Was die neuen Wall Street-Rekorde wirklich aussagen

Am Montagabend nach Handelsschluss an der Wall Street berichtete Alcoa über den Verlauf des 2. Jahresviertels.

Die Ergebnis-Bekanntgabe des weltgrößten Aluminium-Herstellers ist sozusagen die traditionelle „Eröffnungsglocke“ für die Quartalsberichts-Saison in den USA.

Alcoa ist nicht wirklich der „Starter“

Ganz korrekt ist das zwar nicht, da allein 23 der 500 im S&P 500 enthaltenen Aktiengesellschaften regelmäßig schon vor Alcoa ihre Daten zum abgelaufenen Quartal vorlegen.

Darunter befinden sich so illustre Namen wie FedEx, Pepsi oder auch Nike. Allerdings unterscheidet sich deren Geschäftsjahr leicht von den meisten anderen im S&P 500:

Erkenntnis aus den Daten der Vorhut

Bei ihnen endet das Quartal nämlich bereits im Mai.

Da die Berichts-Zeiträume also nicht deckungsgleich sind, lassen sich aus den vorab bekanntgemachten Daten dieser 23 „Vor-Veröffentlicher“ auch nur bedingt Schlussfolgerungen auf den eigentlichen Verlauf der Quartalsberichts-Saison ziehen:

Gegenüber dem Vorjahr haben diese 23 Konzerne im 2. Quartal im Schnitt -2,0% weniger verdient, aber beim Umsatz um +0,8% zulegen können.

Ein interessantes Detail bieten diese Daten dennoch: Rund 65% der berichtenden 23 Firmen übertraf die Erwartungen der Analysten. Und damit sind wir beim Kern der bevorstehenden Quartalsberichts-Saison.

Gewinne der US-Unternehmen seit 1 Jahr rückläufig

Wie Sie aus früheren Chartanalyse-Trends-Beitragen zum Thema wissen, ist die Tendenz bei den Quartals-Gewinnen amerikanischer Unternehmen seit inzwischen 4 Perioden rückläufig.

Daraus könnte man nun naiv ableiten, dass die Aktienkurse darauf entsprechend negativ reagieren sollten. Wie wir indes seit Dienstag wissen, hat die Wall Street soeben neues Rekord-Terrain betreten.

Gewinn-Rückgang ist nicht gleich Aktienkurs-Rückgang

Die Krux für Sie als Investor liegt daher tatsächlich auf einer anderen Ebene:

Analysten schätzen im Vorfeld einer Quartalsberichts-Saison, wie sich die Gewinn-Situation der Unternehmen ihrer Ansicht nach verändern wird.

Je nachdem, wie sich die Realität dann später von dieser Prognose unterscheidet, reagieren die Aktienkurse darauf mit steigenden oder fallenden Notierungen.

Fazit

Für das gerade zu Ende gegangene Jahresviertel sehen die Experten einen Gewinnrückgang um durchschnittlich -6,2%. Und wie in den Quartalen zuvor ist dabei der Energiesektor DER Haupteinflussfaktor (im negativen Sinne).

Dieser Sektor war natürlich maßgeblich geprägt durch den Ölpreis, der vom Sommer 2014 bis Februar 2016 um -76% gesunken war. Daher ist der Blick auf die Kursentwicklung dieser Branche aktuell besonders interessant:

dj us energy sector index-14-07-2016

US Energiesektor Index: Investoren nehmen verbesserte Ertragslage vorweg

An der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt. Ausgehend von dieser Prämisse scheint sich die Ertragslage der amerikanischen Energie-Branche seit Januar allmählich wieder zu erholen.

Sollte dieser Trend durch die reale Unternehmens-Ergebnisse bestätigt werden, dann hätten die Analysten wohl ein weiteres Mal „zu tief gestapelt“.

Die Erkenntnis für die Wall Street kann dann nur lauten: Alles nicht so schlimm, wie befürchtet – Aktien kaufen.

So gesehen ist es aufschlussreich, dass die Wall Street ausgerechnet JETZT, zu Beginn der Quartalsberichts-Saison, diese positive Erkenntnis mittels neuer Rekordstände quasi schon vorwegnimmt.

14. Juli 2016

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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