Was ist, wenn die Briten doch aus der EU austreten?

Ich fange mit der Quintessenz an:

Sie können auf mittel- und langfristig steigende Märkte setzen, Call-Optionen kaufen und gewinnen.

Das ist das vorweggenommene Fazit dieses Kommentars.

Krisen der letzte Jahre

Haben Sie noch alle Krisen parat, von denen Ihnen gesagt wurde, sie würden die Aktienkurse auf Talfahrt schicken?

Ich kann sie nicht mehr vollständig aufzählen. Es sind zu viele. Es ist auch nicht so wichtig, denn der DAX 30 legt langfristig immer zu.

Starten wir mit einer große Krise

Mit der Hypotheken-Krise und dem von Rating-Agenturen abgesegneten Verkauf von Ramsch-Papieren, die zu undurchschaubaren Bündeln gepackt und in den Markt gedrückt wurden, fing die Finanzkrise in den Jahren 2007 / 2008 an und war dann nicht mehr zu stoppen.

Negativer Höhepunkt war die Pleite der US-Großbank Lehman Brothers. Es führte dann zur Staatenkrise.

Auswirkung auf den DAX 30: Als der Betrug (mag sein, die Juristen nennen es anders, ich empfinde es als Betrug) aufflog und die Blase mit den überteuert verkauften Ramsch-Papieren platzte, folgte der Crash der Aktien-Indizes.

Der DAX 30 halbierte sich von rund 8.000 Punkten Ende 2007 / Anfang 2008 auf etwa 4.000 Punkte im März 2009.

Danach fielen die Dominosteine. Von den PIGS-Staaten war die Rede und dann von den PIIGS-Staaten. PIIGS steht für: Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien.

[Off Topic: Mein Rechtschreib-Programm fragt mich, ob ich PIIGS-Staaten in PISS-Staaten (sorry, aber ich zitiere nur Word und Microsoft) ändern wolle – das habe ich nicht gemacht, wie Sie sehen.]

Zurück zum steigenden DAX 30

Die Schuldenkrise betraf besonders die PIIGS-Staaten, deren mögliche Insolvenz vorausgesagt wurde. Der DAX 30 wäre am Ende, wurde Ihnen gesagt.

Auswirkung auf den DAX 30: Der DAX 30 legte zu.

Seitdem wird von der zu hohen Verschuldung vieler Industrie-Staaten gesprochen. Es gab die Diskussion um die Risiken der Target-Salden bei grenzüberschreitenden Zahlungen.

(Target: Zahlungsverkehrssystem für nationale und grenzüberschreitende Zahlungen.) Vielleicht haben Sie es schon vergessen? Es spielt ja auch keine Rolle mehr an der Börse.

Auswirkung auf den DAX 30: Der DAX 30 legte mittel- und langfristig zu.

Sparen wir uns an dieser Stelle die Betrachtungen weiterer Krisen und Bekämpfungen (Zypern und Island und Draghi und Janet Yellen und US-Notenbank und Euro und Negativzins der EZB und Negativzins Deutscher Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit …), denn auch hier gilt:

Auswirkung auf den DAX 30: Der DAX 30 legte zu.

Derzeit gerät die Flüchtlings-Problematik in den Hintergrund. Und von Griechenland spricht auch kaum noch jemand.

Der Nahe Osten? Für die Börse kaum ein Thema. Syrien mag zum Partner westlicher Staaten werden, wenn es um die Stabilität im Irak geht.

Und der eine Zeitlang böse Staat Iran wird möglicherweise auch zum Partner der USA gegen den Irak. (Haben Sie gerade gedacht: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich? – Also, ich habe es natürlich nicht gedacht.)

Wie auch immer, Sie wissen schon, was jetzt kommt:

Auswirkung auf den DAX 30: Der DAX 30 legte zu.

Und nun sage Keine/r: Der DAX 30 habe doch in den letzten Tagen bis zu 7% verloren. Das nenne ich ein Nichts. Kurse schwanken eben.

Mit 9.500 Punkten notiert der DAX 30 mehr als 150% über seinem Tief vom März 2009, das lag bei 3.589 Punkten.

Was ist, wenn die Briten doch aus der EU austreten?

Wenn diese vielen Krisen (die Aufzählung war nicht vollständig) den DAX 30 nicht in die Knie zwingen konnten, ja im Gegenteil, der DAX 30 fulminant auf ein Allzeithoch gestiegen ist und jetzt konsolidiert, was soll den DAX 30 dann bremsen? Brexit?

Nächste Woche Donnerstag, 23.06.2016, ist die Abstimmung der Briten über Verbleib in oder Austritt aus der EU (Brexit)?

Kurzfristig ist alles möglich. Also gibt es 3 Szenarien:

  1. Es kann sein, dass die Börse nach oben geht.
  1. Es kann sein, dass die Börse nach unten geht.
  1. Es kann aber auch sein, dass die Entscheidung bereits in den Börsenkursen eingepreist ist und keine Auswirkung spürbar ist.

Mittel- und langfristig steigt der DAX 30

Wie geschrieben: Bei den angesprochenen Krisen wurde Ihnen vielfach prophezeit, dass es den DAX 30 in einen Abwärtstrend führen würde. Das Gegenteil war der Fall: Es gab zwar immer Kursrücksetzer. Die erleben Sie auch jetzt.

Aber mittel- und langfristig hat der DAX 30 immer deutlich zugelegt – das erwarte ich auch jetzt. Egal wie das EU-Referendum ausgeht. Denn nach der Entscheidung haben wir Klarheit und die lieben die Börsianer.

Deshalb gilt wie eingangs geschrieben: Kaufen Sie Call-Optionen und Sie gewinnen durch den steigenden DAX 30. Welche Calls? Call-Optionen mit langer Laufzeit auf Bayer sind z.B. ein Tipp.

Zum guten Schluss: Heute vor 655 Jahren, also am 16.06.1361, verstarb der deutsche Theologe, Mystiker und Prediger Johannes Tauler. Von ihm stammen die immer aktuellen Worte:

„Üben mußt du dich, willst du ein Meister werden.“

Ich bemühe mich, Sie bei Ihren „Übungen an der Börse“ zu unterstützen. In der Hoffnung, dass es mir gelingt, sende ich beste Grüße

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

16. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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