Was ist da los? Gold teurer als Platin

Die vergangene Woche war für die Edelmetalle recht heftig: Tage mit Preissprüngen von 5% und mehr waren eher die Regel als die Ausnahme. Dabei steht der Goldpreis immer im Mittelpunkt des Interesses. Das ist auch völlig normal. In Zeiten von Euro-Krise und ausufernden Schulden hat Gold als „sicherer Hafen“ in der Geldanlage sehr viel Aufmerksamkeit bekommen.

Doch wie sieht es mit dem Attribut „sicherer Hafen“ aus, wenn der Preis in nur einer Woche um mehr als 15% abstürzt? Dabei ergibt sich aus dieser Kategorisierung für Gold auch gleich wieder neues Potenzial. Bedenken Sie: Auch jetzt sind noch keine Probleme gelöst worden, die den Boom beim Gold ausgelöst haben.

Die aktuelle Preiskorrektur gab es also nicht, weil es jetzt keine „sichere Häfen“ mehr geben muss. Vielmehr ist doch heute noch nicht klar, ob Griechenland überhaupt die nächste Hilfszahlung bekommt. Insofern hat Gold auch das Potenzial für erneute Zuwächse in Richtung der 2.000 Dollar-Marke.

Goldpreis von 2.000 Dollar bleibt sehr realistisch

Viele Experten haben gerade in dieser Woche diese runde Marke erneut als Preisziel für die Feinunze ausgegeben. Doch Gold ist nur ein Faktor bei den Edelmetallen – wenn auch der Wichtigste. Aber Platin ist auf jeden Fall auch einen Blick wert.

Das Edelmetall wird eben an den Märkten anders eingestuft als Gold. Wegen der starken industriellen Nutzung steht der Preis aktuell stärker unter Druck. Die Aussicht auf eine erneute Rezession lässt Befürchtungen aufkommen, dass Platin in der Automobilindustrie beim Bau von Katalysatoren weniger eingesetzt werden könnte.

Insofern ist es auch kein Wunder, dass der Platinpreis seit Mitte September um 13% verloren hat. Beim Gold fiel der Verlust mit knapp 9% doch deutlich geringer aus. Und in dieser Hinsicht gibt es auch noch eine spannende Tatsache: Aktuell kostet Gold mehr als Platin – und zwar deutlich mehr. Die Prämie des Goldes zum Platin liegt bei rund 5%. Das ist der höchste Stand seit knapp 20 Jahren.

Bedenken Sie: Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag der Abschlag des Goldpreises zum Platin bei knapp 40%. Da ist es überhaupt schon erstaunlich, dass Gold mehr als Platin kostet.

Die entscheidende Frage lautet doch: Was heißt das jetzt für uns als Rohstoff-Investoren? Zunächst einmal bekommt man aktuell eine Unze Platin für einen niedrigeren Preis als eine Unze Gold. Das ist aus historischer Sicht eine Gelegenheit. Aber nicht immer hilft eben die historische Sicht der Dinge weiter.

Es ist auch gut möglich, dass Gold in eine neue Boomphase eintritt und den Platinpreis abhängt. Für klassische Edelmetallinvestoren bleibt ohnehin Gold die erste Wahl.

29. September 2011

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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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