Was ist nur aus diesem Börsen-Highflyer geworden?

Wer Anfang der 2000er regelmäßig den Nachrichtensender n-tv eingeschaltet hat, der erinnert sich womöglich noch an die etwas ungelenke Werbung für den Börsengang von SolarWorld.

Zunächst als kleines Unternehmen gestartet, entwickelte sich die Aktie schnell zum Börsen-Liebling vieler Privat-Anleger. Extreme Kurszuwächse waren Investoren der 1. Stunde garantiert.

Doch dann kam der Absturz. Chinesische Unternehmen machten deutschen Anbietern den Markt streitig und einige Konkurrenten von SolarWorld schlitterten gar in die Pleite.

Und heute? Heute ist das Unternehmen noch immer auf den Kurszetteln vertreten. Wie es aber um die Aussichten steht, sollten Sie in unserer Analyse lesen.

SolarWorld noch immer im Preiskampf

Die SolarWorld AG und ihre Tochtergesellschaften forschen, entwickeln, produzieren und vertreiben Produkte zur solaren Stromerzeugung.

Auf diesem Gebiet deckt der Konzern die gesamte Wertschöpfungskette der Solar-Wirtschaft vom Rohstoff Silizium bis zur fertigen Solaranlage ab.

Die Gesellschaft bezeichnet sich daher als das weltweit einzige vollintegrierte Solar-Unternehmen, das sich ausschließlich der Solarenergie widmet.

Der seit Jahren defizitäre Photovoltaik-Konzern ist 2016 noch tiefer in die Verlustzone gerutscht. SolarWorld steigerte zwar die Absatzmenge um 19% auf 1.375 MW.

Auch der Umsatz erhöhte sich um 5% auf 803 Mio €. Doch das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) belief sich auf -99 Mio. €, nach -4 Mio. € im Vorjahr.

Seit Monaten überfluten chinesische Anbieter den europäischen Markt mit Dumping-Preisen und sorgen für einen verhängnisvollen Preiskampf.

Rettungsmaßnahmen im Gange – Erfolg ungewiss

Um die Lage in den Griff zu bekommen, verordnete sich der Konzern Umstrukturierungs-Maßnahmen, die z. B. einen spürbaren Stellen-Abbau sowie die Konzentration auf Qualitäts-Produkte zum Ziel hat.

So soll das Lithium-Förderprojekt im Erzgebirge schrittweise aufgegeben werden.

Zunächst ist vorgesehen 50% der Projektanteile an den kanadischen Minen-Konzern Bacanora Minerals zu verkaufen. Der Preis soll sich auf 5 Mio. € belaufen.

Somit würde das Projekt – zumindest vorläufig – als Gemeinschafts-Unternehmen geführt. Die Option zur Komplett-Übernahme des Standorts wird 24 Monate offengehalten.

Zudem wird SolarWorld seine Aktivitäten im Laufe des Jahres auf monokristalline Hochleistungs-Produkte fokussieren. Dies wird den Aufwand in Produktion, Vertrieb und Verwaltung deutlich reduzieren.

Ausblick und Fazit

2017 sollen die Absatz-Mengen steigen und der Umsatz das Vorjahres-Niveau erreichen.

Wenn keine außergewöhnlichen Preisrückgänge eintreten, rechnet SolarWorld mit einem Anstieg des EBIT; wenngleich es noch negativ bleiben dürfte.

Wann unterm Strich wieder ein Gewinn steht, ist völlig offen. Dividenden-Anleger sollten von diesem Titel schon 2x die Finger lassen!

19. April 2017

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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