht der Markt nach oben. Das ist ein ganz einfaches Spiel. Doch wehe, wer um die Ecke schaut, was da auf uns zukommt.

Feste feiern, wie sie fallen

Das scheint die Devise an den Börsen zu sein. Vielleicht schaffen wir nächste Woche sogar noch die 11.400 Punkte im DAX. Doch langsam wird die Luft wieder dünner. Wir dürfen gerne positive Signale bekommen und die Märkte dürfen anziehen. Doch ist das nachhaltig, was aktuell den Markt nach oben schiebt? Allein mir fehlt der Glaube.

Und genauso, wie nur jeder hört, was er versteht, haben die Börsen momentan offenbar Scheuklappen auf. Wir wollen keine negativen Schlagzeilen beachten, wir feiern nur das Positive. Positiv war hierbei also, dass die Zinsen nicht angehoben wurden. Welch Grund zur Freude.

Feiern Sie auch mit oder sitzen Sie die „Rallye“ gerade aus? Ich bin momentan ehrlich gesagt etwas vorsichtig. Ich verzichte gerne auf 100 Punkte Kurssteigerung, wenn danach der Ausbruch auch einen Sinn ergibt. Aktuell befinden wir uns gefühlt auf etwas dünnem Eis um jetzt noch einzusteigen.

Wer besonders negativ eingestellt ist, kann jetzt natürlich auch schon Short-Positionen aufbauen. Sollte der nächste Abverkauf kommen, wären Sie gut positioniert. Doch so richtig negative Anzeichen versprühen die Charts noch nicht. Deshalb ist die Seitenlinie momentan der sicherste Weg. Eine hohe Cashquote lässt die Anleger ruhiger schlafen. Nächste Woche kann sich das Bild schon wieder drehen.

Allgemein bleiben wir im neutralen Bereich, solange der DAX zwischen 11.050 und 11.400 Punkten verläuft.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.