Was bei der nächsten EZB-Sitzung passieren könnte

Am Donnerstag dieser Woche tagt der EZB-Rat. Erfahren Sie jetzt, was ich von der Sitzung erwarte. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Am Donnerstag dieser Woche laufen die nächsten Beratungen des EZB-Rats (Rat der Europäischen Zentralbank) in der maltesischen Hauptstadt Valletta. Dabei dürfte auch eine mögliche Ausweitung oder Verlängerung der laufenden Anleihekäufe eine Rolle spielen.

Denn: In den vergangenen Monaten wertete der Euro wieder etwas auf im Vergleich zu anderen Währungen (vor allem im Vergleich zum US-Dollar). Das wiederum sorgt dafür, dass das Inflationsziel der EZB in weitere Ferne rückt. Zur Erinnerung: Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation in der Euro-Zone von knapp 2% an.

Bevor ich gleich näher auf eine mögliche Ausweitung oder Verlängerung der Anleihekäufe eingehe, möchte ich Ihnen zunächst kurz vom Status quo berichten:

Aktueller Stand des Anleihekaufprogramms der EZB

Die EZB hat seit Beginn ihres sogenannten quantitativen Lockerungsprogramms (QE) im März Staatsanleihen, Covered Bonds und Kreditverbriefungen für knapp 500 Mrd. Euro gekauft. Damit hat sie rund 40% ihres auf 1,2 Billionen angelegten Ankaufprogramms bereits ausgeschöpft.

Das Programm soll bis Ende September 2016 – also noch knapp 1 Jahr – laufen. Die Frage ist jetzt, ob das Programm demnächst ausgeweitet oder verlängert wird.

Was dafür und was dagegen spricht

Für eine Ausweitung oder Verlängerung des Anleihekaufprogramms der EZB spricht, dass der Euro in den vergangenen Monaten wieder etwas erstarkt ist und dass die Inflationsrate in der Euro-Zone zuletzt (vor allem aufgrund des billigen Öls) wieder unter die Nulllinie gedrückt wurde. Auch wirkt sich ein stärkerer Euro negativ auf das Wachstum in der Euro-Zone aus.

Daher könnte EZB-Chef Mario Draghi versuchen, mit einer Ausweitung oder Verlängerung des Anleihekaufprogramms den Euro zu schwächen und damit gleichzeitig auch die Inflation anzutreiben.

Denn: Ein schwacher Euro verbilligt die Exporte in Drittländer und stärkt damit die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen aus dem Euro-Raum.

Zudem sorgt ein schwacher Euro dafür, dass die Einfuhren sich verteuern und das treibt die importierte Inflation an. Soweit klingt alles schlüssig. Die Frage aber ist, ob derartige Schritte notwendig sind? Aus meiner Sicht werden sich die Probleme der zu niedrigen Inflation und der wieder erstarkten Euro größtenteils auch ohne weitere Eingriffe der EZB lösen.

Sobald die US-Notenbank Fed den Zins in den USA anhebt, stärkt das den US-Dollar und schwächt zugleich den Euro.

Und das würde dann auch dazu führen, dass die Inflationsrate im Euro-Raum steigen würde. Dadurch würden sich also die genannten Probleme (zumindest weitestgehend) in Luft auflösen, ohne dass die EZB dafür etwas tun müsste.

Ich gehe davon aus, dass die EZB nichts Konkretes verkünden wird

Ich gehe daher davon aus, dass es nach der EZB-Ratssitzung am Donnerstag allenfalls schwammige Ankündigungen geben wird und die EZB insgeheim auf Zeit spielt.

So sieht es beispielsweise auch Howard Archer, Ökonom bei IHS Global Insight. Er erwartet lediglich einen Verweis auf die unterschiedlichen geldpolitischen Pfade der EZB und der Fed.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt