Was Ihnen der DAX-Chart derzeit offenbart

Um die künftige Tendenz im DAX richtig einschätzen zu können, lohnt sich der Blick auf einen historischen Chart. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Der DAX konnte sich in der letzten Woche kräftig und für viele Marktteilnehmer durchaus unerwartet kräftig erholen.

Das hat allerdings nichts mit der Vorfreude auf den zum Wochenbeginn vollzogenen Wechsel im deutschen Leitindex zu tun: Das DAX-Gründungsmitglied Commerzbank musste der Wirecard-Aktie weichen.

Reicht die Erholung im deutschen Aktienindex schon aus, um endlich Entwarnung zu geben? Könnte der DAX nun mal wieder dem „Taktgeber“ Wall Street folgen und in Richtung des bisherigen Allzeithochs bei 13.596 Punkten klettern?

Wir schauen einmal, welche Erkenntnisse uns die Charttechnik dazu liefert.

Am besten ist „von oben herab“

Die beste Aussicht haben Sie von einem möglichst hohen Punkt: Der Blick von einem Berg aus ermöglicht es Ihnen beispielsweise, einen exzellenten Überblick über Ihre Umgebung zu erhalten.

Das ist am Aktienmarkt nicht anders: Wenn Sie die langfristigen Trends einer Aktie oder eines Index kennen wollen, dann sollten Sie den betrachteten Zeitraum so lang wie nur möglich wählen.

Die langfristige Perspektive

Verschaffen wir uns also erst einmal einen Überblick über die DAX-Historie:

Der DAX steht aktuell vor einer wichtigen Trend-Entscheidung!

Auf diesem Monats-Chart sehen Sie auf den ersten Blick etwas sehr Erfreuliches: Der Deutsche Aktienindex bewegt sich nämlich in einem langfristigen Aufwärtstrend, der im Jahr 1982 begann.

Aktuell notiert der DAX auf dem Niveau der im Jahr 2009 initiierten Aufwärtstrendlinie (blauer Kreis). Das gilt gleichermaßen für den Relative Stärke Index:

Dieser Indikator für Trend-Intensität, den ich Ihnen am Montag noch einmal ausführlich vorgestellt habe, hat ebenfalls auf seinem 9 Jahre andauernden Aufwärtstrend aufgesetzt (gelber Kreis).

Das bedeutet für Sie: Der DAX steht aktuell vor einer wichtigen Trend-Entscheidung! Entweder Trendbruch und Absturz oder Kehrtwende sowie langfristiger Aufwärtstrend.

Die kurzfristige Perspektive

Lassen Sie uns nun noch gemeinsam auf einem Tages-Chart schauen, ob wir Hinweise für eine der beiden genannten Trend-Varianten finden können:

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DAX: Durchaus positive Argumente für einen möglichen Trendwechsel

Seit Mai dieses Jahres hat der DAX eine Chart-Formation mit der Bezeichnung absteigendes Dreieck ausgebildet. Dieses Kursmuster hat in der Charttechnik eine negative Prognose-Kraft.

Tatsächlich sah es zu Monatsbeginn so aus, als würde sich diese auch in einem Absturz des DAX materialisieren. Doch erinnern Sie sich noch an das, was ich Ihnen seit fast einem Jahr in meinen Analysen zum deutschen Leitindex mehrfach beschrieben hatte?

Falle zu Falle gesellt sich gern

Hierzu noch einmal mein Fazit aus dem Beitrag „DAX – Diese Signale sollten Sie kennen“ vom 10. Juli 2018:

„Mein Chartanalyse-Trends-Beitrag von 27. Juni 2018 hatte den Titel: „Warum Sie dem DAX zurzeit nicht trauen können“. Darin bin ich auf die zahlreichen Bullenfallen eingegangen, die wir seit dem letzten Herbst erdulden mussten.

Dies im Hinterkopf und die gezeigten Charts im Blick, beantwortet sich unsere Eingangsfrage schon beinahe von selbst:

Lassen Sie den DAX überzeugendere Signale liefern als derzeit, bevor Sie wieder in deutsche Standardaktien investieren!“

Soll heißen: Den zahlreichen Bullenfallen der letzten 12 Monate hat der deutsche Leitindex nun offensichtlich auch noch eine Bärenfalle hinzugefügt:

Der DAX ist nämlich in den letzten 2 Wochen dank seiner Rallye wieder in die Dreiecks-Formation zurückgekehrt. Gelingt nun – nach einer wohlverdienten Verschnaufpause – noch der Ausbruch aus dem Kursmuster, dann wäre das ein starkes Kaufsignal.

Schwung-Indikator lässt noch zu wünschen übrig

Vom 50-Tage-Momentum wird diese Sichtweise noch nicht vollständig gestützt: Zwar hat der Schwung-Indikator den Abwärtstrend seit Juni verlassen können.

Allerdings bewegt sich der Indikator weiterhin unter der Nulllinie: Somit wird (noch) negative Kursdynamik aufgebaut. Bei einem Dreiecks-Ausbruch sollte das Momentum indes ebenfalls nach oben drehen.

Für eine generelle Trendwende spricht auch die Divergenz (Abweichung): Das Momentum bildete im Gegensatz zum DAX zuletzt ein höher liegendes Tief aus (grüne Bögen).

Fazit

Die Stimmung ist schlechter, als die Aussichten: Langfristig ist der Aufwärtstrend im DAX intakt. Allerdings steht nun eine bedeutsame Trend-Entscheidung an.

Dem kurzfristigen Chart können wir wiederum durchaus positive Argumente für einen Trendwechsel zum Besseren entnehmen!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.