DAX: Warum wir die Jahresendrallye vergessen können

Die US-Märkte gewinnen so viele Prozente, wie der DAX verliert. Unsicherheit um die politische Zukunft schadet der Deutschen Wirtschaft. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Es wäre so schön gewesen: der DAX zum Jahreswechsel bei 13.500 und ein starkes Jahr mit einem starken Abschluss…

Doch: Fehlanzeige – das wird so nichts!

Der DAX tritt fleißig auf der Stelle: Vorhin standen wir einmal wieder bei genau 13.000 Punkten.

Das alleine ist natürlich nicht dramatisch, aber die anderen Börsen ziehen davon und lassen den DAX links liegen.

Dow Jones mit Rallye – DAX mit Verlusten

Die meiste Zeit laufen die beiden Indizes synchron.

Klar, einmal ist der eine etwas weiter vorne, dann holt der andere wieder auf. Letztlich treffen sich beide immer wieder. Doch was hier seit Mitte November passiert, ist definitiv erschreckend:

Der Dow Jones hat in 1 Monat über 3% zulegen können – besonders stark in den vergangenen Tagen. Hier sieht alles nach Jahresendrallye aus.

Und was macht der DAX? – Der verliert im selben Zeitraum exakt dieselben Prozente, die der Dow Jones gewinnen konnte – verrückte Welt!

Hier sehen Sie den Stunden-Chart aus Sicht von 1 Monat. Der Spagat ist offensichtlich und tut den deutschen Anlegern weh.

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Entscheidend ist hierbei v. a., dass die Kurse in den letzten Tagen des Novembers genau entgegengesetzt verlaufen sind.

Das sieht erst einmal so aus, als hätten die Anleger Geld aus dem DAX genommen und in den Dow Jones gesteckt.

Warum leidet der DAX?

Ein Wort: Jamaika. Die Ungewissheit um die deutsche Regierungsbildung macht sicherlich keinem Anleger Freude.

Optimistisch betrachtet, ist es doch auch schön zu sehen, wie sich die Welt weiterdreht, auch wenn wir noch keine neue Regierung in Deutschland haben.

So wichtig können die Politiker also gar nicht sein – v. a., wenn wir selten die am besten qualifizierten Abgeordneten auf den jeweiligen Position haben…

Das hat erst kürzlich CSU-Agrarminister Christian Schmidt unter Beweis gestellt mit seinem „Ja“ zu Glyphosat.

Einer Umfrage zufolge stimmten übrigens 75% der Deutschen für seinen Rücktritt. Der Gute wird im Zweifelsfall sicher bei Bayer unterkommen und ausreichend versorgt werden…

Das Thema Politik könnte dem DAX tatsächlich die Jahresendrallye vermiesen

Wenn Merkel keinen Konsens schaffen kann und sich außer den Grünen niemand anbiedert mitregieren zu wollen, wird das in diesem Jahr nichts mehr mit der Koalition – egal in welcher Farbe.

Und das drückt auf den DAX.

International einmal nachgefragt: Nach den USA mit ihrem Wackelkandidaten Trump sehen viele die Zukunft in Deutschland derzeit genauso ungewiss wie in Großbritannien mit dem BrExit.

Wer hätte das gedacht, dass der DAX am Ende darunter leiden muss, wenn die SPD in die Opposition stürmt – einfach, weil die rechtlichen Parteien um Merkel herum auf keinen gemeinsamen Nenner kommen!?

Sollte es in Berlin doch zu einer baldigen Entscheidung kommen, könnte der DAX auch noch an Fahrt gewinnen. Bis dahin ist das Thema Jahresendrallye für uns aber erst einmal gelaufen…

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.