Was hinter dem Anstieg des Ölpreises steckt

Nachdem der Ölpreis wochen- und monatelang ins bodenlose gefallen war, zeigt sich jetzt erstmals seit Sommer 2014 eine Gegenbewegung.

Im Juni 2014 kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent noch über 110 US-Dollar. Mitte Januar lag der Preis dann zwischenzeitlich bei nur noch etwas mehr als 45 US-Dollar.

Das entspricht einem zwischenzeitlichen Minus von rund 60%. Und das in gerade einmal etwas mehr als einem halben Jahr. Doch jetzt geht es wieder bergauf. Seit Freitag vergangener Woche verbuchte die Nordseeölsorte Brent ein Plus von rund 10 US-Dollar. In Prozent ausgedrückt stieg der Preis seit Freitag um etwa 20%.

Doch warum steigt der Ölpreis plötzlich wieder und haben wir im Bereich von gut 46 US-Dollar tatsächlich den preislichen Boden gesehen?

Ursachen für die plötzliche Preissteigerung

Auslöser des Höhenflugs waren Daten des Öldienstleisters Baker Hughes, wonach die Zahl der Ölbohrungen in den USA in der vergangenen Woche um 94 gefallen ist. Damit ist die Zahl der Ölbohrungen in den USA innerhalb einer Woche so stark gefallen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1987.

Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch erklärte, dass das Ausmaß des Rückgangs für die meisten Marktbeobachter überraschend kam. Angesichts des drastischen Rückgangs der Ölbohrungen in den USA dürften die Erwartungen für die US-Ölproduktion im laufenden Jahr nach unten angepasst werden.

Strategie der OPEC scheint aufzugehen

Die Strategie der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), über niedrige Preise einen Teil des Schieferölangebots aus dem Markt zu drücken, scheint aufzugehen.

Die Ölförderung in den USA mit dem umstrittenen Fracking-Verfahren – dabei werden Öl und Gas mit Druck und Chemikalien aus dem Gestein gepresst – hatte zuletzt zu einem massiven Überangebot an Öl weltweit geführt.

Schätzungen zufolge werden derzeit rund 1,5 Mio. Barrel Öl täglich mehr gefördert als verbraucht werden. Doch anders als in der Vergangenheit war das Förderkartell OPEC nicht bereit, den Preisverfall zu stoppen.

Stattdessen hat die Regierung in Saudi-Arabien, dem weltweit größten Öl-Exporteur, darauf gesetzt, dass für die US-Unternehmen ab einer bestimmten Preisgrenze die Öl-Produktion mittels Fracking unrentabel wird.

Denn: Nach Aussage des Chefvolkswirtes der Energieagentur IEA ist die Ölförderung mittels Fracking bereits unterhalb eines Ölpreises von 80 US-Dollar je Barrel nicht rentabel. Und aktuell befinden wir uns mehr als deutlich unter dieser Marke.

Zwar gibt es andere Experten, die die Gewinnschwelle unterhalb von 80 US-Dollar sehen, doch bei Ölpreisen von unter 50 US-Dollar – wie zuletzt vor rund 2 Wochen – dürfte kein US-Frackingunternehmen in der Lage sein, profitabel zu arbeiten.

Fazit: Einiges spricht für eine leichte Trendwende

Derzeit spricht einiges dafür, dass die Trendwende eingesetzt hat und wir hinsichtlich des Ölpreises – zumindest vorerst – den Boden gesehen haben. Die Prognosen großer Banken und Ratingagenturen für den durchschnittlichen Ölpreis im Jahr 2015 liegen übrigens in etwa zwischen 45 und 75 US-Dollar je Barrel.

Somit spricht auch dieser Punkt dafür, dass wir bei etwa 45 US-Dollar den preislichen Boden gesehen haben. Wenn Sie zu den etwas risikofreudigeren Anlegern zählen, bietet sich daher ein Einstieg in diesen Markt an. Sind Sie nicht ganz so risikofreudig, sollten Sie mit Ihrem Einstieg noch etwas warten, bis die Trendwende klarer ist.

3. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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